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Nackte Zahlen: Sexkolumne 13. März 2017

Das ewige Geschiss der Männer mit der Verhütung

Von Till Raether  Foto: Biker3/fotolia.de

Unser Sexkolumnist analysiert, wie ein Verhütungsmittel aussehen müsste, das Männer wirklich gerne benutzen.

Gratulation! Packung aufgekriegt, ohne das Kondom zu beschädigen! An dieser Aufgabe sind schon viele Männer gescheitert.
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Ein neues Verhütungsmittel für den Mann ist soeben erfolgreich an Affen getestet worden: »Vasalgel«, das den Samenleiter für Spermien blockiert. Expertinnen bezweifeln jedoch, dass das Produkt zur Marktreife gelangen wird, da es in den Samenleiter gespritzt werden müsste und die Zielgruppe, heterosexuelle Männer, sich schon in der Vergangenheit als anspruchsvoll bei Verhütungsmitteln erwiesen hat: 2011 wurde eine Versuchsreihe mit der »Pille für den Mann« abgebrochen, weil die Probanden über Nebenwirkungen klagten.
Folgendem uns zugespielten Papier der Pharmaindustrie entnehmen wir, welche Voraussetzungen ein erfolgreiches Verhütungsmittel für Männer erfüllen müsste:

1. Kein direkter Körperkontakt!

Die Zielgruppe hat in der Vergangenheit zurückhaltend auf Verhütungsmittel reagiert, bei denen direkter Haupt- bzw. Körperkontakt besteht. Nicht einmal ein Fünftel der Zielgruppe nutzt Produkte aus diesem Bereich (Kondome). Als Gründe für ihr mangelndes Kaufinteresse nennen Angehörige der Zielgruppe meist, diese Produkte »fühlten sich irgendwie einfach nicht so gut an«. Ergänzende Zusätze der Produktbezeichnung wie etwa »gefühlsecht« oder »super sensitiv« führen bei großen Teilen der Zielgruppe zu so genannter Skepsis (»Ja, nee, schon klar«). Kritisiert wird auch die komplizierte Handhabung, insbesondere bei der Öffnung der Verpackung.

2. Keine versteckten Nebenkosten!
Als abschreckend erweist sich für die Zielgruppe, dass die Produktgruppe der vulkanisierten Kautschukhüllen sehr teuer ist, da man im Drogeriemarkt immer noch eine große Menge anderer Waren erwerben müsse, um nicht als »der Typ mit den Frömmsen an Kasse 4« aufzufallen.
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3. Keine Nebenwirkungen!
Aus Versuchen mit hormonbasierten Verhütungsmitteln ist bekannt: Die Zielgruppe reagiert sensibel auf Nebenwirkungen wie etwa Akne, Stimmungsschwankungen oder Gewichtszunahme. Jedenfalls, wenn diese Nebenwirkungen durch ein der Zielgruppe verabreichtes Hormonpräparat verursacht werden, und signifikant weniger, wenn diese Nebenwirkungen bei Angehörigen anderer Zielgruppen auftreten (Frauen, Pille).

4. Keine Spritzen!
Da Angehörige der Zielgruppe mehr als die anderer Zielgruppen an Spritzenangst leiden, verbieten sich alle Verhütungsmethoden, bei denen eine Injektion nötig wäre (Hormontherapie, Vasalgel). Die Spritzenangst der Zielgruppe lässt sich Versuchen zufolge auch dann nicht mildern, wenn das medizinische Personal vor der Injektion versichert, »Ich pass' auf, versprochen« oder »Ich zieh' rechtzeitig raus«.

Fazit
Um ausreichendes Marktpotenzial zu haben, müsste ein Verhütungsmittel für die betreffende Zielgruppe also unsichtbar, unfühlbar, non-invasiv, preiswert, einfach im Handling und wenn möglich mit zusätzlichen Benefits wie etwa »sich nicht rumplagen müssen« ausgestattet sein. Als wirtschaftlich nachteilig erweist sich hierbei, dass ein derartiges Verhütungsmittel für die Zielgruppe bereits seit längerer Zeit verfügbar ist und unter dem Namen »Nimm doch erstmal weiter die Pille und wir bekakeln das dann mal in Ruhe« weite Verbreitung gefunden hat.
Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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