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Nackte Zahlen: Sexkolumne 31. Juli 2017

So gelingt der Sex im Urlaub

Von Till Raether  Illustration: Eugenia Loli

Angeblich hat ein Viertel aller Paare in den Ferien mehr Sex als sonst. Wie kriegen die das hin?

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Eine Umfrage hat ergeben, dass 24 Prozent aller Deutschen, die in einer Beziehung leben, im Urlaub mehr Sex haben als zu Hause. Dies berichtet das Erotiknachrichtenportal Welt N24. Aus dem Kontext geht hervor, dass eindeutig nicht gemeint ist, die in einer Beziehung lebenden Befragten würden alleine verreisen und hätten deshalb im Urlaub mehr Sex als sonst. Es geht um gemeinsam verreisende Paare. Eine Blitzumfrage unter befreundeten Sexkolumnistinnen ergab, dass diese hohe Prozentzahl an reisebedingtem Sexzuwachs von uns für »total abwegig« gehalten wird. Reisen sind im allgemeinen mit räumlicher Enge, sehr hohen Temperaturen, leichten Lebensmittelvergiftungen, unbequemen Betten und hereinlatschenden minderjährigen Familienmitgliedern verbunden. Was ist das Geheimnis der 24 Prozent, die diesen widrigen Umständen Sex abtrotzen? Wie schafft man es, im Urlaub mehr Sex zu haben als zu Hause?

Der Statistik-Trick

Die einfachste Erklärung ist: Bei den 24 Prozent handelt es sich um Paare, die zu Hause gar keinen Sex haben. Im Alltag keinen Sex zu haben, ist eine unter Paaren verbreitete und bewährte Energiesparmaßnahme. Wenn man sich dann einen Beischlaf pro Jahresurlaub vornimmt, kann man bei derlei Umfragen natürlich leicht sagen, man hätte im Urlaub mehr Sex als sonst.

Der Tablet-Trick
Paare, die mit Kindern reisen, müssen diese Kinder von sich ablenken, um einmal 19 Minuten Ruhe zu haben (die derzeit aktuelle statistisch ermittelte durchschnittliche Sexdauer). Hierfür wurden von sexhungrigen Eltern aus dem Silicon Valley das Tablet und das Smartphone erfunden. Denken Sie also bitte nächstes Mal daran, wenn Sie am Hotelpool auf den Liegen ein paar unbeaufsichtigte Kinder sehen, die sich über Bildschirme beugen: Deren Eltern haben gerade Sex.
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Der Stimmungs-Trick

Manche Paare schwören auf die erotisierende Wirkung einer fremden Umgebung. Schon der verheißungsvolle »Bitte nicht stören!«-Aufdruck auf dem Klinkenhänger versetzt diese Ausnahmepaare in Stimmung, von der standardmäßigen Edelbordell-Beleuchtung moderner Hotelzimmer ganz zu schweigen. Die meisten Paare aber scheitern schon daran, in Hotelzimmern die Lichtschalter zu finden oder ihre Körper unter die extrem straff gespannte Decken-Lake-Konstruktion zu bekommen. Vermutlich wird deshalb in Hotels so viel gestohlen: aus sexueller Frustration. Der Trick ist daher, möglichst viele Utensilien von zu Hause mitzubringen, um sich die fremde Umgebung vertrauter zu machen. Von zu Hause mitgeführte vertraute Kopfkissen, Kuscheldecken und Nachttischutensilien machen nach unserer Schätzung 24 Prozent des Airline-Übergepäcks aus.

Der Mental-Trick
Erfahrene Paare motivieren sich im Urlaub zu mehr Sex, indem sie diesen als sportliche und logistische Herausforderung sehen und annehmen: Das wäre doch gelacht, wenn wir uns von dieser Isomatte/diesem Bettwanzenbefall/dieser Hotelrenovierung/dieser Wehrsportgruppe im Nachbarzelt am Urlaubssex hindern lassen würden! Man erkennt diese Paare an Funktionskleidung, geschicktem Vordrängeln am Frühstücksbuffet und an den wundgescheuerten Knien vom steinigen Campingplatzboden.

Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.