Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 20°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 39/2017 Ein Interview ohne Worte

Sagen Sie jetzt nichts, Timo Boll

Fotos: Dominik Asbach

Der beste deutsche Tischtennisspieler Timo Boll im Interview ohne Worte über seinen legendären Status in China, Doping im Profisport und Fair-Play.



Anzeige
Geboren
8. März 1981 in Erbach
Beruf Tischtennisspieler
Ausbildung Mittlere Reife
Status Kellenkünstler

Tischtennis ist ein Sport, den der durchschnittliche deutsche Fernsehzuschauer nur für ein paar Sekunden wahrnimmt, wenn er nach 22 Uhr beim Zappen auf Eurosport landet: keine eventhaft inszenierten Weltmeisterschaften, keine Klatschmeldungen, keine Dachverband-Skandale, nicht einmal Hooligans. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele nicht wissen, was für eine Spitzenposition Deutschland in diesem Sport einnimmt – verkörpert durch einen Mann, der so unscheinbar wirkt wie seine Disziplin: Timo Boll, Sechster der Weltrangliste. Er könnte unbehelligt über den Berliner Alexanderplatz laufen, aber in China kann er praktisch nicht vors Hotelzimmer gehen. In dem Land spielen sechzig Millionen Menschen Tischtennis, und Boll ist dort nicht nur ein Superstar, sondern auch ein Angstgegner. Boll sei ein Gegner aller 1,4 Milliarden Chinesen, hat der chinesische Nationaltrainer über ihn gesagt: »Solange er spielt, werde ich nicht ruhig schlafen können.« Bolls Charakter ist allerdings ganz und gar nicht furchteinflößend. Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Schanghai hat er den Schiedsrichter korrigiert – zu seinen Ungunsten. Er verlor das Spiel, schied aus und stand ein paar Tage später doch auf dem Podest. In der Hand hielt er den Fair-Play-Pokal.

Anzeige