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Nackte Zahlen: Sexkolumne 04. Januar 2016

Geld macht geil

Von Till Raether  Illustration: Eugenia Loli

Das sexuelle Verlangen wächst mit dem Einkommen. Aber warum? An dem vielen Kokain, das angeblich noch an Geldscheinen klebt, kann es ja wohl nicht allein liegen. Sieben Erklärungsversuche.

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Eine Online-Partnervermittlung hat ihre Mitglieder befragt und dabei herausgefunden, dass das sexuelle Verlangen mit dem Einkommen steigt. Nicht mal ein Drittel derer, die unter 12.500 Euro im Jahr verdienen, haben ein »hohes sexuelles Verlangen«; diese Quote steigt mit jedem Einkommenssprung, bis zu denen, die über 75.000 Euro im Jahr verdienen, also: von 75.000 bis unendlich. Von ihnen bescheinigen sich selbst über 52 Prozent, sie seien »sexuell hoch motiviert«.

Tatsächlich zeichnen sich ja die Wohl- und Wohlsthabenden oft durch eine gesunde Gesichtsfarbe und eine gewisse Breitbeinigkeit im Auftreten aus, und man dachte bisher: Es liegt an der Golfplatzsonne, der guten Ernährung, den teuren Kosmetika und am Gefühl, gut im Leben zu stehen, dabei ist es in Wahrheit einfach so eine gewisse latente Dauererregung. Was aber ist der Zusammenhang? Vorbehaltlich der ausstehenden wissenschaftlichen Überprüfung haben wir sieben Gründe isoliert, warum Reiche sexuell stärker »hoch motiviert« sind als Gering- und Durchschnittsverdiener.

1. Geld macht geil. Wegen des Kokains, das von Nürnberger Wissenschaftlern auf neun von zehn Euroscheinen nachgewiesen wurde. Wer viele Geldscheine hat, ist stärker in Kontakt mit dem libidofördernden Alkaloid.

2. Die Statistik ist verzerrt, weil Leute, die viel Geld verdienen, es einfach gewöhnt sind, sich in jedem Zusammenhang als »hoch motiviert« zu bezeichnen: monetär, perspektivisch oder eben sexuell. Darum machen sie da automatisch immer ihr Kreuz.

3. Wer viel Geld hat, ist es gewöhnt, immer erstmal zu sagen »Klar, kann ich, bin ich, mach ich«. Denn wenn man hinterher dann doch keine Zeit hat, kann man ja immer noch jemanden dafür bezahlen, der das dann für einen erledigt.

4. Es handelt sich um eine unausweichliche Entwicklung des Spätkapitalismus': durch derartige Provokationen der Besitzenden wird der Klassenkampf angeheizt, bis das System überwunden werden kann.

5. Die Reichen haben einfach bessere Matratzen. Und schönere Tische. Und wertigere Böden, Pandomo aufwärts. Und stabilere Arbeitsplatten in der Küche mit haptisch ansprechenderen Oberflächen (laut Umfrage die vier beliebtesten Sex-Orte zu Hause).

6. Wer sein Leben dem Geldverdienen widmet, kennt Sex nur noch vom Hörensagen und aus der Erinnerung, ist aber theoretisch »hoch motiviert«, diesen Lebensbereich bei nächster Gelegenheit zu gentrifizieren.

7. Wie früher Oma halblaut in einer schlechten Phase beim Rommé zu sagen pflegte, wenn jemand anders Runde um Runde abräumte: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

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Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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