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Hit, Hit, Hurra: Chartskolumne 13. Januar 2016

Der Testsieger

Von Jan Stremmel 

Ein Gesicht wie Clark Kent und eine schlüsselfertige Fanbase: Dass Shawn Mendes mit seinem Song "Stitches" an der Spitze der Charts landete, war eigentlich klar. Genau so funktionieren Pop-Erfolge heute.





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Na endlich, in den iTunes-Charts zeichnet sich ein Ende von Adeles Hello-Herrschaft ab: Ein gewisser Shawn Mendes steht nun an der Spitze, was schon ein bisschen bemerkenswert ist. Denn Mendes hat gerade erst sein Debütalbum veröffentlicht, und zwar direkt auf Platz 1 in den USA und Kanada. Mit 16 Jahren. Man kann an diesem Shawn Mendes also gut beobachten, was es braucht, um im Jahr 2016 ein Senkrechtstarter zu sein.

Einmal ist da der Song: Er heißt Stitches und handelt von einem Jungen, der ohne die Kisses seiner Angebeteten nicht klarkommt. Das Lied tut niemandem weh: bisschen Akustikgitarre, Check, paar schmissige Klatscher, Check, trotz Liebeskummer-Thema kann man super dazu tanzen, Check - klar, dass das Erfolg hat. Im Video wird Shawn Mendes dann von einer unsichtbaren Person durch ein Parkhaus geprügelt, in Lederjacke und Zeitlupe. Ein wenig Fight Club-Härte, das tut dem etwas arg glatten Lied gut. Und natürlich auch Shawn Mendes selbst, der aussieht wie ein fast fertig pubertierter Clark Kent, also sehr hübsch, aber mit ein paar Schrammen doch noch etwas hübscher.

Nun ist interessant zu wissen: Mendes' Plattenfirma hat ihn im Internet entdeckt. Und zwar bevor er auch nur einen einzigen Song geschrieben hatte. Der Kanadier Mendes coverte Lieder von diversen Teenie-Künstlern auf dem Kurzvideo-Netzwerk Vine und hatte damit ein paar Millionen Follower angehäuft. Das Label musste nur noch zugreifen.

Ja, diese Geschichte klingt bekannt: Sie ähnelt fast exakt der von Justin Bieber, ebenfalls Kanadier, der vor Jahren über Youtube bekannt wurde. Ein Junge mit großem Publikum, noch in alle Richtungen steuerbar, das ist der Jackpot für Major-Labels. Weil, klar: Ganz früher mussten sie Showcase-Konzerte veranstalten, um zu sehen, wie das Publikum reagiert. Dann übernahmen das Casting-Shows - erst mal ein paar Lieder covern, die zum Typ passen und schauen, was bei den Votings rauskommt.

An Bieber, und noch viel besser an Mendes, sieht man: Soziale Netzwerke perfektionieren dieses Prinzip, sie sind im Grunde die ideale Castingshow. Die Talente machen den Markttest gleich selbst - und bringen im Erfolgsfall eine Fanbase mit, die noch für alles offen ist. In diesem Zusammenhang muss man übrigens sagen, dass Shawn Mendes die eigene Nische von Anfang an perfekt erkannt hat. Das Vine-Video, mit dem er seinen Durchbruch hatte, war eine Coverversion von, genau, Justin Bieber. Jackpot.




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