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Tiere/Pflanzen 03. Juni 2016

Die schon wieder

Dorothea Wagner 

Wildgänse waren in Deutschland lange Zeit fast ausgestorben. Jetzt leben sie hier wieder. Das wäre eine gute Nachricht - hätten sie nicht so viele Gegner.




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Helmut Sontheim hat in den vergangenen Wochen Antriebsketten geölt, Lager geschmiert und Kehrbürsten mit einem Dampfstrahler abgespritzt. Jetzt ist seine Reinigungsmaschine bereit für die Badesaison. Wenn die Temperaturen steigen, wird der Landschaftspfleger sie auf einen Anhänger laden und mit ihr zu einer Liegewiese am Starnberger See fahren. Drei Mal pro Woche zieht er sie mit einem Schlepper über die Wiese. Das macht mehrere hundert Stunden Arbeit pro Jahr. Nur wegen dem Gänsekot.

Allein in Deutschland gibt es heute mehr als zehnmal so viele Grau-, Nil- und Kanadagänse wie noch vor 30 Jahren. Das könnte eine gute Nachricht sein. Lange Zeit waren hier Wildgänse so gut wie ausgestorben. Aber die Vögel leben nicht in der Wildnis, sondern im Blickfeld der Menschen. Und das führt zu Problemen.

Gänse fressen gerne Gras. Weil sie - anders als Kühe - nur einen Magen haben, können sie das meiste davon nicht verwerten. Also wandert das Gras schnell durch ihren Körper. Nach einem Forschungsbericht koten sie bis zu 170 Mal am Tag, meistens auf Liegewiesen mit Blick aufs Wasser. Denn Gänse fühlen sich wohl, wo Menschen sich wohlfühlen. Parks, Badeseen und Flussufer sind für sie ideale Brutplätze. Dass dort im Sommer auch gerne Menschen auf Picknickdecken liegen, stört die Gänse nicht weiter. Umgekehrt ist das leider anders.

Die Gänse-Bilanz der vergangenen Sommer: Kleinlaster voller Kot und Algen, abgefressene barocke Blumenbeete, Gössel, die im Freibad schwimmen lernen. Kleinigkeiten, vielleicht, aber genug, um sich einige Gegner zu machen. Also versuchten Menschen, gegen die Gans die Oberhand zu gewinnen. Sie klopften Zäune in die Wiese, mähten Gras nicht mehr oder setzten Plastik-Schwäne aus, um die Gänse zu vertreiben. Erfolgreich? Gar nicht.

Das könnten witzige Anekdoten sein: Gänse, die Menschen austricksen. Aber es hängt so viel daran. Wenn die Stimmung kippt, die Gänse als Plage eingestuft werden, kommen sie aus dieser Schublade nicht mehr heraus. Wie Tauben. Oder Ratten. Oder wie die Wildgänse in den Niederlanden. Weil sie dort so viele Felder kahlfressen und eine Gefahr für den Flugverkehr sind, sollen dort in den nächsten Jahren Hunderttausende Gänse vergast werden. Die Nähe zu Menschen kann tödlich enden.

Aber wenn man Helmut Sontheim nach einem Abend auf dem Schlepper fragt, was er eigentlich von Gänsen hält, sagt er: »Optisch sind sie ein Traum, so schön anzuschauen.«

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