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aus Heft 13/2017 Kunst

»Kunst zu sammeln ist die schönste Krankheit, die es gibt«

Interview: Sven Michaelsen  Foto: Juergen Teller

Kurator, Sammler und Auktionator – wer wissen will, wie der Kunstmarkt funktioniert, sollte Simon de Pury fragen.


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SZ-Magazin: Der Bildhauer Alberto Giacometti wurde einmal gefragt, was er aus einem brennenden Haus retten würde: eine Katze oder einen Rembrandt. Er entschied sich ohne zu zögern für die Katze.

Simon de Pury: Ich würde bedenkenlos den Rembrandt retten und die Katze ihrem beklagenswerten Schicksal überlassen. Kunstwerke sind für mich lebende Objekte, die den Tod ihres Schöpfers überdauern, manchmal für Jahrtausende. Weil große Kunst das Beste in uns Menschen verstärkt, ist ihr Überleben wichtiger als das eines Tieres.

Seit wann können Sie einen Monet von einem Manet unterscheiden?
Seit meinem 13. Lebensjahr. Meine Mutter fuhr mit mir nach Florenz und Paris und führte mich durch Museen und Galerien. Ich schämte mich immer ein wenig, wenn wir vor einem Gemälde standen und sie mir Erläuterungen aus dem Kunstführer vorlas, aber mit meinen Kindern habe ich später das Gleiche gemacht.

Mit welchem Ergebnis?
Als meine Kinder Teenager waren, fuhr ich mit ihnen für eine Woche nach New York. Sechs Tage lang absolvierten wir ein Programm für Halbwüchsige. Am siebten Tag, einem Mittwoch, wollte ich ihnen unbedingt das Museum of Modern Art zeigen. Als wir vor dem Eingang standen, bekamen meine Kinder Smiley-Gesichter. Als ich fragte, warum sie so beglückt guckten, deuteten sie auf ein Schild: »Mittwochs geschlossen«.

Sie wollten seit früher Jugend Maler werden. Nachdem Ihre abstrakten Tuschbilder bei drei Galerien durchgefallen waren, gingen Sie für 18 Monate beim Schweizer Kunsthändler Eberhard Kornfeld in die Lehre. Eine gute Zeit?
Der Höhepunkt war, dem berühmten Sammler Heinz Berggruen für ein paar Tage als Chauffeur zugeteilt zu werden. Der Tiefpunkt war, für eine wertvolle Zeichnung von Max Ernst ein Passepartout zuschneiden zu sollen. Ich übersah, dass die Zeichnung unter der Pappe lag, und zerschnitt sie in vier Teile. Ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen und war mir sicher, rausgeworfen zu werden, aber Kornfeld reagierte höchst gelassen: »Kein Problem, junger Mann, für mich arbeitet der weltbeste Restaurator. Wenn er mit seiner Arbeit fertig ist, wird niemand darauf kommen, was passiert ist.« Bei der Versteigerung der Zeichnung wurde der Schaden mit keinem Wort im Katalog erwähnt. Ich zitterte, dass alles herauskommen würde, aber vom Käufer kam nie eine Beschwerde. Ich hatte das perfekte Verbrechen begangen.

Haben Sie noch andere Kunstwerke auf dem Gewissen?
Nein, aber es ist erschreckend, wie oft Objekte hinter den Kulissen zerstört werden. Als junger Mann habe ich Kunsttransporte begleitet. Wenn ich in feuchtheißen Städten wie Bombay oder Bangkok das Flugzeug wechseln musste, standen die Kisten mit wertvollen Gemälden manchmal stundenlang in der prallen Sonne. Beim Auktionshaus Christie’s rutschte einmal ein Klavier vom Podium und machte eine Stradivari zu Kleinholz. Bezeichnend ist auch, was mit einem Objekt von Christo passiert ist, als es bei einem Auktionshaus eingeliefert wurde. Man hatte vergessen, den Mitarbeitern der Frachtabteilung zu sagen, dass Christo ein Verpackungskünstler ist. Indem die Männer sein Werk auspackten, zerstörten sie es.

Mit 23 waren Sie eine unbezahlte Hilfskraft am Empfangstresen des Auktionshauses Sotheby’s in London, bereits zwei Jahre später schickte Ihr Arbeitgeber Sie als Verkaufschef nach Monaco. Zu Ihren Insignien zählten eine Cabana im »Monte Carlo Beach Club« und ein privates Whisky-Depot im Nachtklub »Jimmy’z«. Es folgten Fotogeschichten über Sie in der Vogue und in der International Herald Tribune. Schmorte Ihr Ego durch?
Nein, die geringschätzigen Blicke meiner Mutter waren an mir haften geblieben und verhinderten, dass ich der Sonne zu nahe kam. Vom zehnten bis zum 18. Lebensjahr war ich felsenfest davon überzeugt, der größte Versager unter Gottes Himmel zu sein. Ich war ein miserabler, ängstlicher Schüler, der von seiner leistungsbesessenen Mutter, die stets Klassenbeste gewesen war, von morgens bis abends an seinen brillanten Geschwistern gemessen wurde. Mit 15 schickte sie mich für zweieinhalb Tage zu einem angesehenen Psychologen ins Engadin. Nach endlosen Tests schrieb der Mann einen siebeneinhalbseitigen Bericht über mich, den meine Mutter mir viermal vorlas. Das Fazit des Fachmanns war verheerend: Ich solle auf keinen Fall das Gymnasium beenden oder gar studieren, Krankenpfleger wäre genau das Richtige für mich. Heute kann ich meine Schande wie eine Anekdote erzählen, aber sie hat Spuren hinterlassen. Obwohl meine Mutter schon lange tot ist, spüre ich immer noch den Wunsch, sie zu beeindrucken.

Wie kamen Sie in Monaco an Kunden, die sich von ihren Schätzen trennen wollten?
Das Auktionsgeschäft lebt von drei Ds: divorce, debt, death – Scheidung, Schulden, Tod. Deshalb begann mein Tag mit Zeitungslektüre, erst die Gesellschaftsseiten, dann die Todesanzeigen.

Nach fünf Jahren bei Sotheby’s wurden Sie 1979 Kurator der Kunstsammlung von Hans Heinrich Àgost Gábor Tasso Baron Thyssen-Bornemisza de Kászon, genannt Heini, Enkel des Stahl-Tycoons August Thyssen und einer der reichsten Männer der Welt. Warum wechselten Sie Ihren Beruf?
Der Baron hatte in der Villa Favorita in Lugano die großartigste private Kunstsammlung der Welt zusammengetragen. Alle großen Künstler vom 12. bis zum 20. Jahrhundert waren vertreten. Nur die englische Königin besaß etwas Vergleichbares. Ein weiterer Grund war, dass der Baron mir ungeheuer imponierte. Er war eine auratische Erscheinung, hatte Ladykiller-Appeal und besaß Manieren, die mehr als tadellos waren. Einmal trafen wir uns in meinem Sotheby’s-Büro. Wenn eine Angestellte hereinkam, stand er jedes Mal auf und begrüßte sie so galant und formvollendet, als stünde ihm ein gekröntes Haupt gegenüber. Um seine Sammlung vorzuführen, schickte er mir sein Flugzeug, eine Dassault Falcon. Damals gab es einen Jetset, aber niemand besaß einen Jet. Für den Baron war es ein gewöhnlicher Tag, wenn er morgens in London frühstückte, in Amsterdam zu Mittag aß, nachmittags in Paris den Louvre besuchte und abends in Rom auf einer Party tanzte.

