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Gesellschaft/Leben 22. September 2017

»Um genauso ernst genommen zu werden, muss man mehr leisten«

Von Thomas Bärnthaler  Foto: Andy Kania c/o brigitta-horvat.com

Wenn es um Vorurteile geht, haben die homosexuellen Politiker Volker Beck und Jens Spahn ähnliche Erfahrungen gemacht. Bei anderen Themen könnte ihre Meinung nicht stärker auseinanderklaffen. Ein Streitgespräch.


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Volker Beck (Grüne) hat fast sein halbes politisches Leben der Ehe für alle geopfert, der fast 20 Jahre jüngere Jens Spahn (CDU) würde auch gerne seinen Partner heiraten dürfen, das hat er nie verheimlicht. Problem ist, dass er in seiner Partei damit sehr alleine steht. Die Frage war also: Ist der Kampf um die Gleichstellung Homosexueller in Deutschland mit der Ehe für alle nun beendet? Ist es noch eine Hypothek, schwul zu sein? Und warum können sich zwei Wertkonservative wie der scheidende Linke Beck und der aufstrebende Rechte Spahn, in dieser Frage einigen, während sie sich bei fast allen anderen Themen in die Haare kriegen?

Auch der Ausgangspunkt für dieses Doppelgespräch war ein Twitter-Zoff zwischen den beiden Politikern im Mai diesen Jahres. Beck warf Spahn in der Leitkulturdebatte Antisemitismus vor, weil dieser in einem Interview gesagt hatte, er wolle »ausschließen, dass es Leute gibt, die Frauen als minderwertig behandeln.« Spahn nannte dabei explizit auch orthodoxe Juden. Es ging dann ein paar Mal giftig hin und her.

Schnell war klar, dass da zwei Weltbilder aufeinanderprallten – und zwei Vollblutpolitiker, die sich in herzlicher Antipathie verbunden sind. Warum beiden also nicht mehr Raum geben als die paar telegrammartigen Sätze, die bei Twitter erlaubt sind? Zumal ein anderes großes Thema Beck und Spahn, beide homosexuell, wieder miteinander verband – der Durchbruch für die Ehe für alle. Ausgelöst durch ein paar verstolperte Sätze von Angela Merkel in einer Talkshow.

Das Gespräch fand Anfang September im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags statt. Spahn legte beim Reinkommen sein Jackett ab, krempelte angriffslustig die Ärmel hoch. Beck saß schon da, verschmitzt lächelnd, und schenkte sich Wasser ein. Man kennt und duzt sich. Und doch hat man den Eindruck, da sind zwei, die was auszutragen haben. Und sich drauf freuen.

Froh sind beide, dass Schwule und Lesben nun auch in der Ehe rechtlich gleichgestellt sind, doch Vorbehalten und Vorurteilen sehen sich beide nach wie vor ausgesetzt. Beim Einkaufen werde ihm schon mal »Schwanzlutscher« hinterhergerufen, sagt Spahn. Gewalt habe er, anders als Beck, noch nicht erfahren. Beck wiederum hat sein Schwulsein immer als »Hindernis und Sprungbrett zugleich« gesehen. Über dieses Thema sei er schließlich überhaupt erst in die Politik gekommen. Vorurteile und Diskriminierung habe Beck aber auch in seiner Partei, den Grünen, erlebt. »So locker und leger wir auch rüberkommen.«

Beim Thema Leitkultur wird das Gespräch hitzig – und auch in anderen Fragen unterscheidet sich die Meinung der beiden grundlegend.

Lesen Sie das Streitgespräch jetzt mit SZ Plus:


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