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Nackte Zahlen: Sexkolumne 23. September 2017

Wo geht's lang?

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Bei einer Umfrage hat die Hälfte der befragten Männer die Vagina nicht auf einer Schautafel gefunden. Zuerst wunderte sich unsere Autorin, doch irgendwie kann sie das Ergebnis auch verstehen.


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Eine britische Krebsvorsorge-Intitiative hat 2000 erwachsene Männer gebeten, auf einer anatomischen Schautafel die Vagina zu lokalisieren. Schockierenderweise war die Hälfte von ihnen dazu nicht in der Lage. Wer jetzt glaubt, dies läge vor allem an der Ignoranz der Männer, dem sei gesagt, dass einige Monate zuvor einer repräsentativen Anzahl erwachsener Frauen die gleiche Aufgabe gestellt wurde. Auch hier war fast die Hälfte der Befragten nicht in der Lage, auf einer Schautafel den korrekten Sitz der Vagina zu zeigen.

Wie kann das sein?

Frauen sind komplexe Wesen mit noch komplexeren Körpern, da verwundert es nicht, dass viele Menschen die Orientierung verlieren. Das liegt zum einen daran, dass die Komplexität der weiblichen Fortpflanzungs- und Sexualorgane sich auch in den Bezeichnungen ihrer Einzelteile widerspiegelt. Vagina, Klitoris, Vulva - alles fremd klingende Wörter mit mehreren Silben, die man leicht durcheinander schmeißt. Wohltuend einsilbig und deskriptiv sind dagegen Wörter wie »Schwanz« und »Sack«. Dazu kommt, dass die Vagina in den letzten Monaten zwar eine große mediale Präsenz erfahren hat, dies jedoch in anatomisch verwirrender Art und Weise. Hier sind die Frauen möglicherweise mitschuldig, die im Winter in pinken Pussymützen ihrem Ärger über Donald Trump Luft gemacht haben. Was ein Akt weiblicher Solidarität und Ermächtigung sein sollte, mag viele Menschen irritiert haben. Zum einen, weil die Pussymützen wirklich nur mit sehr viel Phantasie wie eine »Pussy« aussehen und zweitens, weil der Kopf bei Frauen zwar tatsächlich eine sehr wichtige erogene Zone, jedoch nicht im anatomischen Sinne Sitz der Vagina ist.
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Das Bedürfnis, die Vagina aus ihrem Schattendasein zu befreien und sie mit symbolischer Bedeutung aufzuladen treibt mitunter bizarre Blüten, wie etwa der neueste Trend im Bereich der Nagelkosmetik zeigt: Immer mehr Frauen lassen sich sogenannte «Vagina Nails« modellieren, auch rautenförmige »Vagina-Ketten« als Modeschmuck werden immer beliebter. Problematisch ist nur, dass es sich bei all diesen optischen Darstellungen der Vagina streng genommen gar nicht um eine Vagina handelt, sondern um eine Vulva. Auch die angeblich gerade schwer in Mode gekommene »Designer-Vagina«, also die chirurgische Anpassung der Schamlippen an ein absurdes Schönheitsideal, meint eben nicht die schlauchförmige Verbindung zwischen Muttermund und Scheidenvorhof. Tatsächlich eignet sich die Vagina optisch kaum als Modeaccessoire, jedenfalls werden Schlauchschals bislang nicht als »Pussy-Loops« vermarktet und Penne nicht als »Vagina-Nudeln«. Die Vulva, also der äußerlich sichtbare Teil der weiblichen Geschlechtsorgane, ist für die weibliche Lust von entscheidender Bedeutung, umso fataler ist es, dass so oft über Vaginen und so selten über Vulven gesprochen und dann auch noch beides miteinander verwechselt wird. Wenn wir schon offener und positiver über den weiblichen Körper und weibliche Sexualität sprechen, dann wäre eine gewisse Präzision bei der Verwendung der Begrifflichkeiten auf jeden Fall wünschenswert.

Bevor wir uns also lustig machen über die verklemmten Briten, die zu dusslig sind, um auf einem anatomischen Schaubild die Vagina zu finden, sollten wir tief in uns gehen und uns fragen, ob wir wirklich präziser hätten antworten können als »irgendwo da unten«.

Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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