Wie sah Ihr erster Arbeitstag aus?
Ich sollte ein komplettes Inventar seiner Bilder erstellen. Ich ahnte nicht, dass mir eine Weltreise bevorstand. Der Baron hatte Büros in Bremen, Zürich und Monte Carlo und Häuser in London, Gloucestershire, St. Moritz, Marbella, Jamaika und auf Sardinien. Überall hing teuerste Kunst an den Wänden.

Thyssen-Bornemisza war damals Ende fünfzig und sah aus, wie Hollywood sich einen verworfenen Baron vorstellt: zweireihiger Maßanzug, manikürte Fingernägel, halb geschlossene Augenlider, stets ein Glas in der Hand, atemberaubende Frauen an jedem Finger.
Seine Ehefrauen waren nicht weniger spektakulär als seine Eroberungen. Als wir uns kennenlernten, war er in vierter Ehe mit der brasilianischen Bankierstochter Denise Shorto verheiratet, einer Society-Version von Brigitte Bardot, die an der Sorbonne studiert hatte und akzentfrei fünf Sprachen sprach. Sie kannte sich in Kunstgeschichte aus und besaß den ungekünstelten Stolz einer Löwin. Sie war die perfekte Frau für Männer, die alles haben.

Was für ein Mensch war Thyssen-Bornemisza?
Er war ein Grandseigneur mit staubtrockenem Witz, der vieles ernst nahm, aber sich selber nie. Er war ein Beobachter, der sein romanhaftes bis seifenopernartiges Leben so distanziert betrachtete, als wäre es nicht das eigene. Und er war ein Connaisseur, der ein Drei-Sterne-Essen im »La Tour d’Argent« in Paris nicht weniger schätzte als einen Dürer oder Holbein. Für ihn zu arbeiten war der feuchte Traum von jedem, der sich mit den Spitzen von Kultur, Hochfinanz und Society vernetzen wollte. Er galt als verwöhnter Exzentriker und launenhafter Autokrat, aber ich sagte mir, wenn du es mit Heini schaffst, schaffst du es später mit jedem. Und so war es. Was ich über Diplomatie, die Bewegungsgesetze der Machtwelt und die Psychologie von Superreichen weiß, habe ich als seine rechte Hand gelernt.

Wie war das Leben in der Villa Favorita?
Der Vater des Barons hatte die im 17. Jahrhundert erbaute Villa 1932 von Friedrich Leopold von Preußen gekauft und auf dem Gelände ein Museum im Stil der Neuen Pinakothek in München errichten lassen. Ich zog mit meiner ersten Frau ins Torhaus der Villa. Unseren Ältesten brachten wir mit, die drei folgenden Kinder wurden dort geboren. Als der Baron unsere beengten Verhältnisse bemerkte, nahm er uns im Haupthaus auf. Seine Begrüßung lautete: »Gratuliere, Sie haben sich aus dem Torhaus herausgevögelt.« Wenn er mit Gästen Englisch sprach, beschrieb er seine Herkunft gern mit den Worten: »My family’s in iron and steel. My mother irons and my father steals.« Einmal im Jahr musste er für seine Familie einen Finanzreport schreiben. Da er wusste, wie öde die Lektüre war, brachte er ungefähr auf Seite zwanzig eine Fußnote an: »Wenn du bis hierhin gelesen hast, rufe mich an. Ich schicke dir eine Kiste Krug-Champagner.« Den Champagner hat sich nie jemand verdient.

Sie wurden der Trüffelhund von Thyssen-Bornemisza. Wie oft haben Sie für ihn Kunst gekauft?
Jede Woche, manchmal auch jeden Tag. Der Baron galt bei Händlern als Buyer Number One, deshalb wurden Bilder zuerst ihm angeboten. Maler, die ihn interessierten, hatten tot zu sein. Lebende Künstler fand er dubios. Die große Ausnahme war Lucian Freud, der in Berlin geborene Enkel von Sigmund Freud. Von ihm ließ er sich Anfang der Achtziger malen. Da Freud schrecklich langsam arbeitete, musste er ihm 160 Stunden lang Porträt sitzen, verteilt auf 15 Monate. Heute hängt das Bild mitsamt seiner Sammlung im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Gab es eine Chance, die Sammlung nach Deutschland zu holen?
Dafür hätte man dem Baron ein Weltklasseangebot auf dem Silbertablett servieren müssen. Als die Villa Favorita zu klein für seine Sammlung wurde, ließ er den Architekten James Stirling einen Erweiterungsbau entwerfen, der am Ende 50 Millionen Schweizer Franken kosten sollte. Da ein Teil der Villa Favorita ein für jedermann zugängliches Museum war, meinte der Baron, die Schweizer sollten sich an den Baukosten beteiligen, aber die angebotene Summe empfand er als Ohrfeige. Als klar war, er würde seine Sammlung in das Land transferieren, das ihm den größten Respekt zollte, begann ein Hauen und Stechen, als wären Machiavelli, Richelieu und Metternich gleichzeitig am Werk. Lothar Späth bot dem Baron ein eigenes Museum in Stuttgart an, Prinz Charles kam mit einem handschriftlichen Brief von Margaret Thatcher nach Lugano, Disney und das Getty Museum in Los Angeles gaben Offerten ab, aber das Rennen machte Madrid. Carmen Cervera, die fünfte und letzte Frau des Barons, war Spanierin und hatte gute Beziehungen zu Felipe González und der königlichen Familie. Man bot dem Baron für seine Sammlung einen Palast vis-à-vis vom Prado an. Als er Ja sagte, begann der größte Kunsttransfer in Friedenszeiten, den die Welt je gesehen hat.

Warum sind Sie nach sieben Jahren bei Thyssen-Bornemisza 1986 zu Sotheby’s zurückgekehrt?
Der Hammer rief mich. Ich vermisste das Fieber und das Drama bei Auktionen. Das Timing war perfekt. Auf dem Kunstmarkt hatte ein Goldrausch begonnen. Die Preistreiber waren Japaner. Sie kauften Hochhäuser in Manhattan, Filmstudios in Hollywood und Tonnen von Kunst.

1992 wurden Sie Europa-Chef von Sotheby’s und weltweiter Chefauktionator des Hauses. Was macht einen guten Auktionator aus?
Autorität, Stil, Verve, Theatralik und Sachkenntnis. Sie dürfen nicht wie ein schnöder Verkäufer wirken, der seine Ware unbedingt losschlagen will. Ihr Wissen und Ihre Bewunderung für das zu versteigernde Objekt müssen im Saal spürbar sein, andernfalls kriegen Sie keinen Draht zu den Bietern. Ihnen sitzen keine ahnungslosen Geldsäcke gegenüber, sondern smarte, informierte Kenner, die jeden Hype sofort durchschauen würden. Kunsthandel ist das snobistischste Milieu der Welt.

