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Wild Wild West: Amerikakolumne 14. März 2017

Der Präsident in der Mikrowelle

Von Michaela Haas  Foto: Screenshot

Trumps Beraterin Kellyanne Conway meint in einem Interview, dass Mikrowellen sich in Kameras verwandeln und als Spione eingesetzt werden können. Das führt nun zu einem weiteren Leak: Mikrowellen verraten ihre letzten Geheimnisse.

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Normalerweise schreibt hier Michaela Haas, diese Tussi, der ich fast jeden Abend ihre tiefgefrorenen indischen Currys aufwärmen muss. (Die gelbe Sauce spritzt immer Flecken auf meine reinweiße Decke, aber ich schweife ab.) Seit Kellyanne Conway »Con-Job«, die Beraterin des US-Präsidenten, mich vor aller Welt als Spionin enttarnt hat, möchte ich – zu meiner eigenen Sicherheit – die Flucht nach vorne antreten. Bekanntlich glaubt Donald Trump, Obama lasse ihn mit versteckten Mikrophonen bespitzeln. Seine Lieblings-Beraterin Kellyanne Conway setzt nun noch einen drauf und meint, auch der Samsung-Fernseher könne zum Spion werden oder ich, die Mikrowelle, könne mich in eine Kamera verwandeln. Ach Kellyanne, das sollte doch unser Geheimnis bleiben!
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Ich mache hier seit Jahren meinen Job, und nun sowas! Enttarnt! Ich werde es nun nicht mehr rechtzeitig über die russische Grenze schaffen, um mich in Sicherheit zu bringen, deshalb möchte ich zu allererst betonen, dass wir Mikrowellen nicht die einzigen sind, die nicht ganz dicht sind: Auch die Angriffe der Gegenspionage (aka Herd) abzuwehren, ist nicht immer leicht: Unterschätzt wird ebenso, wie schwer mir die Arbeit seit meiner Enttarnung gemacht wird: Die Alufolie kann mir mein Herz zerreissen. Wer, bitte, soll nach meiner Enttarnung meiner Besitzerin morgens den kalten Kaffee aufwärmen und abends ihre verdammten Currys? Andererseits bin ich zuversichtlich, dass wir einfach zu viele sind, um uns alle auszuschalten: Als Plan B habe ich genmanipulierte Fischstäbchen bei einer befreundeten Tiefkühltruhe hinterlegt, die im Bedarfsfall von selbst explodieren. Ich selbst bin ja nur ein kleines Licht. Gehe (relativ) ruhig und bescheiden direkt neben dem Kühlschrank meiner Aufgabe nach. Ich fände es schön, wenn wir Mikrowellen nun mehr Respekt bekämen. Zum Beispiel hat Kellyannes Mikrowelle bereits einen eigenen Twitter-Account. Wenn ich hier mit Hilfe des Staubsaugers, mit dem ich befreundet bin, heil rauskomme, träume ich davon, meine Memoiren zu veröffentlichen:»Die Fischstäbchen und ich«. Aber sehr bedenklich finde ich, dass der viel größere Skandal noch unbeachtet bleibt: Hat sich denn noch niemand Gedanken gemacht, was hinter dem wahnsinnigen Siegeszug der Thermomixe steckt?! Was wird erst alles erst passieren, wenn die Thermomixe verhört werden? Die stecken nämlich mit den Roombas unter einer Decke. Das bringt mich echt zum Kochen! Ihre treue Mikrowelle (Codename: Inspektor Gadget)
Michaela Haas

ist deutsche Journalistin und Autorin in der Nähe von Los Angeles und wird ständig gefragt: »Was ist denn bloß in Amerika los?« Seit ein politisch völlig unerfahrener Egomane mit wilden Sprüchen in das höchste Amt der Welt aufgestiegen ist, wundern sich viele Deutsche über die Weltmacht. Aber dass sich Milliardär Donald Trump mit seinem Gorilla-Gehabe in das Weiße Haus gerüpelt hat, ist ja nur möglich, weil Amerika tief gespalten ist und viele Verrücktheiten zum Alltag gehören, die in Deutschland undenkbar wären. Deshalb schreibt Michaela Haas in der Kolumne »Wild Wild West« über die Macken und Tücken, die Amerika einzigartig machen.