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aus Heft 10/2017 Reise

Gut angelegt

Protokolle: Theresa Hein  Illustrationen: Paula Troxler

Eine Kreuzfahrt ist immer so schön wie die Häfen, an die sie führt. Sechs Crew-Mitarbeiter erzählen, wo sie am liebsten an Land gehen.

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Syrakus, Sizilien



Name: Elisabeth Vogel
Alter: 50
Beruf an Bord: Hotelmanagerin
Schiff: Sea Cloud II
Reederei: Sea Cloud Cruises


Die Hafeneinfahrt in Syrakus ist unspektakulär, die Landschaft dort karg. Das täuscht: Syrakus, das Zentrum Siziliens in der Antike, ist ein charmanter Ort voller kleiner Geschäfte, Kirchen und Theater. Im Viertel Ortygia gibt es einen wunderbaren Mercato, wo ich gern mit meinen Küchenchefs Fische für unser Bordrestaurant aussuche. Einer der Händler, die wir immer aufsuchen, heißt Angelo und er begrüßt uns auch mal mit einem Ständchen: Als wir zuletzt dort waren, hat sein Sohn das Tamburin ausgepackt, die beiden standen hinter der Fischauslage und haben ein sizilianisches Volkslied gesungen. Ein anderer Lieblingsladen heißt Fratelli Burgio, ein Slow-Food-Geschäft, das von zwei Schwestern geführt wird; dort kaufen wir sensationelle getrocknete Tomaten und Thunfisch-Bottarga. Unsere Küchenchefs fühlen sich dort immer wie Kinder in einem Süßigkeitengeschäft.

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Heimaey, Westmännerinseln, Island



Name: Peter Jurgilewitsch
Alter: 56
Beruf an Bord: Reiseleiter
Schiff: Ocean Majesty
Reederei: Hansa Touristik


Die Westmännerinseln sind ständig in Veränderung. Die Insel Surtsey zum Beispiel ist vor 53 Jahren innerhalb weniger Wochen nach einem Vulkanausbruch entstanden, und heute bildet sie sich wieder zurück, weil die raue See das Gestein abträgt. Heimaey ist die größte Insel der Gruppe und die einzige, die bewohnt ist. Man kann sie nur auf einem kleinen Schiff anfahren, größere kommen nicht in die Hafeneinfahrt hinein. Alles auf Heimaey ist sehr intim, unser letztmaliger Reiseführer war der Direktor der örtlichen Grundschule. Er führte uns zu einem Haus, das fast komplett von Asche verschüttet war, nur noch das Dach lugte heraus. Anschließend sind wir in den Vulkankrater gefahren, in dem vor dreißig Jahren Lava floss. Die Erde dort ist immer noch so heiß, dass man aufpassen muss, sich die Schuhsohlen nicht zu verbrennen. Man kann auf Heimaey außerdem wunderbar Papageientaucher beobachten: Einer der Bauern hat eine Leiter für Touristen aufgestellt, damit sie über einen Zaun auf sein Feld klettern können, und am Ende des Feldes kann man die Vögel aus nächster Nähe fotografieren – eine seltene Gelegenheit, denn eigentlich sind Papageientaucher äußerst scheu.


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Khasab, Oman




Name: Ramona Lenz
Alter: 19
Beruf an Bord: Stewardess
Schiff: Mein Schiff 3
Reederei: TUI Cruises


Als Stewardess muss ich ständig aufmerksam bleiben und auf Leute zugehen, selten ist Ruhe an Bord. Darum ist es eine schöne Abwechslung, wenn wir auf unserer Tour durch den Persischen Golf, mit Großstädten wie Abu Dhabi und Dubai, an einem abgeschiedenen Ort wie Khasab anlegen. Die Stadt liegt an einer Meerenge mit fjordähnlichen Buchten und steilen, 900 Meter hohen Felswänden, die Einfahrt in den Hafen führt durch verschlungene Wasserwege. Besonders freue ich mich jedes Mal auf die Dhau-Fahrten. Dhaus sind traditionelle Holzboote mit großen Segeln. Die einheimischen Crews bereiten die Dhaus für Ausflüge der Touristen vor, und bevor es mit der Fahrt losgeht, bringen sie den Gästen frisches Obst und Gebäck. Ich liebe es, von einer Dhau zur anderen zu klettern und mir einen gemütlichen Platz auf einem der Teppiche in den Booten zu suchen. Dann kann ich mich zurücklehnen und hoffen, dass ich auf der Fahrt zwischen den Felsmassiven von Khasab ein paar Delfine sehe.