Wie bereiten Sie sich auf eine Auktion vor?
Ich lasse mir den Sitzplan geben, merke mir, wer wo sitzt, und notiere, wen welche Objekte interessieren könnten. Rufe ich ein Los auf, schaue ich den potenziellen Interessenten in die Augen. Weil ich extrem abergläubisch bin, muss ich eine Stunde vor Beginn einer Auktion einen Apfel essen. Ich muss auf dem Podium auch immer das Gleiche anhaben. Deshalb meinen viele, ich besäße seit 25 Jahren nur diesen einen dunkelblauen Zweireiher von Caraceni. Meine dritte Zwangshandlung ist, immer etwas Rotes mit mir herumzutragen. Früher war es ein rotes Notizbuch, heute steckt mein Handy in einem roten Etui.

Sie sagen, wenn ein und dasselbe Objekt von fünf Auktionatoren vor demselben Publikum versteigert wird, kommen fünf verschiedene Preise zustande. Woran liegt das?
An der unterschiedlichen Performance der Auktionatoren. Bieter haben ein Limit im Kopf. Ich verführe sie dazu, ihr Limit zu vergessen, denn mein Job ist, das Maximum aus ihnen herauszuholen. Dazu muss ich die Stimmung im Saal prägen wie ein Showmaster, der die Zuschauer mit seiner Flamboyanz und seinem Leichtsinn ansteckt. Wichtig ist, für eine Dramaturgie zu sorgen und das Tempo zu variieren. Nur Anfänger brennen ein Feuerwerk ab und versteigern die teuren Objekte hintereinander weg.

Könnten Sie ebenso gut Pferde oder Schweinehälften versteigern?
Ich fürchte ja.

Was raten Sie einem Neuling bei einer Auktion?
Kaufen ist einfach. Schwierig ist, der Versuchung zu kaufen zu widerstehen. Seien Sie anspruchsvoll und wählerisch, als gelte es, Ihre einzige Tochter zu verheiraten. Aber nehmen Sie sich in Acht: Kunst, die schwer zu kriegen ist, hat etwas Unwiderstehliches und steigert die Begehrlichkeit. Das ist wie bei der Liebe.

Was war Ihre kräftezehrendste Auktion?
Bei der Contessa Corsini in Florenz habe ich 1994 in zweieinhalb Tagen 1718 Lose durchgehämmert. Seither habe ich immer Emser Pastillen bei mir.

Was war das teuerste Objekt, das Sie versteigert haben?
Andy Warhols Men in Her Life. Das Bild brachte bei mir vor sieben Jahren 63,4 Millionen Dollar. Den aktuellen Rekord hält ein Kollege von Christie’s: Jussi Pylkkänen versteigerte vor zwei Jahren Die Frauen von Algier für 179,4 Millionen Dollar und ein paar Monate darauf Modiglianis Liegenden Akt für 170,4 Millionen Dollar, an den chinesischen Milliardär Liu Yiqian. Auktionsrekorde sind wie Sportrekorde, man kann sich nie sehr lange mit ihnen schmücken. Bald wird die Schallmauer von 200 Millionen Dollar durchbrochen werden.

Der Franzose Maurice Rheims, eine 2003 gestorbene Legende Ihrer Zunft, hat die Pornobuchsammlung von König Faruk versteigert, das Fallbeil, das den Nacken von Louis XVI. durchtrennte, sowie den Zweispitz, den Napoleon 1809 während der Schlacht bei Wagram trug. Haben Sie ähnliche Kuriosa versteigert?
1996 wurde der Nachlass von Jackie Onassis versteigert. Die Auktion dauerte vier Tage und war der größte Publicityerfolg in der Geschichte von Sotheby’s. Ein Bieter zahlte ein kleines Vermögen für die Keramikvase, die an Jackies Totenbett gestanden hatte.

Eine Kollegin von Ihnen hat mal einem Kunden im Saal zugerufen: »C’mon, get your balls out!« Darf man jemanden auffordern, seine Eier rauszuholen, um den Auktionspreis in die Höhe zu treiben?
Bei einer kommerziellen Auktion: nein. Bei einer Wohltätigkeitsauktion: ja. Da dürfen Sie wie eine gewiefte Animierdame auftreten und alle Register ziehen. Wenn ich die Leute im Saal kenne, spiele ich die großen Egos gegeneinander aus. Keiner will das Bietgefecht verlieren, denn er glaubt, sein Prestige würde leiden. Das Schöne ist, dass diese Eitelkeitsduelle Notleidenden zugutekommen. Bei der Amfar-Gala in Cap d’Antibes habe ich vor drei Jahren ein vergoldetes Mammutskelett von Damien Hirst für 15 Millionen Dollar an den aus der Ukraine stammenden Milliardär Leonard Blavatnik versteigert. Im folgenden Jahr bat mich Leonardo DiCaprio, auf einem Weingut bei Saint-Tropez eine Auktion für seine Umweltstiftung zu leiten. Der Eintritt kostete 19 000 Dollar. Unter den 650 Gästen waren Sylvester Stallone, Goldie Hawn, Adrien Brody, Orlando Bloom, Marion Cotillard, Harvey Weinstein, Larry Gagosian und Tommy Hilfiger. Die Auktion begann um 21 Uhr und endete morgens um halb drei. Es kamen vierzig Millionen Dollar zusammen.

Was haben Sie versteigert?
Zuerst Erlebnisse, die man nicht kaufen kann: mit Roger Federer Tennis spielen, mit Harvey Weinstein zu den Oscars gehen, eine Arktis-Expedition mit Albert von Monaco. Dann kamen Arbeiten von Andy Warhol, Frank Stella, Banksy und Monet unter den Hammer. Zum Schluss habe ich zwei Privatkonzerte von Elton John versteigert. Den Zuschlag bekamen zwei Milliardäre aus Asien für jeweils drei Millionen Dollar.

Sie haben bei Sotheby’s eine Vortragsreihe ins Leben gerufen mit Rednern wie Helmut Newton, Karl Lagerfeld und den Philosophen George Steiner und Bernard-Henri Lévy. Wer hat Sie am stärksten beeindruckt?
Anthony Burgess, der Autor von A Clockwork Orange. Weil er sich für einen langweiligen Redner hielt, schickte er mir Notenblätter mit einer Komposition, die er eigens für seinen Auftritt geschrieben hatte. Die Musik war so schwierig zu spielen, dass die Solisten eine Woche lang proben mussten. Der faszinierendste Teil des Abends begann nach dem Schlussapplaus. Als Zugabe setzte sich Burgess selbst ans Piano und spielte so besessen, dass Schaum aus seinen Mundwinkeln kam. Nach ein paar Minuten sprang er auf, rief ein paar passionierte Worte über die Kunst in den Saal und spielte weiter. In diesem Wechsel ging das eine Stunde lang. Unter den Zuhörern saß David Bowie und machte sich eifrig Notizen.

