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Vorgeknöpft: die Modekolumne 20. April 2017

Und die Welt wird bunt

Von Silke Wichert  Foto: Rosalind O'Connor/NBC/NBCU Photo Bank via Getty Images

Wenn ein Ex-Boy-Band-Sänger im Hawaii-Hemd auftaucht, ist das üblicherweise nicht gut für sein Image. Anders bei Harry Styles – da ist es gut fürs Hemd. 



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Man darf mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass Harry Styles noch nie von Jürgen von der Lippe gehört hat. Erstens, weil der Ex-One-Direction-Sänger mit zarten 23 nur halb so alt ist wie der deutsche Fernsehmoderator. Zweitens, weil Styles erst in England zu Hause war und nun als Teenie-/Pop-Sensation viel Zeit in Los Angeles verbringt, was ziemlich weit weg vom Kreis Lippes ist. Beides dürfte in jedem Fall förderlich für Styles offensichtlichem Hang zu Hawaii-Shirts sein, die durch einen Popstar vielleicht auch hierzulande mal ihren »Lächerliches Hemd von diesem von der Lippe«-Dünkel verlieren.

Vergangenes Wochenende also stellte Styles (nein, kein Künstlername) seine erste Solo-Single bei »Saturday Night Live« vor. »Sign of the Times«, eine Piano-Ballade, die sofort auf Platz 1 der englischen Charts schoss. Dazu trug er einen karierten Anzug von, wie so oft, Gucci und Horsebit-Stiefel mit Regenbogen-Detail - Styles hat also generell einen Hang zum Plakativen, von der GQ wurde er unlängst zum »Prince of Prints« getauft. Off-Stage trug er dann ein Hawaii-Hemd von Saint Laurent, was für einen Jungen, der gerade versucht, sein Boyband-Image loszuwerden, eine interessante Wahl ist. Zum Vergleich: Zayn Malik, ebenfalls Ex-One-Direction-Sänger mit Solokarriere, trägt jetzt bevorzugt Lederjacken mit Nieten und Sweatshirst des Labels »Fear of God«. Subtext: Bin gar nicht so süß, wie ich früher immer getan habe, sondern kann auch krass düster.

Dem Hawaiihemd dagegen, obgleich es in den letzten Jahren von Labels wie Prada bis Ralph Lauren rehabilitiert wurde, haftet noch immer diese sympathische Leichtlebigkeit an, die neben Elvis vor allem Tom Selleck alias Thomas Magnum in der gleichnamigen Fernsehserie geprägt hat. Der Privatdetektiv trug in den Achtzigern entweder gar nichts am Oberkörper oder Karibikprint und kam damit, rückblickend, ziemlich prima durchs Leben. Wann, wenn nicht jetzt, müsste das Hawaiihemd also endgültig zum Massentrend werden? So ein bisschen halbironische gute Laune am Körper kann in diesen Zeiten ja keineswegs schaden.
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Bevor jetzt alle zu Saint Laurent, Paul Smith oder Humana rennen – natürlich kommt es auch auf die Art an, wie man dieses Muster trägt: Unten herum beispielsweise mit enger dunklen Jeans, oder etwas ähnlich auf-keinen-Fall-Strandtauglichem, um das Freizeithemd neu zu verorten. Boots statt Flip Flops helfen ebenfalls. Und natürlich ist auch eine Harry-Styles-Statur förderlicher als die von Homer Simpson, der ebenfalls zu seinen Trägern gehört. Zu viel Wölbung unter dem Palmenprint weckt unweigerlich Drink-mit-Schirmchen-Assoziationen, die außerhalb eines abgeschlossenen Karibik-Resorts wirklich niemand gebrauchen kann.

Harry Styles hat – bei genauerem Hinsehen, aber vor allem was seine Fangemeinde junger Frauen wie auch Männer angeht – übrigens durchaus das Zeug zum Leonardo-DiCaprio-Wiedergänger. Und was trägt der in Baz Luhrmanns »Romeo + Juliet« von 1996 noch mal und sieht darin zum Niederknien aus? Genau: ein Hawaii-Hemd.

Wird auch getragen von: Nick Nolte, Al Pacino
Typischer Instagram-Kommentar: Was hat dich nur so auf die Palme gebracht?
Passende Songs: Perfekte Welle, Surfin' USA, Can't Help Falling In Love
Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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