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Politik 01. Februar 2018

»Es hat mich stärker und entschlossener gemacht«

Fotos: dpa; Julia Sellmann

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena, wurde beide mit Messern angegriffen. Wie wird man mit so einem Attentat fertig und welche Folgen hat es?

Henriette Reker (links), Oberbürgermeisterin von Köln, wurde im Oktober 2015 Opfer eines Attentäters. Andreas Hollstein wurde im November 2017 in Altena niedergestochen, wo er seit 1999 Bürgermeister ist.
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»Sind Sie der Bürgermeister?« Wenige Sekunden, nachdem Andreas Hollstein diese Frage gehört hatte, stach ein Mann mit einem Messer auf ihn ein. Hollstein wehrte sich, drückte den Arm des Angreifers weg. Das Messer verletzte ihn trotzdem am Hals. Hollstein ist seit 1999 Bürgermeister der Stadt Altena in Nordrhein-Westfalen.

Das Attentat auf ihn ist noch nicht lange her: November 2017. Es erinnerte daran, was zwei Jahre zuvor der heutigen Oberbürgermeisterin von Köln passiert war. Henriette Reker, damals OB-Kandidatin, machte auf einem Marktplatz Wahlkampf, als sie von einem Mann mit einem Messer angegriffen wurde. Sie lag 14 Minuten blutend auf dem Boden, bevor der Krankenwagen eintraf, während dieser Zeit kompressierte sie die Wunde selbst. »Meine größte Sorge war, dass mir jemand Hilfe aufnötigt, der keine Ahnung hat«, sagt sie.

Hollstein und Reker wurden von ihren Tätern ganz bewusst als Opfer ausgewählt, weil sie – in den Augen der Täter – für eine Willkommenskultur in der Flüchtlingspolitik stehen.

Als wir Andreas Hollstein und Henriette Reker für unser Doppelgespräch anfragen, scheint es so, als hätten beide darauf gewartet, sich einmal persönlich kennenzulernen. Reker habe ihn nach dem Angriff angerufen, erzählt Hollstein im Vorgespräch. Dies sei eine wichtige, prägende Unterhaltungen für ihn gewesen.

Das Interview findet Anfang Januar 2018 in Köln statt, in Rekers Amtszimmer im Rathaus. Draußen stürmt es. Reker und Hollstein wollen erstmal unter vier Augen miteinander reden. Man spürt, dass die beiden eine persönliche Ebene finden, die untypisch bei Politikern ist.

In den folgenden anderthalb Stunden sprechen die beiden darüber, wie man mit so einem Angriff fertig wird – und welche Folgen, auch überraschende, ein Attentat haben kann. »Es hat mich stärker und entschlossener gemacht«, sagt Reker. Beide wissen: Als Bürgermeister darfst du nicht ängstlich werden, weil das »Kuscheln mit Bürger« (Hollstein) zum Amt gehört. Mit Blick auf den Täter sagt Reker: „Es reicht nicht aus, Entschuldigung zu sagen.«

Reker und Hollstein nehmen aber auch die gesellschaftlichen Ursachen in den Blick: Wer hat die Wut der Täter angetrieben? Wer trägt die geistige Verantwortung? Und wie könnte es gelingen, das vergiftete Klima in der Flüchtlingsdebatte wieder abzukühlen?

Lesen Sie das komplette Interview jetzt mit SZ Plus.




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