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Liebe Lieblingsfrau: Die Singlekolumne 19. Juli 2017

Ich kann's nicht erwarten, mich in dich zu verlieben

Von Michalis Pantelouris  Foto: Stephanie Pfaender

Auf dem Heimweg von einer Hochzeit überkam unseren Kolumnisten ein unerwartetes Gefühl. Das erleichtert vieles. Und dann führt er auch noch eine merkwürdige Liste. Letzte Folge der Kolumne.



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Liebe zukünftige Lieblingsfrau,

du kannst nicht wissen, wie wichtig du bist. Der Gedanke, dass du irgendwo herumläufst und nicht weißt, dass ich an dich denke, lässt mich manchmal lächeln. Es gibt dich, das weiß ich, und deshalb gibt es auch uns. Ich weiß nicht, wann genau, aber es gibt uns. Und das heißt nicht, dass auf einen Schlag alles einfach wird, aber es ist richtig, und deshalb ist es auch gut: wild und intensiv und wahr, und das ist alles, was ich will. Die Wahl im Leben ist ja nicht die zwischen einfach und schwierig, sie ist die zwischen einfach und echt.

Du hast mir geholfen, zukünftige Lieblingsfrau, ohne dass du es wissen konntest. Mit dem hier zum Beispiel, diesen Briefen, dem Schreiben. Ich konnte das nicht mehr, weil mein Kopf besetzt war, übertönt von meinem schmerzenden Herz, was doppelt schwierig war, weil ich nicht nur vom Schreiben lebe, sondern oft erst weiß, was ich denke, wenn ich es aufgeschrieben habe. Du machst, dass ich wieder schreibe. Du hast mir meinen Kopf zurückgegeben. Und meinem Herz eine Richtung, in die es rennen kann.

Ich habe getanzt auf einer Hochzeit am Wochenende, die halbe Nacht, und zwei Freunde gefeiert, die sich entschieden haben, dieses ganz schön schwierige Leben gemeinsam zu gehen. Du erkennst echte Freunde daran, dass ihr Glück dich glücklich macht und du auf ihrer Hochzeit tanzt, als wolltest du den Wind fangen.

Frühmorgens, im Zug zurück nach Hause, während vor dem Fenster dunkle, unwirtliche Orte vorbei rauschten, hatte ich für einen Moment ein Gefühl, das ich schon so lange nicht mehr gespürt habe: Dankbarkeit. Dafür, dass alles ist, wie es ist. Dass ich vielleicht nicht weiß, was kommt, aber erlebe, dass etwas ist. Es war nur ein Moment, natürlich, und es gibt auch andere, aber die Dankbarkeit war echt. Ich muss nicht alles in meiner Vergangenheit mögen, aber sie hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Und für diesen flüchtigen Augenblick, gleichzeitig still sitzend und reisend zwischen dem was war und dem was kommt, war alles in Ordnung, so wie es war.

Liebe zukünftige Lieblingsfrau, dieser hier ist der letzte Brief, den ich dir schreibe. Zumindest der letzte, bevor ich weiß, wer du bist. Bevor ich einen Namen auf den Umschlag schreiben kann und eine Adresse, oder ihn dir unter das Kopfkissen legen, damit du ihn findest, wenn du dich nach einem langen Tag hinlegst und mich vielleicht vermisst.

Das heißt nicht, dass ich nicht an dich denke, denn das tue ich, wahrscheinlich sogar eher zu viel als zu wenig. Ich vermisse dich schließlich jeden Tag. Ich sammle die Dinge, die ich dir sagen will: Dass Städte cooler aussähen, wenn alle Autos dieselbe Farbe hätten; dass ich finde, Online-Händler sollten, damit jemand die ganzen Pakete entgegennehmen kann, mit arbeitslos gewordenen Einzelhändlern eine Renaissance der Concierges in Mietshäusern einleiten. Und dass ich dich liebe, so sehr, dass ich manchmal heimlich die Faust ballen muss, um vor Energie nicht zu platzen.

Irgendwann sag ich es dir. Wenn du nicht mehr zukünftig bist, Lieblingsfrau, sondern ganz und gar jetzt.

Sollte dir bis dahin manchmal plötzlich warm werden, obwohl die Sonne hinter einer Wolke verschwindet und die Stadt mal wieder voller kalter Herzen ist, dann kann es sein, dass ich das bin, der gerade an dich denkt. Daran, wie es sein wird, dich zu küssen; dich zu halten und nie wieder loszulassen. Und wir zu sein.

Danke.
Für dich.

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Am 4. Oktober erscheint Michalis Pantelouris' von den Kolumnen inspiriertes Buch »Liebe zukünftige Lieblingsfrau« im Kein&Aber-Verlag.
Michalis Pantelouris

Der deutsch-griechische Journalist lebt in Hamburg, und die Hälfte seiner Zeit verbringt er mit sehr jungen Frauen: Seine Töchter sind, seitdem seine Frau sich von ihm getrennt hat, nur noch jede zweite Woche bei ihm. In den anderen Wochen hat er begonnen, sich auch wieder mit etwas älteren Frauen zu beschäftigen – was zwölf Jahre nach dem letzten Date gar nicht so einfach ist, wie es sein sollte.