Zu Ihren Rednern gehörte auch Jeff Koons. Wie war sein Auftritt?
Er war noch mit dem italienischen Pornostar Cicciolina zusammen und arbeitete an großen und höchst realistischen Skulpturen, die die beiden beim Sex zeigten. Seine Serie nannte er Made in Heaven. Während er redete, wurden Fotos seiner Kopulationsskulpturen auf eine riesige Leinwand hinter ihm projiziert. Sein Vortrag gipfelte in dem Satz: »Rembrandt benutzt für seine Kunst Pinsel, ich meinen Schwanz.« Bei diesem Wort riss es ein paar ältere Damen vom Sitz. Sie stürmten türenknallend aus dem Saal. Am nächsten Morgen beschimpfte mich eine von ihnen am Telefon: »Ich bin schockiert, dass ein so proper aussehender Mann wie Sie eine solche Ferkelei organisiert!« In der nächsten Sekunde bat sie mich, zu ihr nach Hause zu kommen, sie wolle mir ein Gemälde zur Versteigerung geben. In dem Moment wusste ich, was ich den Controllern aus der Sotheby’s-Zentrale sage, sollten sie mich wegen der hohen Kosten für die Vortragsreihe grillen wollen.

Nach ihrem Auftritt wurden die Redner mit einem Festessen in großer Runde geehrt. Wie verhielt sich Koons?
Er hatte mich ein paar Tage zuvor wissen lassen, dass alle Gäste ein Spezialmenü bekommen sollten, das die Potenz steigere. Das Rezept habe ihm Arnold Schwarzenegger verraten. Als ich einen Toast ausbrachte und auf die aphrodisierende Wirkung der Speisen hinwies, riefen die Gäste im Chor: »Wir wollen mehr! Wir wollen mehr!« Im Umgang mit Händlern und Käufern zeigt Koons gespenstisches Geschick. Wenn eins seiner Werke versteigert wird, kommt er zur Vorbesichtigung und beantwortet mit Engelsgeduld die Fragen von Interessenten. Ich kenne keinen zweiten Künstler, der das eigene Werk so überzeugend vermitteln kann. Wenn Sie seinem Charme und seiner Begeisterung ein paar Minuten ausgesetzt sind, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als ihn zu lieben. An ihm lässt sich ein modernes Phänomen studieren: Der Künstler ist die Kunst.

1997 verließen Sie Sotheby’s zum zweiten Mal und gründeten mit Ihrer Kollegin Daniella Luxembourg das Auktionshaus de Pury & Luxembourg. Warum wollten Sie Ihrem ehemaligen Arbeitgeber die Stirn bieten?
Christie’s und Sotheby’s bildeten seit Jahrzehnten ein Duopol, das mehr als neunzig Prozent des Auktionsmarktes beherrschte. Durch einen ruinösen Konkurrenzkampf waren die Gewinne fast auf null geschrumpft. Ich wollte die beiden Kolosse zu einem Triumvirat zwingen. Wenn Christies’s und Sotheby’s wie Coca-Cola und Pepsi waren, wollte ich Red Bull sein.

Ihre Geschäfte liefen anfangs glänzend.
Deshalb wurde Bernard Arnault auf uns aufmerksam, der Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH. Sein Erzrivale François Pinault hatte Christie’s 1998 für 1,2 Milliarden Dollar gekauft, also wollte Arnault ebenfalls ein Auktionshaus besitzen. LVMH kaufte die Londoner Galerie Phillips, und wir fusionierten zu Phillips, de Pury & Luxembourg. 75 Prozent des neuen Unternehmens gehörten LVMH.

Ihr erster Scoop war die Versteigerung von Bildern aus der Sammlung von Heinz Berggruen.
Arnault und ich trafen uns mit Berggruen in der »Paris Bar« in Berlin und boten ihm eine unschlagbare Garantiesumme. Bei der Auktion versteigerten wir 41 Meisterwerke, darunter einen Cézanne für 38 Millionen Dollar. Alles schien bestens zu laufen, aber ein paar Monate später stürzten in New York die Zwillingstürme ein, und der Luxusmarkt drohte zu kollabieren. Nachdem Arnault deswegen aus unserer Firma ausgeschieden war, trugen wir ein Stigma: Einer der größten und intelligentesten Player auf dem Kunstmarkt hatte uns das Vertrauen entzogen! Der 4. November 2002 wurde dann mein Pearl Harbor. Vor der Versteigerung waren 17 Bilder auf je mehr als eine Million Dollar geschätzt worden, aber als ich das Podium betrat, saßen die Bieter den ganzen Abend auf ihren Händen, und wir verkauften nur eins von den 17. Statt an diesem Tag um die fünfzig Millionen Dollar umzusetzen, kamen wir nur auf 6,9 Millionen. Die Schadenfreude unserer Konkurrenten war grenzenlos. Ich war ein Dead Man Walking.

Nach dem Ausstieg Ihrer Partnerin Daniella Luxembourg gründeten Sie 2003 im New Yorker Meatpacking District ein neues Auktionshaus mit dem Namen Phillips de Pury und spezialisierten sich auf Kunst, Fotografie und Design aus den vorangegangenen 25 Jahren.
Wir waren ein Guerilla-Auktionshaus für das Hier und Jetzt. Keine Impressionisten und alten Meister mehr, sondern Richard Prince, Cindy Sherman, Andreas Gursky, Helmut Newton, Ron Arad und Marc Newson. Wenn wir Juwelen versteigerten, verschickten wir den Katalog in einer Pizzaschachtel. In unserem Beirat saßen hippe Leute wie Mario Testino, Marc Jacobs, Lapo Elkann, Gloria von Thurn und Taxis, Malcolm McLaren und Juergen Teller. Unsere Kunden waren die neuen Goldfinger: junge Hedgefondsmanager und Investmentbanker. Sie fanden es cool, dass wir in unseren Räumen Konzerte mit Human League oder Patti Smith veranstalteten. Mit dem letzten Hammerschlag einer sieben Stunden langen Auktion ging ein Vorhang auf, und Nile Rodgers brachte mit seiner Band Chic den Saal in Ekstase. Magisch war auch, wie Cindy Sherman mit George Clinton in einer Marihuanawolke tanzte oder wie das Publikum beim Auftritt von Kid Creole & the Coconuts um den Hai-Tank von Damien Hirst tanzte.

Nach Auftritt und Kleidung wirken Sie wie ein Schweizer Bankier. War es Kalkül, dass Sie Ihr neues Unternehmen wie ein Glamrocker führten?
Beurteilen Sie ein Buch nie nach dem Umschlag. Ich weiß, dass ich konservativ und konventionell wirke, aber ich liebe Hip-Hop, bin gern DJ und gehöre auf Partys immer zu den Letzten. Zu Künstlern fühle ich mich stärker hingezogen als zu Menschen, die Kunst kaufen.

