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Wild Wild West: Amerikakolumne 23. Februar 2017

»Ich bin überzeugt, dass der Erd-Zwilling auf seine Entdeckung wartet«

Interview: Michaela Haas  Foto: MIT

Die Astrophysikerin Sara Seager sucht im Auftrag der NASA einen Doppelgänger der Erde. Dass wir ihn finden, sei nur eine Frage der Zeit, sagt sie – und ihres Einsatzes.

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Die Astrophysikerin Sara Seager, 45, ist eine der klügsten Frauen auf diesem Planeten. Das hat sie amtlich: Sie wurde offiziell von der MacArthur Foundation mit einem »Genie«-Preis ausgezeichnet, den die Stifter nur an außerordentlich kreative Menschen vergeben, von denen sie bahnbrechende Entdeckungen erwarten. Ihr Telefon steht nun nicht mehr still, seit Astronomen diese Woche sieben erdgroße Planeten in nächster Nachbarschaft unseres Sonnensystems entdeckten. Sara Seager wird die Atmosphäre dieser Planeten erforschen. Unter den Astrophysikern ist sie ein Star. Fast zwei ganze Wände ihres Büros sind von riesigen Kreidetafeln mit komplexen mathematischen Formeln verdeckt, mit denen sie die Umlaufbahnen von Planeten berechnet; an einer Wand hängt ein sechs Meter langer Flügel, Teil des Prototyps eines gigantischen Schirms, den sie im All entfalten will, und die Fenster auf der anderen Seite eröffnen einen Panorama-Blick über ganz Boston, den Himmel und ihr Arbeitsgebiet, die Gestirne. Ein Interview mit einer ungewöhnlichen Pionierin, die selbst nicht abhebt.  
SZ-Magazin: Frau Seager, wie oft werden Sie von Menschen kontaktiert, die sagen, sie hätten Beweise für außerirdisches Leben?
Sara Seager: Jeden Tag. Ich nehme deshalb das Telefon nicht mehr ab, aber ich höre mir die Nachrichten auf dem Anrufbeantworter an. Einmal ist eine Frau so ausgeflippt, weil sie meinte, mit Außerirdischen zu kommunizieren, dass ich dann doch zum Hörer gegriffen habe. Es gelang mir, sie zu beruhigen.

Ihre Mission ist es, einen erdähnlichen Planeten zu finden, also einen Planeten, auf dem es nicht zu kalt oder zu heiß ist, auf dem es Wasser und Leben gibt. Was bedeutet die Entdeckung der sieben erdgroßen Planeten um Trappist-1 für Ihre Forschung?
Dies sind die allerersten erdgroßen Planeten, deren Atmosphäre wir wirklich studieren können. Wir Astrophysiker denken gerne, unsere Methoden und Teleskope seien schon so hochentwickelt, aber tatsächlich können wir nur Planeten erforschen, die einfach zu finden sind. Es gibt andere Planeten, die uns näher sind, aber die neue Entdeckung ist für uns alle ein Schock, denn wir haben nicht erwartet, ein ganzes System zu finden, das aus erdgroßen Planeten besteht. Diese Planeten sind für uns eine Goldmine, weil wir sie schon jetzt mit unseren Teleskopen erreichen können.

