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bedeckt München
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aus Heft 39/2014 Gesellschaft/Leben

Halbe Miete

Foto: dpa

Wer WG-Inserate aus sechs Jahrzehnten liest, erfährt viel darüber, wie unser Land sich verändert hat. Eine Auswahl.

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 Süddeutsche Zeitung, 5. April 1956 

»Ich suche für meine Tochter, 21 J., und für meinen Sohn, 20 J., die sich studienhalber in München aufhalten, ab sofort je 1 gutmöbliertes Zimmer, möglichst Schwabing, Eilangebote an: Handelsgesellschaft Braunkohle GmbH, München.«


Süddeutsche Zeitung, 2. September 1961

»Offizierswitwe, Anfang 50, gepflegte und attraktive Erscheinung, in besten Verhältnissen lebend, möchte Wohngemeinschaft mit einem gebildeten Herren eingehen. Derselbe soll an einen Lebensstandard von hohem Niveau gewöhnt sein und über ein eigenes Haus im Raum München verfügen. Komplette Wohneinrichtung vorhanden.«

»Blatt«, Stadtzeitung münchen, 18. August 1978 
 
»Nach 1 Jahr WG, die jetzt kaputt geht, bin ich ziemlich frustriert, mag aber noch immer nicht alleine wohnen. Darum suche ich neue Leute (…) Zusammenhalten sollte diese WG nicht nur durch Wohnungsnot, sondern auch durch Toleranz und gemeinsames Interesse am Verstehen des Kapitalismus, ich würde wahnsinnig gerne mit Kindern zusammenwohnen.«

»Blatt«, Stadtzeitung münchen, 23. Januar 1981 

»Ich arbeit langsam aber stetig daraufhin, mich mit menschn zusammenzutun, die auch den wunsch haben, eher in einer gruppe von wahlverwandten in einer wohngemeinschaft zu leben, als in einer ehe, kleinfamilie oder zweierbeziehung oder alleine (...) ich lerne sehr viel bei gesprächen mit menschen, die sich für eine solche wohngemeinschaft interessieren und ich fühle mich wohl dabei, den prozeß der anziehung und abrenzung und deren bewußtmachung zuzulassen (…) ich suche menschen, die schon soviele kräfte übrig haben, daß sie neben der arbeit und der befriedigung der äußeren gestaltung des lebens und dem genuß von freizeit freuden die wachstumsschmerzen und frustrationen, in erträglichem maß zulassen können, die das zusammenleben in einer gruppe mit sich bringt, bzw. die bewußt energien in diese art entwicklung investieren wollen. (…) was da ist, ist ein schönes haus mit garten in gauting.«  
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TAZ, 6. Februar 1993

»Rauchende, fleisch-essende, weintrinkende, heterosexuelle 39-jährige Frau (unmuffelig) sucht undogmatische und lebensfrohe = bejahende WG. Ich traue jedem über 30.«

berlin-vegan.de, August 2014 

»Wir suchen liebe Menschen die auch ein bisschen zusammen Leben und nicht nur Wohnen möchten. Bitte keine Cis*-Männer. Wenn ihr vegan lebt oder queer-feministisch Unterwegs seit, seit ihr hier vielleicht richtig. Es ist wichtig, dass ihr Selbstständig, Kommunikation und Konflikt fähig seit. Wir hätten auch gerne jemand der mit in den Hauptmietvertrag kann. Bitte schreibt mindestens eine halbe Seite zu euch und schreibt in den Betreff »nicht alternativlos«, da ich keine Massenkastings machen werde und keine lust auf Mails von Menschen habe die nicht mal die Anzeige lesen.«
*Cisgender bedeutet, sich dem Geschlecht zugehörig zu fühlen, das man auch biologisch hat - das Gegenteil von Transgender. (Anm. der Redaktion)


Alle Rechtschreibfehler im Original.


Recherche: Wolfgang Luef, Franziska von Malsen, Franziska Tschinderle