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bedeckt München
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Vorgeknöpft: die Modekolumne 16. März 2017

Bisschen helles Köpfchen

Von Silke Wichert  Foto: AFP

Würden Spieler wie Cristiano Ronaldo nicht ständig zum Friseur gehen, wäre Fußball für viele Menschen nur halb so interessant. Dabei fällt der aktuelle Haartrend erstaunlich dezent aus.

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Fußballerfrisuren, dankbares Thema. Auf dem Gebiet ist ja immer was los. Zuletzt wurde vor allem ausrasiert, dann platinblond gefärbt, aktuell sind Strähnen zurück. Etwa bei Eintracht Frankfurts Danny Blum oder dem Spanier Fernando Torres und, wenn man genau hinguckt, was man bei ihm ja immer tut: im Haar von Cristiano Ronaldo.

Strähnchen sind bekanntlich nicht gleich Strähnchen. In den Neunzigern und Mitte der Nullerjahre wurde noch offensiv durchgesträhnt. Unvergessen die Blocksträhnen von Tim Wiese, die seinen Kasten womöglich zusätzlich verrammelt wirken lassen sollten. Hat nur zeitweise funktioniert. Dann wurde eher partiell gesträhnt, dafür plakativ, siehe Mesut Özil zu Schalke-Zeiten. In den letzten Jahren ist der Trend dann subtiler geworden, die Reflexe sollen natürlich wirken. Ganz aktuell: die »Balayage«-Technik, wie Melania Trump sie populär gemacht hat. Da werden die Strähnen freihändig »reingefegt«, unregelmäßig und nur eine Nuance heller, so wie bei – Cristiano Ronaldo?
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Im Champions-League-Achtelfinale gegen Neapel blitzten in der Frisur vorne sehr subtile »Highlights« auf. Das englische Wort ist hier ja wieder viel anschaulicher als das deutsche, man setzt Höhepunkte ins Haar, krönt das Haupt. Ronaldo hat das in der Vergangenheit selbstredend schon häufiger gemacht, aber so dezent wie jetzt – ist das schon »Balayage«? Oder nur ein gewöhnlicher »Coiffeur-Crime«?

Ronaldo ging lange Zeit in den Salon der Brüder Sielo nach Madrid, die dann ihre Kreationen für ihn regelmäßig bei der Hälfte der Halbstarken in der Stadt nachschneiden durften. Einen der Sielos entsandte der Star-Fußballer sogar regelmäßig ins örtliche Wachsmuseum, um dort nach der Frisur des Ebenbilds zu sehen. Ronaldo überlässt offensichtlich nichts dem Zufall.

Nehmen wir also an, diese Inkognito-Strähnen sind genau so gewollt – was will uns der Portugiese damit sagen?

Hypothese 1: Der Look ist das stilistische Äquivalent zur Performance auf dem Platz, die gerade auch etwas subtiler ausfällt als sonst.

Hypothese 2: Der Look ist nicht das stilistische Äquivalent zur Performance (die seiner Meinung nach natürlich überragend wie immer ist), sondern zum etwas gereiften Alter von mittlerweile 32 Jahren. Da kann man auch bei den Haaren jetzt mal den Ball flach halten. Das passt auch besser zu seinem sonst so makellosen Äußeren, bekanntlich sind Ronaldo und Xabi Alonso so ungefähr die letzten untätowierten Fußballer der westlichen Hemisphäre.

Hypothese 3: Das ist gar nicht »Balayage«! Das ist dieser andere Strähnchen-Trend »Baby Highlights«, der dem Haar von Kleinkindern nachempfunden ist, die ja auch hier und da, einfach so, ein paar hellere Strähnen haben. Was wiederum eine ebenso subtile wie clevere Art und Weise wäre, die Gerüchte um seine erneute Vaterschaft zu bestätigen. Ronaldo hat bereits einen sechsjährigen Sohn, Cristiano Ronaldo Junior, jetzt soll eine Leihmutter angeblich Zwillinge austragen.

Sind Strähnchen- und Gerüchtelage beim Viertelfinale Anfang April unverändert, aber Ronaldo spielt wie zu seinen besten Zeiten und schießt ein Triple, legen wir uns jedenfalls fest.

Typischer Instagram-Kommentar: »Ich zähle drei Strähnen. Es sind Drillinge!«
Das sagt der Münchner Friseur: »Ah Balayage, das neue Fegen! Dafür haben wir unsere Auszubildende extra zur Fortbildung nach New York geschickt. Macht dann 250 Euro bitte.«
Das sagt der Berliner-Friseur: »Balayage? Kannste haben. Da hinten sind Handfeger und Schüppe.«
Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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