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Vorgeknöpft: die Modekolumne 02. März 2017

Lebe wild und gefährlich

Von Silke Wichert  Foto: Stephane Cardinale / Getty Images

Leomantel und darunter ein T-Shirt mit buntem Aufdruck – klingt erstmal fies. Wenn Catherine Deneuve so aus dem Haus geht, wirkt es edel und cool zugleich. Das Geheimnis einer Frau, die jünger aussieht als sie ist – und dabei gar nicht gegen das Alter kämpft.

Catherine Deneuve bei der Schau ihres Lieblingslabels Saint Laurent in Paris

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Erster Reflex bei diesem Foto: googeln. Das Alter von Catherine Deneuve natürlich. 73 Jahre. Keine leichte Benchmark für Leute des gleichen Jahrgangs, Günther Beckstein beispielsweise. Für die meisten würde es allerdings schon gut laufen, wenn sie mit Anfang 60 noch so aussehen wie diese französische Lady.

Allerdings trägt sie hier auch einen besonders jungen Look. Print-T-Shirt unter Mantel/Jacke, wie es seit gut einem Jahr in Mode ist. Damit lockert man jeden Trenchcoat auf oder, wie man sieht, eben auch ein eher lautes Leoprint-Modell. Dazu muss man wissen: Deneuve trägt zu Saint-Laurent-Schauen fast immer Leoprint. Weil der neue Designer Anthony Vaccarello allerdings noch keinen solchen Mantel gezeigt hat, dürfte dieser hier tatsächlich noch von seinem Vorgänger Hedi Slimane stammen, was eigentlich ein klares »Fashion Foul« ist, bei dieser Dame allerdings durchgeht. Erstens ist sie die ewige Muse des alten Yves Saint Laurent, damit genießt sie so etwas wie uneingeschränkte Immunität. Zweitens pfeift »die Deneuve« auch sonst auf Konventionen – wenn man sich erst einmal einen bestimmten Artikel vor dem Namen erarbeitet hat, kann man sich alles erlauben.
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Die Schauspielerin raucht also wie eh und je, helmutschmidtmäßig auch gern da, wo es eigentlich verboten ist. Sie pfeift auf übermäßige Diäten, was nicht unerheblich zum guten Alterungsprozess beitragen dürfte. Ob da sonst noch nachgeholfen wurde, wie manche behaupten – im Zweifel für den Angeklagten, aber wenn, ist es ordentlich gemacht. Sie versteckt sich nicht mit ihrer Kleidung: große Muster, große Haare, gern auch mal große Ohrringe, fast immer Pumps. Die modische Entsprechung von: nur nicht Kleinbeigeben.

Das kann peinlich werden, muss es aber nicht, wenn es konsequent durchgezogen und nicht erst ab 50 aufgedreht wurde. Hilfreich ist auch eine gewisse Selbstironie. Legendär ist der rote Siebziger-Jahre-Adidas-Trainingsanzug, in dem Catherine Deneuve in Francois Ozons Film »Das Schmuckstück« von 2011 durch den Wald joggt, Haarnetz auf dem Kopf inklusive. Später trägt sie über weite Strecken des Films eine beigefarbene Weste über dem Karokleid. Die Hälfte der amerikanischen Schauspielerinnen hätten das Drehbuch wahrscheinlich spätestens da in der täglichen Fangopackung versenkt.

Mit der ZEIT hat die Französin einmal über das Altern geredet, dass es für Männer vielleicht sogar schlimmer sei, weil die Schwächung der sexuellen Leistungsfähigkeit ein großer Angriff auf das Ego bedeutet. Auf die Frage, ob sie selbst sich je destabilisiert gefühlt habe, antwortete sie lediglich: »Ich habe meinen Garten. Da lernt man was vom Wachsen und Vergehen.« Es kommt also eh alles, wie es kommen muss. Da kann man in der Zwischenzeit auch einfach weitermachen wie bisher. Mit den Leomänteln, den Pumps, der honigblonden Fönfrisur.

Der nicht zu unterschätzende Nebeneffekt: Wenn man immer mehr oder weniger den gleichen Look trägt, haben alle das Gefühl: Die hat sich überhaupt nicht verändert! Wenn es gut läuft, geht das bei Catherine Deneuve noch eine ganze Weile so weiter. Ihre Mutter Renée Simonot ist aktuell 105 Jahre alt.

Wird auch getragen von: Kate Moss, Anna Wintour, Sienna Miller
Typischer Instagram-Kommentar: Leo ist das neue Karo
Passender Song: Roar von Katy Perry
Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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