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bedeckt München
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Nackte Zahlen: Sexkolumne 14. August 2017

Bitte kein Sex im Kinderzimmer

Von Alena Schröder  Illustration: Eugenia Loli

Viele vermieten ihre Wohnung derzeit über AirBnB und fahren selbst in den Urlaub. Doch was ist, wenn die Gäste Sex haben wollen? Wie und vor allem wo dürfen sie es tun? Anweisungen einer besorgten Vermieterin.

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Lieber AirBnB-Gast, herzlich willkommen in meiner Wohnung. Während Du durch deinen Aufenthalt in meiner zentrumsnahen Stadtwohnung meinen Urlaub an einem Mittelmeerstrand finanzierst, sollst Du Dich natürlich so wohl wie möglich fühlen. Dennoch möchte ich Dir für den Fall, dass Du planst, in meiner Wohnung Sex zu haben, einige Handlungsanweisungen mitgeben: Das Schlafzimmer ist ausgestattet mit einem großen Doppelbett, dennoch möchte ich Dich bitten, hier keinen Sex zu haben. Hier habe nur ich Sex. Ende der Diskussion. Sollte Dich dennoch das Bedürfnis nach Sex überkommen, bedenke, dass in dieses Bett schon viele Liter Körperflüssigkeiten aller Art geflossen sind, neben den üblichen Sex-relevanten auch jede Menge Babykotze und Muttermilch. Diese Vorstellung sollte Dich ausreichend abschrecken.

Eine theoretische Ausweichmöglichkeit bietet die Küche, allerdings ist die Waschmaschine ziemlich alt, eventuelle Schäden durch unsachgemäßen Gebrauch werde ich Dir in Rechnung stellen. Das gleiche gilt für den Küchentisch, den ich von meiner geliebten Großmutter geerbt habe und der schon bedenklich wackelt. Bitte stelle Dir einfach meine Oma vor, wie sie an diesem Tisch gesessen, Lord-Zigaretten geraucht und Kreuzworträtsel gelöst hat, sollte Dich das Bedürfnis überkommen, hier auf meinem Küchentisch Sex zu haben. Ihr Geist schwebt noch immer über diesem Küchenmöbel und sieht Dir zu, bei allem, was Du hier tust.
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Das Badezimmer verbietet sich augrund seiner geringen Größe ohnehin für sexuelle Aktivitäten zu zweit. Solltest Du unter der Dusche mal Hand anlegen wollen, sei es Dir gegönnt, falls Dich das Arsenal an Quietsche-Enten und Kinderbadezubehör nicht stört.

Apropos Kinder: Denk nicht mal daran, die liebevoll dekorierten Kinderzimmer für irgendwelche Schweinerein zu nutzen. Die Ritterburg-Hochbetten und der hochflorige Biobaumwollteppich mögen auf Dich vielleicht einladend wirken, ich schwöre aber, Dir höchstpersönlich ein lebenslang unkündbares Bussi-Bär-Abo und eine satte Runde Noroviren an den Hals zu zaubern, sollte ich nach Deiner Abreise in diesen Räumen auch nur den leisesten Resthauch sexueller Aktivität wahrnehmen (glaub mir, eine Mutter spürt so etwas!).

Wenn Du es Dir gar nicht verkneifen kannst, während deines Aufenthalts in meiner Wohnung Sex zu haben, dann nutze bitte das Wohnzimmer. Ja, ganz recht, da liegt ein künstliches Bärenfell auf dem Fußboden, bei Bedarf kannst Du auf meinem Fernseher auch die Kaminfeuer-Dauerschleife anstellen. Nein, es gibt hier keine Gardinen und ja, die Nachbarn von der anderen Straßenseite haben einen guten Blick auf alles, was Du hier treibst. Bitte achte auf attraktive Sexualpartner und eine angemessen ausdrucksstarke und abwechslungsreiche Performance, um meinen Ruf in der Nachbarschaft nicht zu ruinieren. Das Bärenfell ist ein Geschenk von meinem Ex, Du kannst es nach Deinem Aufenthalt hier gern als Erinnerung mitnehmen oder im Hausmüll entsorgen.

Bitte achte bei der Entsorgung von Verhütungsmitteln auf die Mülltrennung. Einen wunderbaren Aufenthalt wünscht Dir: Deine AirBnB-Gastgeberin
Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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