Es heißt überall, sie seien erdähnlich, aber stimmt das überhaupt?
Ich bin heilfroh, dass Sie diese Unterscheidung treffen. Die Leute verwechseln das leicht. Nein, diese Planeten sind ganz sicher nicht wie unsere Erde. Der Planet, um den sie kreisen, ist so klein und so kalt, diese Planeten haben ganz viel ultraviolettes Licht. Wir wissen ganz schlicht und einfach noch nicht, wie die Atmosphäre da ist. Wir wissen exakt drei Dinge: Wie groß sie sind, wie lange sie brauchen, um ihren Stern zu umkreisen und wieviel Energie sie von ihrem Stern bekommen. Alles andere ist Spekulation. Was Sie als Erde bezeichnen, unterscheidet sich vielleicht von dem, was ich oder andere Astrophysiker eine Erde nennen. Wir finden Planeten, die sich von unserem stark unterscheiden, also eine ganz andere Oberfläche haben oder aus anderem Material gemacht sind oder sich ganz anders verhalten.
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Okay, also zurück zum Anfang: Was ist für Sie eine Erde? Wonach genau suchen Sie?
Das ist gerade das ganz heiße Thema. Für mich ist eine Erde ein Planet mit einer felsigen Oberfläche, mit Ozeanen und Kontinenten, der einen Planeten umkreist wie unser Planet die Sonne. Wir haben herausgefunden, dass die häufigsten Gestirne da draußen keine Sonnen sind, sondern kleine rote Gestirne, die vielleicht halb so groß sind wie unsere Sonne, oder auch nur ein Zehntel oder ein Zwanzigstel so groß. Von diesen kleinen roten Zwerggestirnen gibt es ganz viele. Es ist viel einfacher, Planeten im Umfeld dieser kleinen Gestirne zu finden als Planeten, die um eine große leuchtende Sonne kreisen wie unser Planet. Deshalb fokussieren wir unsere Suche nach bewohnbaren Planeten gerade auf diese kleineren Gestirne, aber in meinem Herzen warte ich darauf, dass wir einen echten Erd-Zwilling finden. Die neuen Planeten um Trappist-1 sind ganz sicher kein Erd-Zwilling, eher wie entfernte Cousins mit einer ganz anderen Kultur. Das ist natürlich auch toll, wenn man einen entfernten Verwandten findet, aber stellen Sie sich vor, Sie wussten nicht, dass Sie einen identischen Zwilling haben und plötzlich steht er vor Ihnen! Auf diese Entdeckung freue ich mich!

Wie zuversichtlich sind Sie, dass es den Erd-Zwilling wirklich gibt? Und dass wir ihn auch finden?
Es gibt so viele kleine Planeten da draußen, dass sich darunter auch ein Erd-Zwilling befinden muss. Planeten bilden sich ständig, wie die Staubkörner unter dem Bett. Wir wissen noch nicht, ob sie Wasser oder Leben haben, aber ganz ehrlich, bei so vielen Planeten muss einer dabei sein. Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Das kommt darauf an. Wie gut sind wir bei der Entwicklung neuer Technologien? Wieviel Geld ist unsere Gesellschaft bereit, in die Erforschung unserer nächsten Nachbarn im All zu investieren? Für mich persönlich gilt: Ich stehe jeden Morgen auf und arbeite so intensiv wie ich nur kann, weil ich fest davon überzeugt bin, dass der Erd-Zwilling auf seine Entdeckung wartet. Sogar unter den Planeten, die uns am nächsten sind – es muss ihn geben.

Lange war die Suche nach erdähnlichen Planeten im All eine Sache für Spinner und Science-Fiction Autoren. Inzwischen kommen selbst seriöse Wissenschaftler wie Sie kaum noch mit der Geschwindigkeit der Entdeckungen hinterher.
Es mag Ihnen wie eine lange Zeit vorkommen, aber es ist wie mit der Gentechnik. Plötzlich scheint es, als mache die Gentechnik riesige Fortschritte. Gentechniker schaffen Kühe ohne Hörner, undsoweiter, aber es hat Jahrzehnte gedauert, bis die Forschung an diesen Punkt kam. In meinem Beruf muss man viel Geduld haben, denn wir gründen unsere Hoffnung auf Teleskope, die es noch gar nicht gibt. Im Augenblick bauen Astronomen gigantische Teleskope, die größer sind als alle zuvor. Das größte wird einen Durchmesser von 40 Metern haben – was wir im Augenblick haben, hat nur einen Durchmesser von 10 Metern. Wenn im nächsten Jahr das neue James-Webb-Teleskop in Betrieb genommen wird, können wir die Planeten um Trappist-1 wirklich genau betrachten und herausfinden, ob sie eine Atmosphäre haben und wenn ja, welche.

