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aus Heft 17/2008 Stil leben Noch keine Kommentare

»Ich hasse Angebergärten«

Alain Baraton herrscht über ein riesiges Reich perfekter Winkel und blühender Pracht, aber eigentlich mag er die romantischen Ecken am liebsten. Ein Interview mit dem Chefgärtner von Versailles.

Von Charlotte Seeling (Interview) 



SZ-Magazin: Herr Baraton, Sie sind seit 32 Jahren Gärtner des Schlossgartens von Versailles. Genießen Sie immer noch die Aussicht?

Alain Baraton:
Ich habe das Glück, dass ich auf der einen Seite das grandiose Schloss vor Augen habe, andererseits aber mit Blick auf Wiesen fast ländlich lebe.
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Ländlich? Sie leben in dem Pavillon, den Molière unter Louis XIV. bewohnte.

Versailles ist ein einfacher Ort! Direkt ums Schloss herum ist es natürlich weniger schlicht, aber ansonsten ist der Park ganz simpel angelegt, Blumen, Rosen, Büsche, Grünflächen – sehr gepflegt, aber schlicht.



Sie haben mal gesagt, Sie seien erst an dem Tag geboren, als Sie nach Versailles kamen, da waren Sie immerhin schon 19 Jahre alt.

So habe ich es empfunden. Ich komme aus einer Familie mit sieben Kindern; ich war weder der Älteste noch der Jüngste, so wie ich in der Schule weder der Beste noch der Schlechteste war – das heißt, ich war niemand, ich wurde nicht wahrgenommen.



Bis Sie Gärtner wurden. Was hat Sie zu diesem Beruf hingezogen?

Ein Gärtner gärtnert. Das ist, wie schon Voltaire sagte, der edelste Beruf der Welt.



In China gibt es ein Sprichwort: »›Das ist mein Garten‹, sagte der reiche Mann – und sein Gärtner lächelte.« Fühlen Sie ähnlich, ist Versailles eigentlich Ihr Park?

Ich weiß, dass ich ihn nicht besitze, aber ich fühle mich verantwortlich, als wären es meine Bäume.



(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Es heißt, Sie hätten geweint, als der große Sturm von 1999 den Park verwüstet und mehr als 18000 Bäume zerstört hat")

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