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Nackte Zahlen: Sexkolumne 06. März 2017

Liebe und Sex in Zeiten der AfD

Von Alena Schröder  Foto: Getty

Wen AfD-Wähler hassen, wissen wir. Doch wie und wen lieben sie? Und an welchen ungewöhnlichen Orten hatten sie Sex? Eine neue Studie liefert erstaunliche, möglicherweise wahlentscheidende Antworten.

Die AfD-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen und Frauke Petry begrüßen sich im September 2016 in Berlin.
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Es heißt, dass der AfD und ihren Wählern viel zu viel mediale Aufmerksamkeit zuteil wird: Talkshowredaktionen arbeiten sich an AfD-Thesen ab, jeder Tweet von Beatrix von Storch wird aufgeregt analysiert, Wutbürger dürfen in öffentlich-rechtliche Journalistenmikros »Lügenpresse« schreien und überall bemüht man sich, dem Vorwurf des AfD-Wählers, seine Sorgen und Ängste würden nicht gehört, durch besonders einfühlsames Zuhören zu begegnen. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, die AfD und ihre Wähler öfter mal zu ignorieren, aber es ist nun mal so, dass AfD-Wähler eine faszinierende, um nicht zu sagen schillernde Spezies sind. Und deshalb kann auch diese Kolumne keine Ausnahme sein, denn nachdem schon ausführlich analysiert wurde, wie, was und wen der AfD-Wähler hasst, gibt es nun endlich verlässliche Daten zu der Frage, wie, was und wen der AfD-Wähler liebt.

Das Partnerschaftsportal ElitePartner hat anlässlich der anstehenden Bundestagswahl die Anhänger der sechs größten Parteien zu ihrem Liebesleben und ihren Vorstellungen von Partnerschaft gefragt und Erstaunliches über AfD-Wähler zutage gefördert. Zunächst verwundert ja, dass AfD-Wähler überhaupt bei einer ElitePartner-Umfrage mitmachen, denn »Elite« - sind das nicht »die da oben«? Die angeblich gar nicht mehr wissen, was der kleine Mann, der einfache Bürger, das Volk denkt, fühlt und wünscht und gegen die die AfD so wacker ankämpft?

Egal. Im Großen und Ganzen kann man nach der Lektüre der Umfrageergebnisse sagen, dass sich der AfD-Wähler in Liebesdingen nicht grundsätzlich von den Wählern anderer Parteien unterscheidet. Doch es gibt Aspekte, in denen er in dieser Umfrage deutlich hervorsticht: »Erotik und guter Sex« sind AfD-Wählern deutlich wichtiger in einer Beziehung als den Wählern aller anderen Parteien. Umgekehrt legen sie von allen Wählergruppen am wenigsten Wert auf das »gemeinsame Diskutieren tiefsinniger und gesellschaftlicher Themen«. AfD-Wähler zeigen sich am aufgeschlossensten, wenn es darum geht, in der Beziehung neue Sex-Praktiken wie etwa Rollenspiele auszuprobieren - zu einer Paartherapie dagegen wären sie von allen Wählern am wenigsten bereit (vielleicht, weil man da »gemeinsam und tiefsinnig diskutieren muss«, siehe oben).

Mehr als bei anderen Wählern wäre es für AfD-Wähler ein Trennungsgrund, wenn sich der Partner äußerlich stark verändern würde, also zum Beispiel an Gewicht zunähme. Sich »nur noch über das Nötigste auszutauschen« dagegen stört AfD-Wähler von allen am wenigsten. Wenn es um wichtige Eigenschaften des Partners oder der Partnerin geht, dann haben AfD-Wähler klare Vorstellungen: Keiner anderen Wählerschaft ist es wichtiger, dass der oder die Auserwählte »optisch mein Typ« ist, dafür sind Intelligenz, Bildung, Humor, Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit allen anderen Wählern wichtiger als den Anhängern der AfD.
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Wenig überraschend ist die Tatsache, dass die Berufsgruppe der Journalisten für männliche wie weibliche AfD-Wähler am unattraktivsten erscheint im Vergleich mit anderen Wählergruppen, was wieder mal zeigt, dass die AfD immer noch nicht erkannt hat, dass es vor allem Journalisten waren und sind, die ihrer Partei unablässig zu Aufmerksamkeit verhelfen. AfD-Wählerinnen finden übrigens Handwerker am attraktivsten, während männliche AfD-Wähler auf Krankenschwestern abfahren. Interessant ist, dass AfD-Wähler, obgleich sie sich in der Öffentlichkeit gern als ewig Erniedrigte und Beleidigte stilisieren, die von »Mutter Merkel« im Gegensatz zum »Syrer« mit viel zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe bedacht wurden, ein erstaunliches Selbstbewusstsein an den Tag legen, wenn es um ihren Erfolg bei der Partnersuche geht. Deutlich mehr AfD-Wähler als andere Wähler gehen davon aus, dass sie nach einer Trennung schnell wieder einen neuen Partner oder eine Partnerin finden – und das, obwohl doch angeblich orientalische Männerhorden den Deutschen die Frauen wegnehmen und laut Parteimaskottchen Höcke der deutsche Mann doch erst seine Männlichkeit wiederentdecken muss, um mannhaft, wehrhaft und für Frauen interessant zu sein.

Was sagt uns all das über die Chancen der AfD bei der Bundestagswahl im Herbst? Eigentlich nichts, doch in der Umfrage verbirgt sich ein kleiner, leicht zu übersehender Hinweis darauf, wie man die Wählerstimmen für die AfD noch weiter minimieren könnte als sie es gerade ohnehin schon selber tut: 25 Prozent der befragten AfD-Wähler, und damit deutlich mehr als Wähler aller anderen Parteien, gaben an, schon einmal Sex im Fahrstuhl oder einer Umkleidekabine gehabt zu haben. Ob bei besagtem Sex eine zweite Person anwesend war, ist den Daten nicht zu entnehmen. Es könnte also genügen, in den Wahlkabinen bodenlange Vorhänge und vielleicht einen Ganzkörperspiegel zu installieren, das Licht zu dimmen, irgendein Saxophon-Gedudel im Hintergrund laufen zu lassen und das Bild einer willig und nicht allzu intelligent dreinblickenden Krankenschwester (wahlweise eines gut gebauten Handwerkers) an die Wand zu pinnen. Und schon greift eine Reihe von AfD-Wählern anstatt zu Wahlzettel und Kugelschreiber lieber zu sich selbst.
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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