Vor 20 Jahren dachten die Menschen nicht, dass überhaupt andere bewohnbare Planeten außerhalb unseres Sonnensystems existieren könnten. Dann wurden in den 90er Jahren die ersten Exoplaneten entdeckt, also Planeten, die um einen anderen Planeten als unsere Sonne kreisen, und seither geht es Schlag auf Schlag. Inzwischen geht die NASA davon aus, dass Milliarden von Planeten, die potenziell auch Leben beherbergen, in unserer Milchstraße existieren.
Genau. Sie müssen ja nur nachts rausgehen, am besten auf dem Land, wo es nicht so viele Lichtquellen gibt, und in den Himmel schauen: Sie sehen Tausende von Sternen. Unsere Galaxie allein hat Hunderte von Milliarden von Gestirnen. Selbst wenn davon nur ein kleiner Teil eine Erde hat, dann sind das immer noch Millionen. Die Zahlen sind so enorm, dass es einen überwältigt. Egal wohin wir schauen, wir wissen, dass wir fast überall Planeten haben.

Die Planeten um Trappist-1 sind etwa 40 Lichtjahre von uns entfernt. Bisher war die vielversprechendste Entdeckung Proxima Centauri b, der Exoplanet, der unserer Erde am nächsten ist.
Die aufregendste Entdeckung ist immer die nächste. Es kommt immer noch was Besseres nach. Die Menschen fragen sich seit Jahrtausenden, was da draußen rumschwirrt, und dann ist uns dieser Planet so nah, das ist wirklich unglaublich! Wir finden sicher noch andere und bessere Planeten, aber im Augenblick ist Proxima Centauri b der nächste.

Nun, wenn Sie »so nah« sagen, dann ist das aber relativ.
Proxima Centauri b ist nur drei bis vier Lichtjahre von uns entfernt.

Ein Lichtjahr entspricht etwa 10 Billionen Kilometern…
Wenn man mit der Geschwindigkeit eines Autos hinfahren wollte, würde es Millionen von Jahre dauern. Im derzeit schnellsten Raumschiff dauert es immer noch zigtausend Jahre. Es ist so weit weg, dass es die Vorstellungskraft sprengt, aber in den Dimensionen des Weltalls ist es gleich nebenan. Als Menschen können wir diese Dimensionen gar nicht begreifen. Es ist erstaunlich, dass Menschen überhaupt herausgefunden haben, was die Gestirne sind und dass es da eine Sonne gibt, die unserer Sonne ähnelt, aber unendlich weit weg ist.

Wieviel wissen Sie über diesen Planeten? Könnte er bewohnbar sein?
Das könnte sein, aber im Augenblick wissen wir nur, dass er etwa soviel Energie von seiner Sonne bekommt wie Mars von unserer Sonne. Wenn die neuen Teleskope fertig sind, können wir versuchen, Proxima Centauri b direkt zu sehen und wir erfahren dann mehr über die Masse dieses Planeten, die Atmosphäre und ob es darauf Wasser oder vielleicht sogar Leben gibt. Deshalb ist dieser Planet von besonderem Interesse: Weil wir ihn mit diesen gigantischen Teleskopen bald erreichen können.

Wir nehmen uns ja oft selbst so wichtig, weil wir das Zentrum unseres eigenen Universums sind. Wenn man täglich mit diesen Dimensionen zu tun hat, schrumpft dadurch das eigene Ego?
Wie kann man sich bedeutsam vorkommen neben all diesen Sternen und Planeten? Ich empfinde das als Konflikt, den ich nicht lösen kann, egal wie sehr ich es versuche. Darüber denke ich oft nach. Es ist eines dieser gigantischen Gräben, die wir nicht überbrücken können. Aber am Ende des Tages muss ich wieder nach Hause gehen und Abendessen kochen, weil meine Kinder Hunger haben. Na, ehrlich gesagt, mein Mann kocht das Dinner.