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Roseau, Dominica



Name: Daniela Krämer
Alter: 31
Beruf an Bord: Theatermanagerin
Schiff: Mein Schiff 5
Reederei: TUI Cruises

Die Insel Dominica ist, im Gegensatz zu anderen karibischen Inseln, kaum touristisch erschlossen. Ein wunderschöner Regenwald, alles ist grün. Die Menschen sind freundlich, unglaublich entspannt und freuen sich über Besucher. Ich empfehle eine kleine Wanderung zu einem der vielen Wasserfälle. Man kann auch durch die Höhle Titou Gorge schwimmen, die durch den Film Fluch der Karibik berühmt wurde. Und es gibt heiße Schwefelquellen, die Sulphur Springs, die sind wie ein Outdoor-Spa. Im Inselinneren herrscht, typisch für Regenwälder, ständig wechselndes Wetter. In einem Moment scheint die Sonne, fünf Minuten später fängt es an zu schütten. Das launische Wetter stört aber nicht, im Gegenteil. Jedes Mal, wenn meine Kollegen und ich dort sind, tanzen wir im Regen – dazu ein leckerer Rumpunsch und karibische Musik. Ich war mittlerweile mindestens zwanzig Mal dort. Auch wenn ich nur für ein, zwei Stunden an Land war, fühlte es sich immer wie ein kurzer Urlaub an. So viel Energie, Freiheit und Glück gibt mir kaum ein anderer Ort.


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Ushuaia, Argentinien



Name: Andreas Greulich
Alter: 56
Beruf an Bord: Kapitän
Schiff: Mein Schiff 4
Reederei: TUI Cruises


Ushuaia ist einer der letzten Winkel der Welt, kurz vor Kap Hoorn auf Feuerland. Der Hafen ist natürlich klein. Im 19. Jahrhundert wurde er trotzdem viel angelaufen, denn viele Goldgräber vermuteten Bodenschätze in dieser Gegend. Zu Unrecht. Das Einzige, was man dort findet, ist Natur. Nach meinen vielen Stationen in großen Städten war ich überwältigt: Die schnee-bedeckten Berge spiegeln sich im Wasser, abends färbt sich der Horizont violett. Dass es so etwas Schönes gibt, das ich mit dem Schiff erreichen kann, finde ich nach wie vor erstaunlich. Von Ushuaia aus führt meine Route weiter durch den Beagle-Kanal, eine natürliche Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Es gibt dort nicht nur Pinguine und Wale, sondern auch einen Leuchtturm, einsam auf einer Insel, wie gemalt. Leider wächst auch das kleine Ushuaia immer mehr, und mit dem Entdeckergefühl wird es wohl bald vorbei sein.


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Havanna, Kuba



Name: Dayami Grasso Toledano
Alter: 45
Beruf an Bord: Sängerin
Schiff: MS Europa
Reederei: Hapag-Lloyd Cruises


Seit zehn Jahren bin ich als Sängerin mit meiner Band »Dayami and Company« auf Schiffen in der ganzen Welt unterwegs. Und doch berührt mich kein Ort so wie mein Heimathafen: Havanna. Ein Rezept, um die Stadt zu beschreiben: Nehmen Sie ein wenig von Rom, einen Hauch von Paris und Madrid, geben Sie alles in einen Würfelbecher, schütteln Sie ordentlich durch und lassen Sie das Resultat auf eine karibische Insel fallen: Voilà. Aber so schön die Stadt ist, sie ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven, das sage ich immer wieder. Sie ist bunt, sie ist laut, alt und neu, verfallen und wiederaufgebaut. Und sie ist vor allem eines: Musik. Man hört die Bands sofort, sobald man von Bord geht und die Habana Vieja betritt, die Altstadt. Schon ab mittags spielen sie in den Bars, die Händler in den Gassen verkaufen ihre Ware singend, die Menschen tanzen, wo sie nur können. Ich empfehle jedem Havanna-Besucher, einen Oldtimer zu mieten und zum Restaurant »La divina Pastora« zu fahren. Das Lokal hat eine tolle Terrasse direkt am Wasser und serviert herrliche Meeresfrüchte. Fast immer gibt es ein Trio oder Quartett, das im Hintergrund kubanische Musik spielt. Immer wenn wir Havanna verlassen, nehmen wir die kubanische Lebensfreude mit an Bord. Die Gäste singen vor sich hin, und meine Band und ich spielen La Guantanamera.


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