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Nackte Zahlen: Sexkolumne 23. Mai 2017

Warum Radfahrer den besseren Sex haben

Von Till Raether  Illustration: Laura Graves

Radeln macht impotent? Das haben Wissenschaftler jetzt widerlegt. Und herausgefunden, dass Radler besseren Sex haben als andere Sportler – trotz der hässlichen Helme. Die Gründe sind offensichtlich.

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Wissenschaftler der amerikanischen Urologen-Vereinigung haben gute Nachrichten für Radfahrerinnen und Radfahrer. Bisher dachte man zum Beispiel, Radfahren würde das Risiko von erektilen Dysfunktionen und Harnwegsinfekten erhöhen. Aber das stimmt gar nicht: Radfahrer haben nicht signifikant mehr urologische Probleme als andere. Noch aufsehenerregender ist jedoch: Radfahrerin und Radfahrer haben den besseren Sex. Diese Erkenntnis wird jeden überraschen, der schon einmal in einem Fahrradladen ein Streitgespräch über Ritzelwartung anhören musste, und jeden, der den Verfasser dieser Zeilen mit Fahrradhelm gesehen hat.

Für ihre Untersuchung befragten die Urologinnen und Urologen 4000 Männer und knapp 3000 Frauen, von denen die meisten Radfahrer waren, die anderen Schwimmer und Läufer. Frauen und Männer, die viel Rad fahren, empfinden ihr Sexleben demnach statistisch als deutlich besser, als Läufer und Schwimmer dies tun.

Die Urologen haben keine Erklärung hierfür. Wir schon.

Radfahrern ist nichts peinlich
Zu gutem Sex gehört ein gutes Körpergefühl, und das bedeutet: im Reinen sein mit dem, was man hat und was man ist, nicht damit hadern, wie man aussieht. Radfahrer gehen hier täglich durch eine harte Schule, sie leben nach der Devise: Einen schönen Menschen kann nichts entstellen. Radfahrern ist nichts peinlich. Sie schnallen sich Fahrradklammern um die Hosenbeine und vergessen sie dort den Tag über, sie hängen sich Regencapes um, in denen sich Pfützen bilden, ihre Accessoires sind abnehmbare Gepäcktaschen und neonfarbene Sattelüberzüge, und ihr einziger Körperschmuck ist der durch Schutzblech-Verzicht erzeugte Zierstreifen in Schlammoptik in der Rückenmitte. Wer so unterwegs ist und dabei noch eine gewisse Zufriedenheit empfindet, kennt auch beim Sex keine falsche Scham.

Radfahrer kommen immer ans Ziel

Zu gutem Sex gehört weiterhin, eine gewisse Fähigkeit zum Fokussieren, das Talent, die Umwelt ausblenden und sich ganz auf die eigenen Bedürfnisse und die der Partnerin oder des Partners konzentrieren zu können. Diese Fähigkeit lernen Radfahrer tagtäglich: Sie kennen sich mit Hindernissen aus und damit, wie man sich nicht von ihnen beirren lässt. Fehlende Radwege, scheinbare Radwege, ehemalige Radwege, zugeparkte Radwege, Fußgänger auf dem Radwege, rote Ampeln, andere Radfahrer, Einbahnstraßen und so weiter - wer sich davon nicht entmutigen lässt und dennoch ans Ziel kommt, wird sich auch beim Sex nicht so leicht verunsichern lassen.
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Radfahrer sind tabulos
Wichtig für guten Sex ist ferner eine gewisse Experimentierfreude, also die Fähigkeit, sich nicht in Routinen zu verlieren, sondern Neuem aufgeschlossen gegenüberzustehen. Radfahrer sind in dieser Hinsicht im Vorteil, denn sie sind absolut tabulos und im übrigen auch großzügig, eine weitere wichtige Voraussetzung für guten Sex. Jedesmal, wenn jemand kommt und ihnen etwas völlig Abseitiges vorschlägt, rufen sie Hurra! und Warum nicht? Statt auf guten Wegen und möglichst nicht bergauf zu fahren, macht doch mal das Gegenteil und bezahlt das Doppelte für das Rad! Geht klar. Statt Errungenschaften wie Gangschaltung, Freilauf und Bremse zu genießen, lasst doch einfach mal alles weg und zahlt das Doppelte für das Rad! Ist gebongt. Statt mit dünnen Reifen die Reibungsverluste zu minimieren, fahrt doch mal mühsam mit super breiten Reifen und zahlt das Doppelte für das Rad! Super, wird gemacht. Wer so offen für Neues ist, wird sich auch beim Sex nicht langweilen.

Die hier präsentierten Forschungsergebnisse gelten nicht für Fahrerinnen und Fahrer von Bierbikes und E-Bikes.

Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.