»Wir fanden eine überraschend klare Verbindung zwischen Geschlechterverhalten in der Kindheit und der späteren sexuellen Orientierung«, sagt Kenneth Zucker, Psychiater aus Toronto. Vermeintliche Klischees wurden in etlichen Untersuchungen bestätigt: Schwule erinnern sich mehrheitlich daran, nur selten gerauft und an Wettkampfsportarten teilgenommen zu haben, dafür spielten sie lieber mit Mädchen oder Puppen und verkleideten sich gern. Lesbische Frauen sagen, sie hätten sich weniger für Schmuck oder »Vater-Mutter-Spiele« interessiert und dafür lieber mit Jungs herumgetobt. Eine Studie begleitete über Jahre hinweg 66 sogenannte Sissy-Boys, Jungen im Alter von vier bis zehn Jahren, die sich besonders deutlich wie Mädchen benahmen. In der Vergleichsgruppe waren 56 Jungen, die so spielten, wie es eher für Jungs typisch ist.
Das Ergebnis: 75 Prozent der »Sissy-Boys« wurden schwul, in der Vergleichsgruppe nur ein Einziger. Vermutlich findet die Entwicklung unserer sexuellen Orientierung bereits im Mutterleib statt, organisiert von Sexualhormonen wie Testosteron, Androgen und Östrogen. In Tierversuchen mit Ratten lässt sich das sogar beweisen: Weibchen, die im Mutterleib zu viel des männlichen Hormons Androgen bekommen, sind aggressiver und besteigen in der Pubertät ihre Artgenossinnen. Männchen, deren Androgenzufuhr gekappt wird, spielen weniger kämpferisch und bieten sich später anderen Männchen mit erhobenem Hinterteil an. Eine seltene Stoffwechselkrankheit zeigt, dass Hormone bei Menschen ähnlich wirken: Frauen mit Androgenitalem Syndrom sind vorgeburtlich zu vielen männlichen Hormonen ausgesetzt. Diese Frauen werden wesentlich öfter homosexuell. Und tatsächlich weiß man seit kurzem, dass lesbische Frauen im Schnitt mehr Testosteron im Blut haben als heterosexuelle Frauen.
Das lässt zumindest die Vermutung zu, dass »schwule« Gehirne eher weiblich organisiert sind. Bestärkt wird diese Theorie durch Tierversuche mit Ratten und Schafböcken. Letztere sind übrigens zu erstaunlichen zehn Prozent ausschließlich homosexuell interessiert. Männliche Rattenembryos konnten durch Hormonmanipulation sogar gesteuert werden: weniger männliche Hormone, kleineres INAH 3-Areal, homosexuell. Was nicht gelang – aus einer schwulen Ratte nach der Geburt wieder eine Hetero-Ratte zu machen. Abseits aller Hormone, Gene, Zwischenhirnareale und Toleranz sind schwule Schafböcke für ihren Züchter höchst ärgerlich. Immerhin weigern sie sich, für Nachwuchs zu sorgen. Die Frage drängt sich auf: Warum gibt die Natur seit Jahrtausenden eine scheinbar nutzlose Anlage weiter?
Die Wissenschaft ist sich einig: Es muss einen evolutionsbiologischen Grund geben. Bisher wurde viel über schwule altruistische Onkel spekuliert oder über Gruppenspannungen, die, wie bei den Bonobo-Affen, durch körperliche Akte befriedet werden. Ein italienischer Forscher fand nun heraus, dass Mütter von Schwulen und ihre Tanten mütterlicherseits deutlich mehr Kinder zur Welt bringen. Er vermutet, dass dieselben genetischen Eigenschaften, die bei Männern zur Homosexualität führen können, Frauen fruchtbarer machen. Das würde erklären, wie die »rosa« Gene vererbt werden: über die Mutter. Außerdem wäre der vermeintliche Evolutionsnachteil aufgehoben. Umfragen besagen, dass Menschen weniger Vorurteile gegen Schwule haben, wenn sie Homosexualität für biologisch begründet halten. Trotzdem sehen die Schwulenverbände die Suche nach den Ursachen kritisch. Axel Blumenthal vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland: »Was kommt denn, wenn wir genau wissen, warum Menschen homosexuell werden? Doch die Frage, wie man es verhindern kann!«
Das Ergebnis: 75 Prozent der »Sissy-Boys« wurden schwul, in der Vergleichsgruppe nur ein Einziger. Vermutlich findet die Entwicklung unserer sexuellen Orientierung bereits im Mutterleib statt, organisiert von Sexualhormonen wie Testosteron, Androgen und Östrogen. In Tierversuchen mit Ratten lässt sich das sogar beweisen: Weibchen, die im Mutterleib zu viel des männlichen Hormons Androgen bekommen, sind aggressiver und besteigen in der Pubertät ihre Artgenossinnen. Männchen, deren Androgenzufuhr gekappt wird, spielen weniger kämpferisch und bieten sich später anderen Männchen mit erhobenem Hinterteil an. Eine seltene Stoffwechselkrankheit zeigt, dass Hormone bei Menschen ähnlich wirken: Frauen mit Androgenitalem Syndrom sind vorgeburtlich zu vielen männlichen Hormonen ausgesetzt. Diese Frauen werden wesentlich öfter homosexuell. Und tatsächlich weiß man seit kurzem, dass lesbische Frauen im Schnitt mehr Testosteron im Blut haben als heterosexuelle Frauen.