Was war Ihr erster Kunstkauf?
1987 habe ich in einer Ausstellung in Zürich ein Gemälde des russischen Malers Erik Bulatow entdeckt. Es zeigte eine Landschaft, quer über dem Bild stand »Ne Prislonyatsa«, nicht hinauslehnen. Das Bild beeindruckte mich so stark, dass ich Bulatow instinktiv sagte, ich möchte es kaufen. Er verlangte 35 000 Schweizer Franken. Da ich so viel Geld nicht hatte, bat ich um Ratenzahlung. Als meine erste Frau und ich uns trennten, wurde unsere Sammlung aufgeteilt, und Ne Prislonyatsa ging in ihren Besitz über. 2007 hat sie mich das Bild in London versteigern lassen. Es erzielte 916 000 Pfund.

Heinz Berggruen gestand kurz vor seinem Tod, seine Sammelobsession habe ihn zu einem zutiefst unglücklichen Menschen gemacht. Er verglich sich mit einem Heroinjunkie, der sein Leben mit der Suche nach Stoff verbringt.
Ich habe Berggruen gut gekannt. Sollte er unglücklich gewesen sein, lohnt es sich, unglücklich zu sein. Kunst zu sammeln ist eine Besessenheit, eine Suchtkrankheit, noch dazu eine unheilbare, aber es ist die schönste Krankheit, die es gibt. Die Infizierten gehen über ihre finanziellen Mittel, um ein Objekt in ihren Besitz zu bringen. Man erkennt sie an ihrem bittersüßen Schmerz, ein Opfer gebracht zu haben. Ihre Passion ist zugleich Liebe und Leid. Ich kenne Sammler, die wegen ihrer Käufe sehr bescheiden leben und noch auf dem Sterbebett zum Telefon greifen, um bei einer Auktion mitzubieten.

Großsammler können sich nur mit einem Bruchteil ihrer Käufe umgeben. Das meiste verschwindet in schwer bewachten Zollfreilagern in der Schweiz oder in Singapur. Im Genfer Zollfreilager, dem größten geheimen Museum der Welt, soll Kunst im Wert von hundert Milliarden Franken lagern. Was bringt es diesen Leuten, ihre Kunstsammlung als Slideshow auf dem iPad zu betrachten?
Mit 18 war ich überzeugt, ein Bild lebt nur, wenn ein Mensch davorsteht und es sich anschaut. Ich glaubte, Menschen können sich an Kunstwerken erfreuen, ohne das Verlangen zu haben, sie besitzen zu wollen. Ich habe lernen müssen, dass Sammler völlig anders ticken. Das Wichtigste für sie ist, das Objekt zu besitzen. Ob sie auch leibhaftig davorstehen können, ist zweitrangig.

Sigmund Freud meinte, Sammler kompensieren Entbehrungen, die sie als Kind durch fehlende Mutterliebe erlitten haben.
An dieser Theorie ist viel dran, aber vergessen Sie nicht, dass Sammeln ein Urtrieb des Menschen ist. Meine siebenjährige Tochter ist von Puppen besessen und baut eine Sammlung auf. Meine Passion in ihrem Alter waren Modellautos. Eine Sammlung zu haben gibt einem das Gefühl von Zugehörigkeit und Geborgenheit, auch wenn wir alle wissen, wie trügerisch dieser Glaube ist. Es gibt allerdings auch Sammler, für die Kunst lediglich eine Möglichkeit ist, ihr Anlagenportfolio zu diversifizieren. Ein Gerhard Richter ist für sie ein solider Vermögenswert wie eine Immobilie an der Côte d’Azur. Die Schönheit und Wahrheit eines Bildes interessiert sie ebenso wenig wie das Inspirierende und Lebensintensivierende, das von Kunst ausgehen kann.

Sie wohnen in einem geräumigen Townhouse im Londoner Stadtteil Mayfair. Wie viel Ihrer Kunst ist dort zu sehen?
Etwa zwanzig Prozent. Der Rest ist in einem Zollfreilager in der Schweiz.

Wie viel Kunst kaufen Sie?
Zwei, drei Objekte im Monat. Ich habe den ebenso eitlen wie vergeblichen Traum, eines Tages meine eigene Villa Favorita zu haben.

Der Stahltycoon Andrew Carnegie wäre längst vergessen, hätte er New York nicht 1891 die Carnegie Hall geschenkt. Befeuert Museumsstifter wie Bernard Arnault und François Pinault insgeheim der Wunsch, unsterblich zu werden?
Gut möglich, denn als beinharte Realisten wissen beide, dass nichts länger lebt als Kunst. Warum ragen Menschen wie Richard III. oder Wallenstein aus dem historischen Dunkel? Doch nur, weil die Künstler Shakespeare und Schiller Dramen über sie geschrieben haben, die so gut sind, dass wir sie immer noch lesen. Jeder Milliardär weiß, er ist ein paar Jahre nach seinem Tod ein Niemand, wenn er kein kulturelles Vermächtnis hinterlässt, das seinen Namen verewigt. Die egoistische Seite von Mäzenen ist, dass sie Geld gegen postmortalen Ruhm tauschen wollen.

Arnault soll 42 Milliarden Dollar schwer sein, Pinault, einst Schulabbrecher, heute Eigentümer von Modemarken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta, wird auf 15,9 Milliarden Dollar geschätzt. Was eint die beiden Franzosen?
Sie sind sowohl Visionäre als auch begnadete Geschäftemacher. Auf dem Luxusmarkt diese beiden weltumspannenden Imperien geschaffen zu haben ist für mich eine Leistung, die an Kunst grenzt. Schauen Sie sich an, wie die beiden Kunst für ihre Werbung nutzen: Louis Vuitton wird als diejenige Firma in die Modegeschichte eingehen, die mit Künstlern wie Yayoi Kusama, Takashi Murakami und Richard Prince zusammengearbeitet hat. Das von Frank Gehry entworfene Louis-Vuitton-Museum hat mit seiner Ausstellung der Schtschukin-Sammlung alle Besucherrekorde in Paris gebrochen. Diese Synergien zwischen Kunst und Kommerz zu erzeugen ist vor ihnen niemandem gelungen.

Was unterscheidet die beiden?
Arnault ist äußerst höflich, hat kultivierte Umgangsformen und wirkt reserviert bis kühl. Pinault ist extrovertierter und lässt erkennen, welche Leidenschaften ihn treiben. Bei Auktionsvorbesichtigungen wartet er nicht die offizielle Eröffnung ab, sondern nimmt es in Kauf, über Kisten zu klettern, um der Erste zu sein. Keiner seiner Angestellten bei Christie’s ist so begierig wie er, die eingelieferte Ware zu sehen. Bei der Art Basel soll er einmal eine Bauarbeitermontur angezogen haben, um vor allen anderen Käufern in die Ausstellungshallen zu gelangen.

Was raten Sie Menschen, die eine Sammlung aufbauen wollen?
Jede Sammlung ist eine Psychoanalyse des Sammlers – wobei man zugeben muss, dass es billiger wäre, zum Psychiater zu gehen. Man sollte beachten, dass Kunstwerke ein eigenes Leben haben und genauso energetisch geladen sind wie wir. Mit einigen Menschen können sie, mit anderen überhaupt nicht. Deshalb ist es oft das Kunstwerk, das sich den Sammler aussucht, und nicht umgekehrt. Das mag nach Humbug klingen, aber ich kann diese These mit Hunderten Beispielen belegen. Der energetische Gehalt eines Objekts erklärt auch, warum Provenienz ein Zauberwort im Kunsthandel ist.

