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Vorgeknöpft: die Modekolumne 26. Januar 2017

Volant wir sie reinlassen?

Von Maria Hunstig  Fotos: Gettyimages / Hannes Magerstaedt, Tristar Media (2)

Der Burgfräulein-Look hat Einzug auf deutschen Roten Teppichen gehalten. Eine Hommage an Sissi? Oder den derzeitigen Siebziger-Trend? Wir glauben: Da spielt jemand Verstecken.

Geister, die ich rief: Die Youtuberin Shanti Joan Tan (links) und Christiane Paul (rechts) beim deutschen Filmball sowie Palina Rojinski beim bayerischen Filmpreis.
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Ist es die nicht ausgelebte Passion für weiße Rauschekleider, die man als Hochzeitsgast immer unterdrücken muss (zu groß die Gefahr, man könne der Braut die Show stehlen)? Der Kindheitstraum vom Sissi-Kleid? Oder steckt ein unschlagbares 2-für-1-Angebot für Meterware im Gardinenladen hinter der Kleiderwahl dieser Frauen? Sicher ist: Romantische Volantkleider in Pastelltönen standen letztes Wochenende auf den Roten Teppichen des Landes hoch im Kurs. 

Am Freitag zeigte sich Moderatorin und Schauspielerin Palina Rojinski beim Bayerischen Filmpreis im Münchner Prinzregententheater mit überladener Burgfräulein-Robe und inspirierte damit offenbar Kollegin Christiane Paul, die einen Tag später in einer etwas feenhafteren Version beim Deutschen Filmball auftauchte. Youtuberin Shanti Joan Tan hatte sich beim gleichen Event für eine ärmellose Variante des Looks entschieden.

Ja, die Siebziger sind aktuell mal wieder in Mode: Schlaghose, Kord und Blümchenkleider gehören zu den Trendteilen der letzten Saisons. Glockenärmel gehören auch zum Repertoire dieses Jahrzehnts – allerdings sehen sie hier weniger nach hippieskem Boho-Chic als nach »Drei Nüsse für Aschelbrödel« (Rojinski) bzw. sterbendem Schwan (Paul) aus. Dazu tummeln sich auf allen drei Kleidern haufenweise Volants – generell ein schwieriges Thema. In den meisten Fällen (Schößchen!) werden mit solchen angenähten Rüschen die unvorteilhaftesten Stellen des Körpers betont, was selbst an Models selten gut aussieht. Warum also feiern Volants in aller Regelmäßigkeit ihre modische Wiederbelebung?

Im heutigen Minimalismus wirkt so ein wallendes Stück unnötiger Stoff wie ein Relikt aus barocken Zeiten, in denen sich nur Gutbetuchte solch textilen Prunk leisten konnten und neben Kleidern auch Polstermöbel oder Vorhänge damit behängten. Das hat nicht nur etwas Romantisches, sondern auch etwas von Realitätsflucht.

Es sind harte Zeiten, in denen wir uns befinden. Viele der innen- und außenpolitischen Ereignisse der letzten Monate lassen in uns den Wunsch reifen, einfach die Augen schließen und in eine andere Welt flüchten zu können. Nicht umsonst hat der verträumte Musical-Film La La Land soeben 14 Oscar-Nominierungen eingestrichen und Karl Lagerfeld bei seiner jüngsten Couture-Show für Chanel vor wenigen Tagen in Gestalt eines zartrosa Rüschenbonbons eines der verspieltesten Brautkleider des Hauses aller Zeiten über den Laufsteg geschickt. Die Leute suchen nach Romantik, anders gesagt: nach einem sicheren, wohligen Versteck.

Und verstecken kann man sich hinter schweren Gardinen bekanntermaßen besonders gut. 

Wird getragen von: Schneeweißchen, Aschenbrödel, Bundesverfassungsrichtern, Gardetänzerinnen
Wird getragen mit: Schleier, nur einem Schuh, Schimmel, Hundeblick
Nicht verwechseln mit: Ado mit der Goldkante, Hugo, dem Schlossgespenst, Hollywoodschaukel

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Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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