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Nur: Schwule Männer unterscheiden sich in Hormonstudien kaum von heterosexuellen. Deswegen geht man davon aus, dass der Ursprung der Homosexualität bei Männern und Frauen etwas verschieden ist. Vorgeburtliche Hormone spielen bei Frauen offensichtlich eine größere Rolle, bei Männern scheinen die Gene wichtiger zu sein. Mittlerweile weiß man, dass die sexuelle Vorliebe im Gehirn abgespeichert wird, wahrscheinlich in einem kleinen Kernbereich im Zwischenhirn, dem sogenannten INAH 3-Areal. Dieses Areal ist bei Männern etwa dreimal so groß wie bei Frauen, man nimmt an, weil Sexualhormone unser Gehirn im Mutterleib unterschiedlich beeinflussen. Erstmals trug der amerikanische Neurobiologe Simon LeVay diese Idee an die Öffentlichkeit. Er verglich schon 1991 das INAH 3-Areal von Schwulen und Heterosexuellen und stellte fest, dass der Bereich bei Homosexuellen in etwa die Größe hat, wie man sie bei Frauen erwarten würde.
Das lässt zumindest die Vermutung zu, dass »schwule« Gehirne eher weiblich organisiert sind. Bestärkt wird diese Theorie durch Tierversuche mit Ratten und Schafböcken. Letztere sind übrigens zu erstaunlichen zehn Prozent ausschließlich homosexuell interessiert. Männliche Rattenembryos konnten durch Hormonmanipulation sogar gesteuert werden: weniger männliche Hormone, kleineres INAH 3-Areal, homosexuell. Was nicht gelang – aus einer schwulen Ratte nach der Geburt wieder eine Hetero-Ratte zu machen. Abseits aller Hormone, Gene, Zwischenhirnareale und Toleranz sind schwule Schafböcke für ihren Züchter höchst ärgerlich. Immerhin weigern sie sich, für Nachwuchs zu sorgen. Die Frage drängt sich auf: Warum gibt die Natur seit Jahrtausenden eine scheinbar nutzlose Anlage weiter?
Die Wissenschaft ist sich einig: Es muss einen evolutionsbiologischen Grund geben. Bisher wurde viel über schwule altruistische Onkel spekuliert oder über Gruppenspannungen, die, wie bei den Bonobo-Affen, durch körperliche Akte befriedet werden. Ein italienischer Forscher fand nun heraus, dass Mütter von Schwulen und ihre Tanten mütterlicherseits deutlich mehr Kinder zur Welt bringen. Er vermutet, dass dieselben genetischen Eigenschaften, die bei Männern zur Homosexualität führen können, Frauen fruchtbarer machen. Das würde erklären, wie die »rosa« Gene vererbt werden: über die Mutter. Außerdem wäre der vermeintliche Evolutionsnachteil aufgehoben. Umfragen besagen, dass Menschen weniger Vorurteile gegen Schwule haben, wenn sie Homosexualität für biologisch begründet halten. Trotzdem sehen die Schwulenverbände die Suche nach den Ursachen kritisch. Axel Blumenthal vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland: »Was kommt denn, wenn wir genau wissen, warum Menschen homosexuell werden? Doch die Frage, wie man es verhindern kann!«
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