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Wild Wild West: Amerikakolumne 18. Mai 2017

Faltenfrei dank Nacktschnecken und Nachtigallen-Dreck

Von Michaela Haas  Foto: Yelloj/Fotolia.de

Fünf ebenso exklusive wie bescheuerte Schönheitstipps von Hollywood-Stars für den ultimativen Beach-Body.

Hat auch diese Strandbesucherin abgestorbene Fettzellen von Nacktschnecken abknabbern lassen, so wie es die Schauspielerin Ayda Fields empfiehlt?
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Zu allererst muss ich bekennen: Es ist mir auch diesen Sommer wieder nicht gelungen, meinen Körper rechtzeitig vor der Badesaison in einen kalifornischen Beach-Body zu verwandeln. Im Sommer zeigen sich ja leider wieder alle Sünden: Jede Stunde, die ich nicht im Fitness-Studio war, jedes Croissant mit Schokofüllung, jeder Tag, den ich vornübergebeugt am Laptop sitzend verbrachte statt auf dem Rennrad, all das schlägt nun in der Bikini-Phase Wellen, und zwar auf meinem Bauch und meinen Oberschenkeln. Wäre ich jetzt in Deutschland, wäre das zwar bedauerlich, aber ich würde das Schicksal mit fast allen anderen Frauen in meinem Alter teilen. Da würde ich mir am Ammersee keinen Kopp drum machen.

In Amerika aber, vor allem in Kalifornien, sind diese Sünden keine Sünden, sondern Verbrechen. Und zwar so schwerwiegende, dass sie mit umgehender Folter geahndet werden müssen. 91 Prozent aller Frauen hassen ihren Körper, habe ich gelesen, aber in Los Angeles, davon bin ich überzeugt, sind es 100 Prozent.

In meiner implantatlosen Brust schlägt mein Herz für Naturbelassenes, trotzdem würde ich gerne so knackig bleiben wie der genmanipulierte Apfel Arctic Golden Delicious, der nie schrumpelt. Nur eben auf biologisch-dynamische Art. Gott sei Dank stehen mir Prominente mit Rat und Tat zur Seite, damit auch ich Normal-Frau runzelfrei auftreten kann. Und zwar, jetzt kommt's, wie die Natur mich schuf. Denn weil auch die A-Lister nicht zugeben, dass sie ihre Oscar-prämierten Körper chirurgisch rundumoptimieren ließen, verkünden sie stattdessen die neuesten Rezepte, wie man ganz natürlich jung/schön/glatt bleiben oder werden kann. Hier exklusiv die fünf überzeugendsten Geheimtipps:

1. Bienengift
Schauspielerin Gwyneth Paltrow gibt nicht zu, dass sie ihre Stirn mit Gift glättet, sondern behauptet, sie lasse sich von Bienen stechen: »Api-Therapie ist Tausende von Jahren alt, und Menschen nutzen sie, um Entzündungen oder Narben zu heilen«, erzählte die blasse Bienenkönigin der New York Times. »Die Vorteile sind ziemlich unglaublich, wenn man das mal recherchiert.« Ja, ziemlich unglaublich, in der Tat. Die Bienen können von Multipler Sklerose bis zu Arthritis alles heilen und das Immunsystem sowie die Haut nicht ganz schmerzfrei, aber natürlich verjüngen. Vanity Fair spekulierte gar, auch Kate Middletons makelloser Prinzessinnen-Teint werde durch Facials mit Bienengift gebleicht. Nebenwirkungen? Gwyneth Paltrow warnt: »Aber Mann, tut das weh!«

2. Kaffeesatz
Noch besser finde ich den Rat von Supermodel Naomi Campbell, sich regelmäßig Kaffeesatz in Klarsichtfolie um die Oberschenkel und den Hintern zu wickeln und damit etwa 30 Minuten zu entspannen. Das helfe gegen Cellulite, sagt sie. Sie hat keine, also muss das stimmen. Aber Achtung, es ist sehr wichtig, dafür keinen Instant-Kaffee zu nehmen, sondern guten Espresso!
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3. Uguiso no fun
Victoria Beckham schwört auf Ausscheidungen der Nachtigall, speziell von der japanischen Insel Kyushu. Die Exkremente werden in Facials zur Entgiftung und Reinigung eingesetzt. Auf deutsch würde ich das vulgär als »Vogelmist« übersetzen, aber auf japanisch hört sich das viel eleganter an: »Uguiso no fun« heisst wörtlich Nachtigall-Ausscheidung, klingt aber auch verdächtig nach: Kein Spaß!

4. Nacktschnecken
Der größte Trend, das habe ich exklusiv von Schauspielerin Ayda Fields erfahren, sind Nacktschnecken. Ist ein Geheimtipp aus Thailand. Wer dann einige Helix Aspersa Muller (zu deutsch: braune Nacktschnecken) über das Gesicht gleiten und sich von ihnen die abgestorbenen Hautzellen abknabbern lässt, wird sich durch den Schneckenschleim eines glatteren Teints erfreuen. Bonus: Die Nachbarn freuen sich, dass ich ihnen die Plage aus dem Garten klaue.

5. Rotwein
Zu jedem Sommerurlaub gehört Rotwein, der Trick besteht aber laut Schauspielerinnen Teri Thatcher und Jessica Simpson darin, den Traubensaft nicht mit Trinken zu vergeuden, sondern ihn ins Badewasser zu gießen. Der Wein helfe der »Zellerneuerung«, mache die Haut seidig und bringe sie zum »Leuchten«, verriet Hatcher dem einschlägigen Branchenguide Wikitricks. Da habe ich nun jahrelang den Merlot falsch angewandt, nämlich oral! Aber es ist nicht zu spät, den Schaden wieder gut zu machen.

Das Schöne ist ja, dass all diese Hilfsmittel bereits in einem normalen Bade-Urlaub quasi von Natur aus inbegriffen sind und man sich dafür noch nicht einmal körperlich anstrengen muss. Selbst Wenigverdiener, die sich Victoria Beckhams 300-Dollar-Facials nicht leisten können, können die Billig-Variante in der freien Natur genießen. Nacktschnecken gibt es schließlich an jedem Baggersee, und auch am Meer ist nun klar, warum man nach drei Tagen Strandurlaub drei Jahre jünger aussieht: Vogeldreck kommt gratis von oben (tut's auch Möwe?), Espresso (den schütte ich mir nun eben über die Oberschenkel) und Mückenstiche (Low-Budget-Bienen) gibt es ohnehin in allen sonnigen Gefilden im Übermaß. Den Tag lasse ich dann mit einem guten Cabernet ausklingen, von dem ich ein Tröpfchen ins Badewasser gebe. Spätestens beim dritten Glas macht es dann keinen Unterschied mehr, wohin Victoria Beckham ihren Mist reibt. Dann leuchte ich nämlich von innen!
Michela Haas

deutsche Journalistin und Autorin in der Nähe von Los Angeles, wird ständig gefragt: »Was ist denn bloß in Amerika los?« Seit ein politisch völlig unerfahrener Egomane mit wilden Sprüchen in das höchste Amt der Welt aufgestiegen ist, wundern sich viele Deutsche über die Weltmacht. Deshalb schreibt Michaela Haas in der Kolumne »Wild Wild West« über die Macken und Tücken, die Amerika einzigartig machen. Zum selben Thema ist gerade ihr Buch »Crazy America: Eine Liebeserklärung an ein durchgeknalltes Land« (Goldmann Verlag) erschienen.