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Wortewandel: Sprachkolumne 29. September 2017

Ausgerechnet Jamaika

Von CUS  Foto iStock/enigma images Illustration: Nathan Nankervis

Regierungsverhandlungen sind ein Klacks gegen das Ringen um die Aussprache von Jamaika. Und weil unser Autor schon mal in der Karibik ist – die DomRep ist eigentlich auch etwas ganz Besonderes. 


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Jamaika
, ausgerechnet Jamaika! Für kaum einen Ländernamen haben wir so viele verschiedene Aussprachen. Ja-meika oder doch eher die englische Version Dschameika? Die Vokale sprechen wir meist deutsch aus, selbst wenn wir englisch anfangen: Dscha-mei-ka. Man könnte ja auch englisch fortfahren, dann wäre es etwa Dschämäikah. Sie sehen, dagegen sind Koalitionsverhandlungen ein Klacks. Und weil wir schon mal in der Karibik sind: Dort liegt das einzige Land, das wir zwar abkürzen, aber nicht mit einzelnen Buchstaben wie USA oder DDR, sondern mit zwei verkürzten Wörtern. Welches Land mag das sein? Dom Rep natürlich, die Dominikanische Republik. Einzigartig auf der Welt!
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Guckste wohl, ganz so auf sich gestellt ist das Land nicht: Denn wie steht es mit dem Bundesland Meck-Pomm, der Heimat der Kanzlerin? Womit wir wieder bei Jamaika wären. Jamaika ließe sich vermeiden, wenn nochmal die GroKo anträte. Auch das eine der doppelten Kürzungen wie Meck-Pomm. Ebenso Kita, Kripo, Schiri, Sadomaso, Stabi, Trafo.

Viel häufiger begegnen uns einfache Kurzwörter wie Abi, Auto, Bus, Dino, Foto, Promi, Schland, Touri, Uni. Fast immer behalten diese Wörter das ursprüngliche Geschlecht der Langversion bei, also der Akku(mulator), der Perso(nalausweis), der Soli(daritätszuschlag), das Super(benzin).

Das klappt jedoch nicht immer: das Foto, aber die Fotografie. Das Kino, aber der (na was, hm?) ... Kinematograph. Der Infekt, aber die Infektion. Das Gel, aber die Gelatine. Das Fitness(studio) macht die Fitness platt. Das Radio, von das Radiogerät, wurde im Bairischen zu der Radio, von der Radioapparat. Die Lok verändert ihren Vokal – aus dem langen o in Lokomotive wird ein kurzes o wie in locken. Sie teilt ihr Schicksal mit Proll von Prolet.

Das kürzeste der Kurzwörter ist OP: ein Kurzwort, das wir wie eine Abkürzung aussprechen und auch wie eine Abkürzung schreiben. Obendrein mit Geschlechtsumwandlung: Die OP(eration) und
der OP(erationssaal). Der Gipfel der Seltsamkeit ist der umgekehrte Fall. Ein Lieblingswort, nicht weil es so appetitlich wäre, sondern weil dieser Fall nun wirklich einmalig ist. Und weil Lieblinge es halt oft machen. Jeder kennt das Wort. Es steht als normales Stichwort im Duden und ist in der alphabetischen Reihe sogar das erste Wort deutscher Zunge. Nicht gekürzt und trotzdem wie eine Abkürzung ausgesprochen: Aa. Sorry, aber das machen die kleinen Racker nun mal. Und haben sich damit im Duden auf Seite 1 vorgedruckst.

Rar sind gekürzte Adjektive. Die allermeisten kamen erst in den letzten Jahrzehnten auf uns: bi, depri, hetero, öko, proll, retro, stereo. Kurios ist der Zoo, gekürzt und zum Nomen erhoben aus dem zoologischen Garten.

Was aber war das wirklich Großartige an der GroKo? Sie vermählt ein gekürztes Adjektiv (große) mit einem Nomen (Koalition). Ich kenne kein anderes gängiges Beispiel. Halt, stimmt nicht: Die Dom Rep natürlich. Womit wir endgültig den Bogen zu Jamaika geschlagen hätten.

Man kann überhaupt nur in zwei Ländern auf Erden Urlaub im Dativ machen. Wenn wir mal rein amtlich gebrauchte Bezeichnungen wie Französische Republik für Frankreich vergessen. Eine eigene Dativform gibt es nur beim Urlaub in der Dominikanischen Republik und in den Niederlanden. Hundertpro.
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