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Männer 17. März 2017

Goethe und ich

Von Alex Rühle  Foto: dpa

Stammt unser Autor tatsächlich von Goethe ab? Er ist eher skeptisch, aber sein Vater ist überzeugt. Und dann ist da ja noch die mysteriöse Überweisung des Dichterfürsten.

Ein selbstgemaltes Schild an einer Häuserwand im Stadtteil Frankfurt-Bornheim. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren, Bornheim wurde erst 1877 eingemeindet

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Eigentlich sollte ich für das Heft etwas über Vaterfiguren schreiben. Schönes Thema, dachte ich und es fielen mir auch sofort einige Vaterfiguren aus meinem Leben ein: Rudi Berg, charismatischer Deutschlehrer und Theatergruppenleiter am Wilhelmsgymnasium. Oder hier in der SZ etwa Andreas Zielcke, mein erster Feuilletonchef. Aber je mehr ich nachdachte, desto mehr zerbröselte das. Vaterfiguren? Wirklich?
 
Förderer, ja, Impulsgeber, unbedingt, senioriöse Freunde, das auch. Aber Vaterfiguren? Die wichtigste Vaterfigur in meinem Leben ist am Ende doch mein Vater, den ich sehr mag und der mich einfach machen lässt. Er selbst aber ist im übertragenen Sinne auf Vatersuche. Zusammen mit seinem Bruder, meinem Onkel, versucht mein Vater seit Jahren nachzuweisen, dass wir alle zusammen von Goethe abstammen. Ich selbst bin da gelinde gesagt skeptisch.

Wie wenig ich daran glaube, sieht man vielleicht an meiner Reaktion auf den Satz einer Magazin-Kollegin. Als sie sagte: »Echt? Dann wärst du ja der Enkel von Goethe!«, antwortete ich, eher reflexhaft: »Ich doch nicht, mein Vater.« Nicht, weil ich korrekterweise der Ururururenkel von Goethe wäre. Sondern weil ich immer denke, mich geht das gar nichts an, das ist Papis Spleen. Wie gesagt, ich glaub nicht dran - zum stillen Kummer meines Vaters. Woran ich aber ganz und gar glaube: Die beiden wollen keine genealogischen Putzerfische oder Ruhmschmarotzer sein, die denken »Ha, wir und unsere Goethegene!« Was man schon daran sehen kann, dass sie niemandem davon auch nur ein Sterbenswörtchen erzählt haben.

Irgendwann vor sechs, acht Jahren, deutete nur mal meine Mutter was an. Am Telefon. Ach, der Papi, der ist wieder am Forschen… Muss er dir selbst mal erzählen... Ich hab mich für diesen Text überhaupt erstmals mit seinen Indizien, Fundstücken und Belegen auseinandergesetzt. Muss jetzt aber zumindest zugeben: Einiges daran klingt tatsächlich interessant.

Nicht so sehr die ganzen Motive in irgendwelchen Gedichten. Eher schon die Spur des Geldes: 3000 Reichstaler. Sowas überweist man nicht einfach so. Die hat Goethe am Tag der Geburt meiner Urururgroßmutter von seiner Bank schicken lassen. Leider an eine anonyme Adresse, Aber das ist dann genau einer dieser Momente, wo mein Vater sagt: »Eben, anonym! Das macht man doch nur, wenn man was geheim halten will.« Man könnte auch sagen: Einer dieser Momente, wo man sich entscheiden muss ziwschen Goethes Dichtung und Wahrheit.
 
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