Sie haben vor fünf Jahren den Vater Ihrer Kinder unerwartet verloren, er starb an Krebs.
Das war eine unglaublich harte Zeit. Ich wollte die Arbeit hinschmeißen, weil ich nicht wusste, wie ich das alles allein hinkriegen sollte, die Kinder waren ja noch klein, und mein Mann hatte sich auch um den Haushalt gekümmert. Mein Chef hat mich überredet, weiterzumachen und mir einen Bonus für die Kinderbetreuung bezahlt. Eine Gruppe von anderen jungen Witwen hat mich gerettet. Wir trafen uns regelmäßig und haben uns gegenseitig aufgebaut. Und dann traf ich auf einer Konferenz meinen jetzigen Mann.

Waren Sie als Frau in der Astrophysik am Anfang eine Ausnahmeerscheinung?
Viele denken, Astrophysiker-Konferenzen seien ein Meer von alten weißen Männern, aber schon als ich vor über 20 Jahren anfing, stimmte das nicht. Die Astrophysik ist als Wissenschaft noch relativ jung und deshalb waren auch die meisten Forscher recht jung. Ich erlebte nicht viel Diskriminierung, weil wir alle leidenschaftlich für unser Feld brannten und rausfinden wollten, wie es funktioniert. Außerdem wurde Mathe am Anfang als zäher Schreibtischjob betrachtet, das war nicht hoch angesehen. Aber ich achte schon darauf, dass ich Frauen gleichermaßen fördere, da gibt es definitiv eine schwesterliche Verbindung.

Hinter Ihnen im Büro hängt ein sechs Meter großes Blatt des Starshade. Sie leiten die Anstrengungen der NASA, den Starshade ins All zu schießen. Können Sie erklären, was das ist, so dass es auch ein Laie versteht?
Starshade ist ein gigantischer Schirm, wie eine verrückte riesige Blüte, die mit ihrem eigenen Raumschiff im All unterwegs ist.

Das Modell sieht aus wie eine gigantische schwarze Sonnenblume.
Genau. Es ist so geformt, damit es das Licht der Sterne blockiert, so dass wir die Planeten mit dem Teleskop sehen können. Vereinfacht ausgedrückt: Wenn Sie direkt in den Himmel schauen, werden Sie vom Sonnenlicht geblendet, stimmt’s? Sie könnten davon blind werden. Also blocken Sie das direkte Sonnenlicht mit der Hand, weil Sie sonst nichts erkennen können. Ähnlich funktioniert der Starshade. Das Licht ist unser Freund, weil wir ohne Licht nichts sehen, aber auch unser Feind, weil sich Planeten darin verstecken. Stellen Sie sich vor, wie schwer es ist, ein kleines Objekt neben der Sonne zu erkennen. Der Starshade hat diese präzise Form, weil er das Licht genau so blockiert, dass wir die Planeten sehen können.

Wer kam auf diese Idee?
Die Idee stammt aus den 60er Jahren, von Lyman Spitzer, einem Astrophysiker in Princeton, der auch das Hubbles Teleskop ersann, aber die Idee wurde immer als zu kompliziert verworfen. Inzwischen haben wir die Technik. Das Verrückte ist, dass ich gerade eine neue Nachbarin bekommen habe, Lydia, und es stellt sich heraus, dass sie Spitzers Großnichte ist!

Wann wird der Starshade ins All geschossen?
Immer wenn Sie etwas über den Starshade lesen, dann lesen Sie, dass er etwa in zehn Jahren verwirklicht wird. Das haben wir aber vor zehn Jahren auch schon geglaubt. Ich hoffe, dass wir es bis 2025 schaffen. Es gibt da noch das kleine Problem, dass er mindestens 500 Millionen Dollar kosten wird, vielleicht mehr. Ich konzentriere einen Großteil meiner Anstrengungen auf die Zukunft.

