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Wortewandel: Sprachkolumne 10. November 2016

Warum singen wir »Rabimmel, rabammel, rabumm«?

Von CUS  Foto: dpa; Illustration: Nathan Nankervis

Unser Kolumnist entdeckt dank Martinsumzug und Bibabutzemann ein Urprinzip der Sprache.

Laternenumzug in Dresden - nur echt mit gesungenem »Rabimmel, rabammel, rabumm«.
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Der 11. November ist ein aufregender Tag: Die Faschingsprinzenpaare werden inthronisiert, den Martinsgänsen geht es ritschratsch an den Kragen und die Kindergartenkinder ziehen mit ihren Laternen umher. Manch Piesepampel wird das jetzt für pipifax halten, doch entgeht ihm dann das ganze Universum der Laternenlieder. Nicht dass ich die immer verstehen würde, etwa »Brenne auf mein Licht, aber nur meine liebe Laterne nicht« - das übersteigt meine intellektuellen Fähigkeiten. Egal, einen Piepmatz stört das nicht.

Sprachlich ergiebiger ist ohnehin die schöne Liedzeile: rabimmel, rabammel, rabumm! Intellektuell kann ich das bewältigen. Empörend finde ich, dass meines Wissens nie eine erschöpfende linguistische Abhandlung geschrieben wurde über die Vokalfolge i-a-u, die so tief in unser Alltagsleben greift, ja unser Liedgut bis ins Mark durchdringt und das nicht nur dank rabimmel, rabammel, rabumm. Man denke nur an Rirarutsch, wir fahren mit der Kutsch. Im gleichen Atemzug zu nennen mit dem Bibabutzemann und in minderem Maße mit lirum-larum-Löffelstiel. Schade nur, dass Schni-Schna-Schnuppi, das kleine Krokodil, bockte und stattdessen als Schni-Schna-Schnappi auftrat. Okay, als Krokodil wäre ich auch lieber ein Schnappi als ein Schnuppi.

Jetzt habe ich hoffnungsfrohen Doktoranden der Linguistik im Grunde schon die ganze Dissertation vorgekaut. In ihren Fachbüchern hätten die das niemals gefunden. Allenfalls die Vokalfolge i-a-u bei den Zeitformen von singen: singen, sang, gesungen. Übrigens die gleiche Folge wie im Englischen: sing, sang, sung.

Vom Liedgut zur Poesie: Piff paff puff heißt es im Abzählreim. Das Schloss Schnick-Schnack-Schnurr verdanken wir Baron Münchhausen. Und Schnick Schnack Schnuck ist eines der vielen Namen des einzigen mir bekannten Spieles, bei dem die Gewinnaussichten stets exakt fifty-fifty sind - und zwar selbst dann, wenn man unbedingt verlieren will. Das gilt jedenfalls für die einfache Version Schere/Stein/Papier.

Falls Sie das alles zu intellektuell finden: Die abgespeckte Version der Folge i-a-u ist die noch häufigere Vokalfolge i-a. Kritzekratze, Miezekatze, Hickhack, Zickzack, Singsang, Tingeltangel. Zuweilen regiert die pure Lust am i-a-Geschwätz wie beim Wirrwarr. Woher Wirr kommt, kann man sich denken, aber was, bitte, ist warr?

Der Klassiker, wie so oft, Wilhelm Busch: Max und Moritz piesacken mit ihren Fisimatenten den Schneidermeister Böck und sägen »Ritzeratze! voller Tücke, in die Brücke eine Lücke«. Das gleiche Schema dann beim Onkel Fritz: »Doch die Käfer, kritze, kratze! kommen schnell aus der Matratze.« Ein sprachlicher Hochgenuss in jedem Fall das Finale mit »Rickeracke! Rickeracke!«, denn so geht die Mühle »mit Geknacke«. Zermahlt die Buben zu Gänsefutter. Sagen seither weder gicks noch gacks.

Besser ergeht es da Tick, Trick und Track, den Neffen von Onkel Donald. Der Froschkönig erscheint plitsch platsch aus dem Wasser, vermutlich pitschepatschenass. Winnetou lud in seinen Wigwam. Noch näher an der deutschen Volksseele, natürlich, Heino: »Das schönste Mädchen in den Bergen, das heißt Siouxcity-Sue. In einem Wigwam in Montana wohnt sie im Land von Winnetou.« Ethnographisch pillepalle, lyrisch prima!

Wie heißt der Mischmasch aus Cola und Orangensaft? Schwip Schwap von Pepsi. Schnick Schnack ist kein Krimskrams, sondern der deutsche Name von Nick Nack - das ist der böse Wicht im James-Bond-Film Der Mann mit dem Goldenen Colt.

Wie man am englischen Nick Nack sieht, scheint die Vokalfolge also auch in anderen Sprachen populär. Im Bairischen etwa der Diridari, was Deutsche als Bimbes kennen. Obladi Oblada sangen die Beatles eher wishy-washy als klipp und klar. Mit Tiki-Taka wurden Spaniens Fußballer ratzfatz Weltmeister. Den französischen flic-flac springt unsereiner als Flickflack. Bric-a-brac ist in Frankreich, na, dingsda, Firlefanz!

Damit sind wir hinreichend vorbereitet auf die Vokalfolge i-a-o: Ding dang dong macht der Bimbam in der deutschen, englischen und französischen Version von »Bruder Jakob«. Italiener und Spanier begnügen sich mit din don dan. Tic Tac Toe kennen Engländer als Kinderkram und wir mit hitverdächtigem Tri-tra-trallala. Ein Name des schon erwähnten Spiels mit Schere, Stein, Papier lautet Ching Chang Chong. Leider ein wenig aus der Mode gefallen ist der Stadiongesang Hihaho, Schalke ist k.o! Und jetzt Schluss mit dem ganzen Pipapo.

Ciao!

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CUS

Als 1990 das erste SZ-Magazin erschien, war CUS schon dabei. Seitdem macht er jede Woche »Das Kreuz mit den Worten«, eine der beliebtesten Rubriken im Heft. In seiner Online-Kolumne »Wortewandel« untersucht er nun sprachliche Kuriositäten und ungewöhnliche Redewendungen, die uns im Alltag vielleicht gar nicht so schnell auffallen. Mehr von CUS gibt es auf seiner Webseite cus-raetsel.de.