Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 31°
Anzeige
Anzeige

Politik 26. Mai 2016

So lebt Sebastian Edathy im Exil

Foto: Armin Smailovic

Als 2014 bekannt wird, dass der SPD-Politiker Sebastian Edathy Nacktbilder von Jungen im Internet gekauft hat, ist seine Karriere am Ende und er flieht ins Ausland. Heribert Prantl hat ihn dort fürs SZ-Magazin besucht.

Anzeige
Sebastian Edathy war einer der profiliertesten SPD-Innenpolitiker, gehörte 16 Jahre lang dem Bundestag an, er saß dem NSU-Untersuchungsausschuss vor. Nachdem im Februar 2014 bekannt wurde, dass er sich jahrelang Filme mit nackten Jugendlichen bei einem Versand in Kanada bestellt hatte, endete seine Karriere von einem Tag auf den anderen. Edathy kehrte Deutschland den Rücken. Bis heute traut er sich nicht, dorthin zurückzukehren. Das SZ Magazin konnte ihn in seinem selbst gewählten arabischen Exil treffen.



Edathy bekommt immer noch zwei, drei Morddrohungen pro Woche, dazu Mails mit wüsten Beschimpfungen. Er liest sie in einem Haus am Rande einer arabischen Stadt. Das Haus ist gemietet, 400 Euro im Monat, er lebt dort mit seinem Hund und drei ihm zugelaufenen Katzen.

Edathys politisches Leben endete, während er in Dänemark im Kurzurlaub war. Seine Wohnung und seine Büros wurden von der Staatsanwaltschaft und der Polizei durchsucht, der Vorwurf: Kinderpornografie. Das Strafverfahren wurde nach zwei Verhandlungstagen ohne Schuldfeststellung eingestellt, gegen eine Geldauflage von 5000 Euro. Edathy ist damit nicht vorbestraft.

Während er sein Verhalten bei einer inzwischen berühmt-berüchtigten Bundespressekonferenz im Dezember 2014 noch kühl als Privatsache verteidigte, sieht er sich inzwischen selbst kritischer. Er habe, sagte er dem SZ Magazin, „kein sexuelles Interesse an Minderjährigen.“ Aber die Bestellungen, die Filme? Vielleicht sei er „strukturell generell ein Borderliner, das will ich gar nicht ausschließen; aber es war unnötig und falsch.“

Im Dezember will Edathy seinen Verlobten heiraten – der ist Hotelmanager in dem Land, in dem Edathy lebt.

Wie Sebastian Edathy im Orient lebt, wie er sein Privatleben neu organisiert und wie er mit dem Vorwurf lebt, den er nie wieder los werden wird, lesen Sie im großen Porträt mit SZPlus.



Anzeige
  • Politik

    »Ich war natürlich für die Beatles«

    Bundestagspräsident Norbert Lammert im Gespräch über seinen baldigen Ruhestand, seine Jahre als Teenager in den Sechzigern und die Frage, warum er nie in Talkshows zu sehen ist.

    Von Evelyn Roll
  • Anzeige
    Politik

    Wie trauert man richtig?

    Nach manchen Terroranschlägen zeigt der deutsche Staat seine Betroffenheit, nach anderen nicht. Die Frage, wonach sich das richtet, ist nicht leicht zu beantworten.

    Von Evelyn Roll
  • Politik

    Willkommen, Mr. President

    Aus US-Sicherheitskreisen wurde jüngst bekannt, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Donald Trump eher kurz sein soll. Statt umfangreicher Dossiers wünsche er sich beim täglichen Briefing knappe Texte, viele Bilder und Grafiken, hieß es. Außerdem sei er eher gewillt, einen Bericht zu lesen, wenn darin sein eigener Name auftauche. Das SZ-Magazin hat sich diese Hinweise zu Herzen genommen - und zum G20-Gipfel in Hamburg an diesem Wochenende die wichtigsten Informationen für Donald Trump zusammengestellt.