Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München
Anzeige
Anzeige

aus Heft 50/2016 Ein Interview ohne Worte

Wie gern erinnern Sie sich an die »Feuchtgebiete«?

Fotos: Dominik Butzmann

Die Schauspielerin Carla Juri über das Lebensgefühl in ihrer Heimat, ihre männliche Seite und wie man sich am besten aus der Affäre ziehen kann.



Anzeige
Geboren:
2. Januar 1985 in Locarno, Schweiz
Beruf: Schauspielerin
Ausbildung: Schauspielschule Los Angeles
Status: Naturkind

Als Jugendliche stürmte sie im Tessiner Eishockeyteam, mit Jungs und gegen Jungs. Da stand ihr manchmal das Mädchensein im Weg. Nicht so sehr, weil sie Angst um ihren Körper gehabt hätte (der unter der Schutzausrüstung sowieso nicht als weiblich zu erkennen war), sondern weil die Jungs Angst davor hatten, gegen ein Mädchen zu verlieren. Die Rollen, die die Schweizer Schauspielerin Carla Juri sich seitdem ausgesucht hat, passen ins Bild. Sie ist diejenige, die sich getraut hat, Helen in der Verfilmung des Romans Feuchtgebiete zu spielen - und mit ihrer unbekümmerten und burschikosen Art die freizügigen Szenen des Films vor Peinlichkeit bewahrte. »Frei ist nur, wer missfallen kann«, hat sie danach in einem Interview gesagt. Der Satz ist ein Zitat aus einer Biografie über Paula Modersohn-Becker. Im Film Paula (ab 15.12. im Kino) spielt Juri die Künstlerin im ländlichen Worpswede, die sich von Männern Sätze wie diesen anhören musste: »Frauen werden nie etwas Schöpferisches hervorbringen - außer Kinder.« Paula Modersohn-Becker starb mit 31 Jahren, wenige Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes. Und sie schuf mehr als 750 Gemälde, von denen sie zu Lebzeiten (1876-1907) nur fünf verkaufte - erst später wurde sie als bedeutende Expressionistin betrachtet.

Anzeige