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aus Heft 10/2008 München/Lokales

München braucht einen neuen Konzertsaal!

Johannes Waechter 

Ein Plädoyer.

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Vielleicht muss man bis ans andere Ende der Welt fahren, um zu erkennen, dass Mariss Jansons nicht verrückt ist. Und dass München tatsächlich noch einen dritten Konzertsaal für klassische Musik vertragen könnte. Seit Jahren klagt Jansons, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, über die schlechte Akustik im Gasteig und im Herkulessaal, oftmals unter Verweis auf die hervorragen-den Säle in Japan. Als der Maestro im vergangenen Herbst mit seinem Orchester nach Fernost reiste, bot sich die Gelegenheit, seine Worte zu überprüfen. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war schon oft in Japan, die Konzerte der vorvorigen Tournee wurden von japanischen Kritikern zu den besten des Jahres 2005 gewählt.

Es gilt also, einen Ruf zu verteidigen, als die Musiker in Tokios Suntory Hall zusammenkommen, wo im Foyer ein in Stein gemeißelter Brief Herbert von Karajans hängt: Der legendäre Dirigent lobt den Klang der Halle und berichtet von der »großen Freude«, die ihm sein Konzert bereitet habe. Mariss Jansons, einst Schüler Karajans, läuft während der Probe im Saal umher, um zu ermitteln, wie sich die 1. Sinfonie von Johannes Brahms auf den hinteren Plätzen anhören wird. »Der Saal ist wie ein Instrument«, sagt Jansons. »Wenn ein Geiger eine schlechte Geige hat, ist er unzufrieden. Dasselbe gilt für ein Orchester, das in einem schlechten Saal spielen muss. Aber die Suntory Hall ist ein sehr guter Saal – einer der besten der Welt.«

Vom besonderen Ort beflügelt, spielt das Orchester ein Konzert, das ein japanischer Kritiker unmittelbar danach als »Sternstunde der Musik« bezeichnet. Und der Klarinettist Werner Mittelbach erklärt, was die besondere Akustik der Suntory Hall ausmacht: »Dort hört man die Kollegen so, wie man sie hören muss. Und man hört sich selbst so, wie man sich hören muss. Man hört das ganze Orchester, aber auch die einzelnen instrumentalen Stimmen – wie Adern, die den Gesamtklang durchziehen. Brahms’ 1. Sinfonie habe ich bestimmt schon fünfzigmal gespielt, aber hier höre ich noch Neues.«

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Im Gasteig denkt man, das eigene Instrument sei kaputt, weil es so komisch klingt«)
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