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Vorgeknöpft: die Modekolumne 06. April 2017

Grüner wird's nicht

Von Maria Hunstig  Foto: Gettyimages / Franziska Krug

Leinenanzug, Gesundheitstreter, bunte Schnürsenkel – auch so kann man auf eine Filmpremiere gehen, wie der Schauspieler Christopher Maria Herbst zeigt.

Rote Schnürsenkel auf blauem Teppich – »mal was anderes«. Christoph Maria Herbst mit seiner Frau Gisi Herbst

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Ein frecher neuer Haarschnitt, ein pfiffiges Outfit, eine neckische Kette – es gibt gut gemeinte Reaktionen auf das Äußere, die einen selbst alarmieren sollten, noch einmal zum Friseur oder dem Kleiderschrank zurückzugehen. Genau solche Attribute sind es, die einem beim Schuhwerk von Christoph Maria Herbst in den Sinn kommen, mit dem der Schauspieler am Sonntag den blauen Teppich bei der Premiere von Die Schlümpfe - Das verlorene Dorf im Berliner Sony Center beschritt. Eine Art ergonomisch geformter Gesundheitsschuh, dem durch knallrote, asymmetrisch gebundene Schnürsenkel eine gewisse »Pfiffigkeit« verliehen wurde.

Immerhin passen die Latschen perfekt zu Herbsts restlichem Outfit, bestehend aus einem gemütlich zerknitterten, grauen Leinenanzug und einem offenstehenden Musterhemd mit zartem Brusthaar darunter – so kann man von der Premierenfeier schnurstracks zum Elternabend in den Waldorfkindergarten, zum Kreisverbandstreffen der Grünen oder wahlweise dem Jahrestreffen engagierter Kleinkünstler gehen.

Von Herbst weiß man, dass er überzeugter Veganer ist. Als Botschafter »grüner« Bekleidung macht er sich hier allerdings nicht besonders gut. Gibt es doch mittlerweile durchaus klassische Kunstlederschuhe und chice nachhaltige Bekleidungslabels, die nicht aussehen wie frisch aus dem Waschbärkatalog.

Oder ist alles ganz anders und er eifert dem über die letzten Jahre gereiften Trend der sogenannten »ugly shoes« nach? Nachdem Birkenstocks längst zur hippen Trend-Schlappe erkoren wurden, fanden zuletzt sogar Trekking-Sandalen den Weg in die Schuhschränke modisch Informierter. Und sogar die bisher vor allem von Kindern und Krankenschwestern geschätzten Kunststoff-Clogs von Crocs halten gerade in der Mode Einzug, nachdem der schottische Designer Christopher Kane bei seiner Schau im vergangen Herbst Crocs-Varianten in Pastelltönen auf dem Laufsteg zeigte. Zugegeben: Da fehlt auch Herbsts ulkigen Gesundheitstretern nicht viel zum neusten Schrei.

Doch wir vermuten hinter Herbsts Schuh- und Kleiderwahl etwas anders: Der Schauspieler möchte sich von den mit ihm so eng verbundenen Paraderollen loslösen. Auch wenn die letzte Staffel Stromberg längst gelaufen und auch der abschließende Film schon drei Jährchen her ist, bleibt Herbst für viele auf der ewig egozentrische Chef-Blender Bernd Stromberg. Um diese Assoziationen loszuwerden, positioniert er sich, auch modisch gesehen, möglichst weit davon weg: das Serien-Outfit aus graubraunem Standardanzug und 0815-Krawatte ist keine Option mehr, seit seinem Auftritt als Alfons Hatler in Der Wixxer sind auch Haifischkragen und Fliege für ihn gestorben.

Zur Schlümpfe-Premiere kommt Herbst also einfach als er selbst. Irgendwie erfrischend.

Wird getragen von: Grünen, Clownschülern, Waldorfkindergärtnern, Kleinkünstlern
Wird getragen mit: »Atomkraft-Nein-Danke«-Tasche, Dreadlocks
Das sagt die Freundin: »Rote Schnürsenkel – mal was anderes!«
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Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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