Provenienz heißt: Ein Warhol, der dreißig Jahre lang bei Gunter Sachs hing, ist erheblich teurer als derselbe Warhol, der dreißig Jahre lang bei einem Niemand hing.
Möchten Sie unter einem van Gogh essen, der Pablo Escobar gehört hat oder einem fürchterlichen Diktator und Kannibalen wie Jean-Bédel Bokassa? Ich hätte Angst vor der negativen Energie, die von diesen Unmenschen in den van Gogh übergegangen ist. Es ist doch viel erhebender, mit einem Bild zu leben, dessen Vorbesitzer eine bewundernswerte Biografie und einen erlesenen Geschmack hatte. Das sind energetische Pluspunkte, und für diese positive Aufladung eines Kunstwerks muss der Käufer halt mitbezahlen.

Können Sie ein Bild lieben, dessen Schöpfer ein Scheusal ist?
Wenn ich von einem Kunstwerk fasziniert bin, will ich den Künstler kennenlernen. Diese Treffen haben meine Wertschätzung bislang immer bestätigt. Mein Glauben an die Kohärenz von Person und Werk reicht bis ins Private. Ich war mal sehr stark von einer Frau angezogen, die Künstlerin war. Sie lud mich in ihr Atelier ein und zeigte mir ihre Arbeiten. Die Banalität ihrer Bilder entsetzte mich derart, dass eine Stimme in mir sagte: Dieser Person machst du nicht länger den Hof! Das ist das Ende! Das soll nicht heißen, dass ich nur geniale Künstlerinnen begehrenswert finde, aber der Geschmack eines Menschen ermöglicht einen Blick in seine Seele. Wenn sich beim Geschmack Abgründe auftun, lässt das für die Seele nichts Gutes vermuten.

Gäbe es bedeutend weniger Kunstsammler ohne glanzvolle Festivitäten wie die Art Basel, die Art Basel Miami Beach oder die Kunst-Biennale in Venedig?
Wahrscheinlich. Die wahrhaftigsten Kunstliebhaber sind Menschen, die Diebe beauftragen, weltberühmte Gemälde zu stehlen. Diese Suchtsammler sitzen allein im Keller vor ihren Bildern und brauchen kein Publikum, um ihre Schätze genießen zu können. Man kann ausschließen, dass sie Kunst als Ego-Fetisch oder Statussymbol benutzen, denn wer einen Picasso stehlen lässt, muss ihn mit ins Grab nehmen.

Der US-Künstler Sol LeWitt meinte: »Jeder, der ein Kunstwerk versteht, besitzt es auch.« Richtig?
Was heißt denn schon verstehen? Künstler verstehen ihre Werke oft selber nicht.

Verlangt es mehr Glauben als die Religion, Das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch für einen Höhepunkt der Malerei des 20. Jahrhunderts zu halten?
Für manche Menschen passiert auf einem monochromen Bild mehr als auf Facebook oder einem Dating-Portal. Das sollte man respektieren.

Der Kunsttheoretiker Bazon Brock meint, er sehe lieber einen Busen als ein schwarzes Quadrat.
Das geht mir auch so.

Im Buch 100 Secrets of the Art World schreibt Matthias Mühling, Direktor des Lenbachhauses in München: »Meine Großmutter war eine Konzeptkünstlerin. Wo immer sie Urlaub machte, schickte sie mir eine Postkarte mit dem immergleichen Satz: ›Alles Scheiße, Deine Emma.‹ Und sie hieß nicht mal Emma!«
Es ist verschwendete Lebenszeit, sich auf Diskussionen einzulassen, was Kunst ist und was nicht. Kunst ist alles, womit man durchkommt, meinte Andy Warhol. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Meine Beziehung zu einem Bild ist rein intuitiv. Meine Sinnesempfindungen entscheiden, ob ich es bedeutend oder banal finde. Erst danach sucht mein Intellekt nach Argumenten, um zu belegen, was ich spüre. Kunden erwarten von mir, meine Urteile mit bedeutsam klingenden Begriffen zu begründen. Deshalb ist es notwendig, einen bestimmten Jargon zu beherrschen. Aber im Grunde ist das alles Hokuspokus.

Ist ein Künstler, der seine Kunst erklären muss, gescheitert?
Dann gäbe es sehr viele gescheiterte Künstler. Es ist üblich geworden, die Interpretation zur Kunst mitzuliefern. Dafür sorgen Galeristen und Kuratoren. Oft ist es eine Qual, diese kaum verständlichen Texte zu lesen. Da ich mir nicht vorschreiben lassen möchte, wie ich ein Kunstwerk zu verstehen habe, will ich es ohne den Künstler kennenlernen und lese vorher auch keine Sekundärtexte. Wer naiv vor einem Werk steht, hat den schärfsten Blick.

1961 füllte der italienische Künstler Piero Manzoni jeweils dreißig Gramm seiner eigenen Exkremente in neunzig Weißblechdosen und verschloss sie geruchssicher. Jede Dose wurde zum tagesaktuellen Preis von 18-karätigem Gold verkauft. Sein Werk nannte Manzoni Merda d’artista, Künstlerscheiße. 2007 wurde eine Dose bei Sotheby’s für 124 000 Euro versteigert. Würden Sie eine der Dosen geschenkt nehmen?
Ich habe miterlebt, wie der legendäre Auktionator Peter Wilson eine Manzoni-Dose versteigert hat. Seine zwischen Ekel und Belustigung changierende Mimik war köstlich. Inzwischen gilt Merda d’artista als Ikone des Ikonoklasmus. Wäre Manzoni nicht zwei Jahre nach seiner Aktion gestorben, müsste man ihm gratulieren, denn seine Häufchen sind in sehr gute Hände gekommen. Es gibt ein Buch, in dem die Besitzer mit ihrer Dose abgebildet sind. Man sieht ein Who’s who bedeutender Sammler. Würde ich eine Dose geschenkt bekommen, wäre ich glücklich, sie einzulagern und in zwanzig Jahren zu sehen, welchen Marktpreis sie hat. Leben möchte ich nicht mit einer Manzoni-Dose. Meine Beziehung zur Kunst ist sinnlich, nicht intellektuell, und bei Fäkalien spüre ich keine sinnliche Attraktion.