Arbeiten Sie auch an Projekten, die in der Gegenwart realisierbar sind?
Ja, meine Zeit teilt sich auf zwischen diesen verrückten, extrem teuren, gigantischen Zukunftsvisionen und den etwas billigeren, aber immer noch teuren Projekten, für die ich gegenwärtig verantwortlich bin. Wir planen gerade die nächste Raumschiff-Expedition. Ich leite die TESS Exkursion, die im März 2018 startet. TESS ist ein Raumschiff mit vier Spezialkameras, die auch bei extremer Kälte im All funktionieren. Die bauen wir gerade hier am MIT. TESS wird zwei Jahre lang mehr als 200.000 Planeten beobachten. Wir werden damit Tausende neue Planeten finden. Wir suchen vor allem nach bewohnbaren Planten unter den kleinen Zwerggestirnen.

Nehmen wir mal an, Sie finden einen bewohnbaren Planeten mit Wasser und der richtigen Atmosphäre. Was machen wir dann mit dieser Entdeckung?
Gute Frage. Mir persönlich würde es reichen zu wissen, dass es ihn gibt. Andere wollen ihn weiter erforschen, rausfinden, woraus die Oberfläche gemacht ist, Sonden entsenden. In gewisser Hinsicht beginnt die Reise erst, wenn wir die Entdeckung gemacht haben.

Gucken Sie eigentlich Science-Fiction Filme?
Sie interessieren mich nicht besonders, aber ich schaue sie mit meinen Kindern an. Wir haben gerade die Alien-Filme mit Sigourney Weaver angeguckt.

Und, wie finden Sie die?
Gruselig. Viel zu furchteinflößend! Ich mag keine Gruselfilme. Aber ich mag die Idee, die dahinter steckt. Die Menschen haben sich immer schon gefragt: Gibt es da draußen noch anderes Leben? Sobald wir einen bewohnbaren Planeten finden, werden wir versuchen eine Botschaft zu senden oder zu kommunizieren.

Das Positive an den Science-Fiction Filmen ist, dass sie das Interesse an Ihrem Forschungsgebiet fördern. Mal abgesehen von den Science-Fiction-Fantasien, haben Sie eine These, wie das Leben auf einem anderen Planeten aussehen könnte?
Nicht wirklich, aber wir kennen die Zutaten, die erdähnliches Leben braucht. Organische Moleküle, Wasser, daraus entwickelt sich Leben. In einem Jahrzehnt – das mag Ihnen als Journalistin wie eine Ewigkeit erscheinen, aber in der Astrophysik ist ein Jahrzehnt nur eine Nanosekunde – in zehn Jahren also können wir uns wieder unterhalten und ich kann Ihnen hoffentlich sagen: Wir haben 100 erdähnliche Planeten gefunden, davon haben 20 Wasser und auf fünf gibt es Leben. Im Augenblick wären wir schon glücklich, wenn wir Bakterien fänden – irgendeine Lebensform. Aber Außerirdische zu finden, mit denen wir kommunizieren können, ist natürlich unser großes Ziel.

Der neue amerikanische Präsident ist bekanntlich recht wissenschaftsfeindlich. Wissen Sie schon, wieviel Geld die neue Regierung für die Erforschung des Alls locker machen wird?
NASA ist sicher recht weit unten auf der Prioritätenliste. Aber Starshade hat enthusiastische Fans im Kongress und viele Amerikaner wollen, dass wir bei neuen Erkundungen im All ganz vorn dabei sind. Ich bin wirklich überrascht, wie groß die Aufregung um die neu entdeckten Planeten ist. Das ist Teil unserer amerikanischen Kultur, deshalb hegen wir große Hoffnungen, dass wir das finanziert kriegen. Ausserdem arbeiten wir mit privaten Firmen wie Space-X zusammen. Dieser Verbund mit privaten Unternehmen in der Raumforschung ist einzigartig, das gibt es nur in Amerika. Über den Daumen gepeilt kostet im All alles 100 Mal mehr als auf dem Boden. Wenn Space-X es schafft, diese Kosten zu senken, kriegen wir sehr viel mehr gebacken. Space-X wird zum Beispiel TESS ins All schießen und die NASA bezahlt dafür.

