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aus Heft 30/2017 Sommer

Mit dem Strom schwimmen

Von Lars Reichardt  Foto: Alex Voyer

Immer mehr Menschen bleiben zum Baden in der Stadt - und immer mehr Städte renaturieren dafür ihre Flüsse.

Man kann in Paris auch vom flachen Ufer in die Seine springen - aber dann schauen weniger Menschen zu.


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Baden verboten: Das gilt auf allen Bundesverkehrswegen. Dazu zählen die großen deutschen Flüsse. Sie gehören dem Bund, und der trägt dafür Sorge, dass vor allem der Verkehr fließt. Doch zwei Brüder machen sich seit zwanzig Jahren Gedanken, wie man das Verbot in Berlin aushebeln könnte und man im Spreekanal wieder schwimmen darf. So wie in Bern, wo das älteste Flussbad Europas entstand, das Wasser trinkbar ist und die Leute sich im Sommer um die Altstadt treiben lassen. So wie in Basel, wo der Rhein durch die Stadt fließt und Büroangestellte ihre Kleider in einem wasserfesten Sack verschließen, ins Wasser springen und sich in Büronähe wieder schreibtischfein machen.

Vor hundert Jahren hat das letzte Flussbad in Berlin geschlossen, zu dreckig wurde die Brühe. Bis heute fließt die Kloake in den Fluss, wenn die Auffangbecken nach einem Regenguss überflutet werden. Die Kanalisation mit genügend Rückhaltebecken zu modernisieren, wird noch Jahre dauern – zu lange für Tim und Jan Edler, die Brüder. Die gelernten Architekten gründeten den Verein Flussbad, um den Spreekanal wenigstens auf einem kleinen Stück zu renaturieren. Um schneller wieder baden zu dürfen. Längs der Museumsinsel soll das neue Flussbad entstehen, mit Umkleidekabinen, Toiletten und Duschen, mit Kleidersäcken nach dem Schweizer Vorbild, mit Steinstufen ins Wasser von der Liegefläche im Lustgarten, mit einem Kiesfilter vor der kleinen Sportschleuse an der Schlossbrücke und mit Schilf, damit der Kies nicht verschlickt.

Weltweit werden die großen Stadtflüsse gerade als öffentlicher Raum und Erholungsgebiet wiederentdeckt. München hat Berlin bei der Renaturierung schon überholt. Paris lässt für die Olympischen Spiele, die es 2024 auszurichten hofft, einen ganzen Flussabschnitt zum Bad »L’auberge de la Seine« erklären. New York hat einen schwimmenden Swimmingpool konstruiert, in Form eines riesigen Kreuzes. Wo genau er auf dem Hudson schwimmen wird, ist noch nicht klar. Nur dass man für den Pool nicht das bakterienverseuchte Flusswasser verwenden kann. Auch London, Kopenhagen und Brüssel machen ihre Flüsse wieder badefein. Vertreter verschiedener Städte treffen sich regelmäßig zum Austausch in Berlin.

Und einmal im Jahr lädt der Verein Flussbad zum großen Volksschwimmen. Dann werden der Spreekanal für den Verkehr geschlossen, das Wasser auf Keimfreiheit untersucht und Hunderte Schwimmer unter dem Jubel der Zuschauer einmal durch den Kupfergraben an der Museumsinsel geschickt. In diesem Jahr fiel das Rennen ins Wasser: Dauerregen ließ die Kanalisation übertreten.

HOTELS ZUM FLUSSBADEN

AARE
Bern
»Grandhotel Bellevue Palace«,
Tel. 0041/31/3204545,
DZ ab 430 Euro,
bellevue-palace.ch/de
Mit Terrasse zum Fluss

ELBE
Hamburg
»Strandhotel Blankenese«,
Tel. 040/861344,
DZ ab 120 Euro,
strandhotel-blankenese.de
An einem Abschnitt des Elbstrandes, wo man schwimmen kann

LIMMAT
Zürich
»Hotel Helvetia«,
Tel. 0041/44/2979999,
DZ ab 225 Euro,
hotel-helvetia.ch
Dieses Hotel liegt an der Sihl. Darin darf man nicht baden, aber in der Limmat - und die Sihl trifft ganz in Hotelnähe auf die Limmat

RHEIN
Basel
»Hotel Krafft«,
Tel. 0041/61/6909130,
DZ ab 100 Euro,
krafftbasel.ch
Direkt am Rheinufer gelegen. Hermann Hesse schrieb in diesem Hotel den Steppenwolf

SEINE Paris
»Holiday Inn Express« Canal de la Villette,
Tel. 0033/1/44650101,
DZ ab 90 Euro, etwa über booking.com
Der Canal de la Villette grenzt an das Hotelgelände, schwimmen geht man im danebenliegenden Bassain de la Villette

SPREE
Berlin
»Monbijou Hotel«,
Tel. 030/61620300,
DZ ab 80 Euro,
monbijouhotel.com
Quer durch den Monbijou-Park, schon ist man auf der für 2018 geplanten Liegewiese an der Spree

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