Der Schauspieler Sylvester Stallone sagte über seine Erfahrungen mit moderner Kunst: »Ich habe 1,7 Millionen Dollar für ein Bild von Anselm Kiefer bezahlt. Es war Stroh drauf. Kiefer hat das Stroh mit Klebstoff befestigt. Zu Hause denke ich: Scheiße, was liegt da unterm Bild? Stroh. Jeden Tag ein neuer Halm. Ich rufe den Händler an und sage: ›Der Kiefer haart.‹ Sagt der Händler: ›Mister Stallone, das muss so sein, das Bild geht durch eine Entwicklung, das Bild lebt.‹ Ich dachte, ich werd verrückt. 1,7 Millionen Dollar! Ich hab die Halme wieder drangeklebt. Jeden Tag lag ein Halm unten, ich hin, Klebstoff, Halm wieder dran. Ich hab’s nicht eingesehen.«
Da kann ich ein Lied von singen. Bei einem Atelierbesuch in Budapest habe ich mich in ein Gemälde verliebt, das aus vielen Wachsschichten bestand. Ich kaufte es und ließ es zu mir nach Hause transportieren. Obwohl meine damalige Frau und meine Kinder das Bild scheußlich fanden, hängte ich es im Wohnzimmer auf und sagte: »Eines Tages werdet ihr stolz auf mich sein, weil ich dieses Bild gekauft habe!« Ein paar Stunden später stellte ich bestürzt fest, dass das Wachs geschmolzen war. Ich hatte das Bild zu nah an die Heizung gehängt. Es war im Eimer. Ich rief den Künstler an und beschrieb, was passiert war. Er sagte, da kann ich Ihnen nicht helfen, und legte auf. Als meine Kinder die Ruine sahen, triumphierten sie. Ihre Expertise hatte gewonnen.

Sie beobachten den Kunstmarkt seit mehr als vierzig Jahren. Wie haben sich Künstler verändert?
Meine Frau und ich verbringen jeden Sommer einen Monat in Los Angeles, weil es dort die vitalste Kunstszene gibt. Jeden Tag besuchen wir zwei bis drei Künstler in ihren Ateliers. Mich verblüfft, wie viel strategisches Kalkül uns begegnet. Der Bohemekünstler, der in seinem privaten Kokon versponnen ist und in den Tag hinein lebt, ist ebenso ausgestorben wie der Politkünstler, der wie ein Gladiator öffentlich gegen wilde Bestien kämpft und mit seinem Blut den Sand befleckt. Man kann heute drei Sorten Künstler unterscheiden. Typ eins misst sich an seinen Zeitgenossen, Typ zwei an der Kunstgeschichte. Der Inbegriff von Typ zwei ist der in Berlin lebende Rumäne Adrian Ghenie. Er weiß so gut wie alles über die Größen der Kunstgeschichte, aber so gut wie nichts über die Celebrity-Künstler der Gegenwart. Der dritte Typ sind junge Leute, die den Markt studieren wie Investmentbanker an der Wall Street. Sie wollen Cash, so viel und so schnell wie möglich, und laufen mit gefälligen Werken dem Geld hinterher. Da sie keine künstlerische Mission haben, lässt es sie kalt, wenn man sie als Schoßhunde der Reichen und Mächtigen verspottet und ihre Arbeiten als bloßen Zierrat für Bungalows in Beverly Hills abtut. Die meisten von ihnen verglühen wie Leuchtraketen, aber einige müssen nach ihrem Ausflug in die Kunst nie wieder arbeiten.

Der Maler Markus Lüpertz meint, ein zweistelliger Millionenpreis sei für ein Kunstwerk der Todesstoß: »Wenn sich die Leute die Kunst von Gerhard Richter ansehen, denken sie nur noch an die hohen Summen.«
Lüpertz hat recht. Was etwas kostet, beeinflusst unterschwellig, was wir sehen. Bei Richter sehen viele keine Kunst, sondern Geldscheine. Dass Kunst so populär geworden ist, liegt auch daran, dass sie so teuer geworden ist. Siebenstellige Preise faszinieren Menschen. Man kann die Regel aufstellen: Je länger die Schlangen vor einem Museum, desto teurer die ausgestellten Bilder. Astronomische Preise haben aber auch ihr Gutes. Am Empfangstresen von Sotheby’s stand mal ein älteres Ehepaar mit einem Objekt, das es mit größter Sorgfalt verpackt hatte. »Ein Familienerbstück, das wir über alles lieben«, sagten sie. Als der hinzugerufene Sotheby’s-Experte so diplomatisch wie möglich zu verstehen gab, das Objekt habe keinen finanziellen Wert, waren die beiden nicht wiederzuerkennen. Dieselben Menschen, die das Objekt eben noch mit Sorgfalt und Liebe behandelt hatten, warfen es achtlos in den Karton zurück. Weil es keinen Geldwert hatte, war die Liebe verschwunden und das Objekt nicht länger würdig, geschützt zu werden. Seit diesem Augenöffner halte ich hohe Preise für einen Segen. Sie garantieren Pflege und Schutz der Kunst.

Wie viele Menschen gibt es, die für Kunst ein Vermögen ausgeben?
Der Kunstmarkt ähnelt einer Pyramide. Die Spitze bilden rund dreißig High Roller, die den Willen und die Mittel haben, für ein einzelnes Kunstwerk mehr als hundert Millionen Dollar auszugeben. Dazu kommen hundert bis 125 Personen, die fünfzig Millionen für ein Werk ausgeben. Bei Objekten für eine Million Dollar gibt es einige tausend Käufer. Den Fuß der Pyramide bilden 85 Millionen Menschen, die auf Ebay an Kunstversteigerungen teilnehmen. Um die Spitze der Pyramide muss sich niemand Sorgen machen: In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der Milliardäre verdoppelt, und ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung so weitergeht.

Unterscheiden Sie bei Kunstwerken zwischen Preis und Wert?
Ja, denn beides kann himmelweit auseinanderklaffen. Ich war 1973 in Avignon bei der letzten Picasso-Ausstellung, die Picasso noch selbst konzipiert hatte. Gezeigt wurden 201 Bilder, die er von September 1970 bis Juni 1972 gemalt hatte. Die Reaktionen der meisten Kritiker waren verheerend: Ein seniler alter Mann, peinlich, dass er überhaupt noch malt und diese Bilder auch noch auszustellen wagt! Heute gilt Picassos Spätwerk als ebenso bedeutend wie die Bilder aus seiner blauen Periode. Es gehört zur Faszination des Kunstmarktes zu beobachten, wie brutal und irrational sich der vorherrschende Geschmack wandelt. Wie in der Mode kann morgen das Gegenteil von heute gefragt sein.

Ein Bild von Martin Kippenberger trägt den schönen Titel Selbstjustiz durch Fehleinkäufe. Bei welchem Künstler lagen Sie total daneben?
Ich habe Ross Bleckner eine Weltkarriere vorausgesagt und vor dreißig Jahren Bilder von ihm gekauft. Heute sind sie weniger wert als damals. Seine Erfolgskurve verlief anfangs steil nach oben, aber 1995 zeigte das Guggenheim-Museum in New York eine Bleckner-Ausstellung, die schlecht zusammengestellt war. Eine Einzelschau in einem Topmuseum kann Sie in den Himmel oder in die Hölle befördern. Bleckners Marktwert hat sich von der schlampig gemachten Guggenheim-Schau nie wieder erholt.

Auf der Liste der reichsten Deutschen steht Gerhard Richter mit 500 Millionen Euro Vermögen auf Platz 269, Karl Lagerfeld mit 400 Millionen auf Platz 356. Wundert es Sie, dass man mit einem Pinsel reicher werden kann als der Chef eines Modeimperiums?
Nein, aber Sie vergessen, das Wichtigste zu erwähnen. Bei Richter und Lagerfeld war Geld keine Sekunde lang die Triebfeder, trotzdem sind beide Multimillionäre geworden. Das stimmt einen doch froh.