Spüren Sie jemals den Drang, selbst ins Weltall zu reisen statt die Planeten immer nur von hier aus zu betrachten?
Nein, den hatte ich nie. Ich verreise schon auf der Erde nicht gerne. Mein Computer ist meine Welt. Wenn man ein großartiges Programm schreibt, ist das eine Form von Kunst, von Kreation. Das ist eine Reise an sich.

Sie sind in Toronto als Tochter eines Arztes aufgewachsen. Was hat Ihre Liebe zum All überhaupt entfacht?
Ich war immer von den Sternen fasziniert. Als ich fünf Jahre alt war, hat mich mein Vater auf eine Sterne-Party mitgenommen. Auf einer Sterne-Party kommen Hobby-Astronomen mit ihren Teleskopen zusammen, und ich durfte den Mond durch das Teleskop betrachten. Das fand ich Ehrfurcht gebietend. Für ihn war es wohl enttäuschend – er hätte gerne gehabt, dass ich Ärztin werde wie er.

Wann wurde es dann richtig zur Passion?
Als Teenager bin ich dem Astronomen-Club beigetreten. Weil ich in Toronto lebte, konnte ich da zu Fuß hingehen und Kurse belegen. Astronomie ist ein Hobby für jedermann, leicht zugänglich. Der Himmel gehört allen.

Das Hauptgeschäft Ihres Vaters waren aber Haartransplantationen.
30 Jahre arbeitete er als Hausarzt. Das war noch die Zeit, als ein Hausarzt alles machte: er brachte Babys auf die Welt und therapierte abends noch Patienten. Aber nach 30 Jahren wurde ihm die Bürokratie zu viel. Es hat ihn immer schon gewurmt, dass sich schon mit 17 oder 18 Jahren seine Haare lichteten. Sie und ich können das vielleicht nicht nachvollziehen, wir haben ja beide eine dichte Mähne, aber für manche Männer ist es wirklich schwierig, kahl zu werden. Also wechselte er in die kosmetische Chirurgie und gründete das Seager Zentrum für Haartransplantation. Damit bekam er endlich Haare, ganz viele Haare!

Na, sehen Sie, da haben Sie doch schon einen Ansatz, wie Sie mit Trump zu einem Deal kommen können. Er gibt Ihnen die 500 Millionen für den Starshade und Sie bieten ihm im Gegenzug eine bessere Haarpracht an als diese Matte, die er derzeit auf dem Kopf hat.
Ein Prozent der kahlen Männer wünschen sich sehnlichst Haare. Viele von ihnen haben ein sehr geringes Selbstbewusstsein. Sie können sich gar nicht vorstellen, was für Briefe mein Vater von seinen Kunden bekam. Die schreiben, er habe ihnen das Leben gerettet, solche Sachen. Als es dann plötzlich cool wurde, sich den Schädel zu rasieren, war das schlecht für unser Geschäft. Ja, da könnte ich dem neuen Präsidenten schon einige Tipps geben.
Michaela Haas

ist deutsche Journalistin und Autorin in der Nähe von Los Angeles und wird ständig gefragt: »Was ist denn bloß in Amerika los?« Seit ein politisch völlig unerfahrener Egomane mit wilden Sprüchen in das höchste Amt der Welt aufgestiegen ist, wundern sich viele Deutsche über die Weltmacht. Aber dass sich Milliardär Donald Trump mit seinem Gorilla-Gehabe in das Weiße Haus gerüpelt hat, ist ja nur möglich, weil Amerika tief gespalten ist und viele Verrücktheiten zum Alltag gehören, die in Deutschland undenkbar wären. Deshalb schreibt Michaela Haas in der Kolumne »Wild Wild West« über die Macken und Tücken, die Amerika einzigartig machen.