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aus Heft 19/2008 Technik Noch keine Kommentare

Schön zu hören

Mit edlen Stereoanlagen ist Amar Gopal Bose Milliardär geworden. Was er über den Beruf des Erfinders zu sagen hat, klingt natürlich hervorragend.

Von Johannes Waechter 



SZ-Magazin: Herr Dr. Bose, was war Ihre erste Erfindung?
Amar Gopal Bose:
Sie meinen, mein erstes Patent?

Nicht unbedingt. Ich möchte wissen, wann Sie zum ersten Mal das Gefühl hatten, ganz allein ein technisches Problem gelöst zu haben.
Hm, ich glaube, das war mit sechs. Ich hatte eine Modelleisenbahn und habe mich gefragt, wie ich es anstellen kann, dass die Weiche automatisch umspringt, wenn ein Zug kommt. Ich habe damals sogar von solchen Dingen geträumt. Und tatsächlich ist mir eine Lösung eingefallen.
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Ein ungewöhnlicher Zeitvertreib für einen kleinen Jungen.
Ich habe mich schon immer für Elektrotechnik interessiert. Mit zwei habe ich einen Schraubenzieher in eine Steckdose gebohrt. Gott sei Dank hatte sie nur 110 Volt Spannung, sonst säßen wir jetzt nicht hier. Mit 13 habe ich angefangen, Radios zu reparieren. Das war 1943, die meisten Techniker waren beim Militär. Also habe ich im Keller meines Elternhauses in Philadelphia eine Werkstatt eingerichtet. Der Bedarf war riesig, ich hatte jede Menge zu tun.

Hat Ihnen jemand gezeigt, wie man so etwas macht?
Nein. Erstaunlicherweise konnte ich es einfach. Ein paar Jahre später habe ich mir aus Restbeständen der US-Armee sogar einen Fernseher gebaut. Die Bildröhre kam von einem Radargerät, sie war fast einen Meter lang. Als Netztrafo benutzte ich den Leistungswandler eines Ölofens. Das war das erste Fernsehgerät in ganz Philadelphia!

War es schon früh Ihr Ziel, das renommierte Massachusetts Institute of Technology zu besuchen?
Mein Vater kam aus Indien, und ich denke, je weiter man von den USA weg ist, desto mehr Glanz bekommen Namen wie Harvard oder MIT. Tatsächlich habe ich mich 1947, nach der Highschool, nirgendwo anders beworben. Das war sehr leichtsinnig: Wegen der ganzen Soldaten, die damals das Militär verließen, gab es in diesem Jahr doppelt so viele Bewerber wie sonst. Ich bin gerade noch reingerutscht.

Woran haben Sie geforscht?
Ich habe Elektrotechnik studiert. Ich habe zwar gern Musik gehört, hatte dafür jedoch kaum Zeit – das MIT war damals eine rechte Schufterei. 1956 habe ich meine Doktorarbeit fertiggestellt und wollte mir zur Belohnung eine Hi-Fi-Anlage zulegen. Ich habe Testberichte gelesen und schließlich das Gerät gekauft, das die besten Messdaten hatte. Aber als ich es zu Hause aufgestellt und einige Platten mit Violin-Musik abgespielt habe, war ich extrem enttäuscht. Das klang überhaupt nicht nach einer echten Geige! Damals dachte ich, dass die Technik all unsere Probleme lösen kann. Doch obwohl die technischen Daten meiner Anlage hervorragend waren, klang sie nicht richtig.

Da schlug Ihre Stunde, oder?
Genau! Ich habe einen Sommer lang auf eigene Faust im Akustik-Labor des MIT geforscht. Als ich kurz darauf Professor wurde, habe ich weiter geforscht. Mein erstes Patent war ein Ergebnis dieser Untersuchungen. Ich bekam es 1958 für den »sphärischen Lautsprecher«, der keinen Tieftöner und keinen Hochtöner hatte, sondern aktive Frequenzkurven-Entzerrung. Meine erste echte Erfindung.

Herr Bose, jetzt müssen Sie uns erklären: Wie erfindet man etwas?
In den Naturwissenschaften basiert alles auf logischem Denken. Nun hat sich aber gezeigt, dass Erfindungen eine Dimension haben, die in keiner Weise rational ist. Die meisten bahnbrechenden Ideen stehen keineswegs am Ende einer langen, logisch aufgebauten Gedankenkette: Solche Ideen überkommen dich ganz plötzlich, wie ein Blitz. Danach muss man hart arbeiten und all sein Wissen aufbieten, um herauszufinden, ob die Idee sinnvoll ist oder nicht.

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