Larry Gagosian hat es vom Betreiber eines Postershops in Santa Monica zum weltweit mächtigsten Kunsthändler gebracht und setzt pro Jahr mehr als 900 Millionen Dollar um. Es heißt, wechselt ein Künstler zu Gagosian, steigen die Preise seiner Arbeiten um rund fünfzig Prozent.
Gagosian hat es geschafft, sich zu einer Marke zu machen wie Apple oder Porsche. Jemand hat ausgerechnet, dass 55 Prozent aller lebenden Künstler, die in Auktionskatalogen vertreten sind, bei ihm unter Vertrag stehen. Seine Machtstellung und Marktdominanz sind einmalig in der Geschichte der Kunst. Trotz seines kommerziellen Erfolgs geht er künstlerisch nie Kompromisse ein. Seine Kataloge sind optimal gemacht, jedem Künstler offeriert er die besten Bedingungen für Ausstellungen. Das bewundere ich. Kürzlich schwärmte mir ein Sammler von einem Maler vor. Der Name fiel ihm nicht ein, aber eins wusste er genau: »Er ist bei Gagosian!« Es klang wie eine magische Formel, mit der Stein zu Gold wird.

Niemand kauft mehr Kunst als die Herrscherfamilie von Katar. Der jährliche Etat für Ankäufe soll bei einer Milliarde Dollar liegen. Gelagert wird die Kunst in der Schweiz.
Die Museen, die in Katar entstehen, um diese Kunst zu zeigen, gehören zu den ambitioniertesten kulturellen Megaprojekten des 21. Jahrhunderts. In zehn, zwanzig Jahren wird Doha für Kunstliebhaber ein Muss sein wie Rom, Florenz oder Sankt Petersburg. Das 2008 eröffnete Museum für Islamische Kunst ist der erste Beweis für die Qualität der Architektur, die in Doha entsteht. Es ist meines Erachtens das schönste Gebäude, das I.M. Pei je entworfen hat. Geplant sind sieben bis acht dieser sensationellen Museen.

Die einflussreichste Frau in der Kunstwelt ist Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani, die 34 Jahre alte Schwester des Emirs von Katar. Sie entscheidet, welche Kunst gekauft wird. Welche Erfahrungen haben Sie mit ihr gemacht?
Sie ist eine Art Katharina von Medici in der Wüste. Sie kauft intelligent und mit einem extrem hohen Sinn für Qualität. Es wird eine Sensation sein, wenn das Publikum eines Tages zu sehen bekommt, was sie für Katar erworben hat. Mehr kann ich nicht sagen, weil sie auf extreme Diskretion besteht.

2012 haben Sie Ihre letzten Anteile an Phillips de Pury an den russischen Luxuskonzern Mercury verkauft, seit 2015 betreiben Sie mit Ihrer zweiten Frau die Firma de Pury de Pury. Was tun Sie?
Wir entdecken neue Künstler, beraten Klienten beim Aufbau einer Sammlung und führen Kunstauktionen im Internet durch. Wir brauchen nur noch Telefon und Computer und sind deshalb so frei wie nie zuvor in unserem Leben.

Das Kunstvolk betet das Rebellische und Subversive an, strotzt aber vor Konformität. Wollen Ihre Kunden nicht alle irgendwas von Gursky, Richter oder Koons haben?
Ich sage ihnen, sie tun sich keinen Gefallen, dieselbe Welle zu surfen wie tausend andere auch. Herdenverhalten verspricht weder Wertsteigerung noch Distinktionsgewinn. Wenn Sie Novize sind, eruiere ich als Erstes Ihren Geschmack. Wir gehen Kunstbücher durch, fahren zur Messe nach Basel oder Miami und finden heraus, auf was Sie ansprechen. Sobald ich weiß, wie Sie ticken, schlage ich Ihnen Werke zum Kauf vor, die ich für sehr gut halte und die in meinen Augen das Potenzial haben, im Wert zu steigen. Der größte Fehler von Anfängern ist, ein Bild mit den Ohren zu kaufen. Wichtiger als die Expertisen von Fachleuten ist, dass Sie Freude an einem Objekt haben. Dafür ist die Kunst schließlich da.

Sie sagen Künstlern wie Urs Fischer, Mark Bradford und Alex Israel eine goldene Zukunft voraus. Ist das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, weil Ihr Urteil auf dem Kunstmarkt Gewicht hat und Sie selbst als Käufer auftreten?
Da ist etwas dran. Wenn ich auf Instagram ein Foto eines Kunstwerks veröffentliche, gibt es bei Käufern eine Schwarmreaktion, und der Marktwert des Künstlers geht nach oben. Aus diesem Grund gibt es Künstler, die mich bitten, Fotos ihrer Arbeiten auf Instagram zu veröffentlichen. Meine Frau sagt, ich solle endlich aufhören, meine Lieblinge zu posten, denn dadurch werden sie so teuer, dass ich sie mir selbst nicht mehr leisten kann.

Übertreibt Ihre Frau?
Nein. Bei mir in der Nähe gibt es ein Restaurant mit dem Namen »Novikov«. Weil ich finde, dass die Bartheke des Lokals cool aussieht, habe ich sie fotografiert und das Bild auf Instagram veröffentlicht. Unter dem Foto stand #novikov. Daraufhin fragten mich eine Menge Leute, wo sie einen Novikov kaufen können.


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Sven Michaelsen

bat nach dem Gespräch im Londoner Haus von Simon de Pury darum, dessen Kunstsammlung sehen zu dürfen, zu der Werke von Pablo Picasso, Piotr Uklanski, Rashid Johnson, George Condo, Os Gêmeos, Takashi Murakami, Urs Fischer und Ai Weiwei gehören. Zu sehen bekam Michaelsen aber nur leere Wände: Wegen eines Wasserrohrbruchs waren alle Bilder in ein Lager gebracht worden.

  • Kunst

    »Es gibt keine richtige oder falsche Ästhetik«

    Jeff Koons will mit seiner Kunst so viele Menschen wie möglich ansprechen - und verlangt zugleich astronomische Preise dafür. Ein Gespräch über seine pornografische Kunst und die bewusstseinserweiternde Wirkung von Weißbier.

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    Kunst

    Tod und Verklärung

    Juliane Noack begann sich einen Namen als Schmuckkünstlerin zu machen, als sie beim Absturz der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren in Frankreich starb. Ihrem Erfolg tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil.

    Von Florian Zinnecker
  • Kunst

    »Wir wissen, dass die Europäer sich sehr auf die Bilder freuen«

    Im vergangenen Herbst porträtierte das SZ-Magazin den Hausmeister in Teheran, der jahrzehntelang die größte Sammlung moderner Kunst außerhalb des Westens hütete. Die bekanntesten Bilder sollten in Berlin gezeigt werden, dann kam der Verleih ins Stocken. Wir haben den Mann mit dem Schlüssel gefragt, ob er noch an das Projekt glaubt.

    Von Xifan Yang