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aus Heft 28/2008 Gesellschaft/Leben 9 Kommentare

Eine Liebe auf dem Land

Das Bild von Tyler Ziegel ging um die Welt: Ein Attentat im Irak hatte das Gesicht des US-Marines bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Seine Freundin Renee heiratete ihn trotzdem. 15 Monate später haben die beiden sich scheiden lassen. Die Geschichte zweier Menschen, die einfach noch zu jung waren für ihr Schicksal.

Von Ariel Leve, Mitarbeit: Lars Jensen  Foto: Nina Berman




Das Märchen geht so: Sie sind ein junges Liebespaar und leben in Metamora, einer kleinen Stadt in Illinois, im Mittleren Westen Amerikas. Er macht seinen Schulabschluss, geht zu den US-Marines, wird in den Irak abkommandiert. Als er zurückkehrt, verloben sie sich. Er macht ihr einen Heiratsantrag, bevor er das zweite Mal in den Irak zieht. Sie ist 18; er 21. Sie wartet sehnsüchtig darauf, dass er nach Hause kommt.
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Seine Dienstzeit endet vorzeitig. In der Nähe seines Truppenfahrzeugs hat sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Der junge Soldat erleidet fürchterliche Verletzungen. Am nächsten Tag liegt er im Brooke Army Medical Center in San Antonio in Texas. Sie verlässt zum ersten Mal im Leben ihre Heimatstadt und eilt mit seiner Mutter an sein Krankenbett. Seine körperlichen Schäden sind enorm.

Er muss mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Sie weicht nicht von seiner Seite, eineinhalb Jahre lang, bis sie nach Hause können. Ihre Heimkehr gleicht einem Triumphzug. Er ist ein Held, sie seine Heldin. Ihre Beziehung scheint unerschütterlich, sie beflügelt die Menschen, sie gibt ihnen Mut. Die beiden heiraten. Sie ist 21, er 24. Das Datum ihrer Hochzeit, der 7. Oktober 2006, wird in Illinois zu einem Feiertag erklärt, zum »Renee & Tyler Ziegel Day«.
Doch das Glück dauert nicht lange. Im Januar 2008 lassen die beiden sich scheiden. Die Menschen reagieren geschockt, ungläubig, gekränkt. Als wäre ihnen ein Happy End versprochen worden, um das man sie nun betrogen hat.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Es stehen immer noch viele gerahmte Fotos aus der Zeit vor dem Sprengstoffattentat herum, auf denen die beiden lachen und sich zärtlich ansehen.)

Kommentare

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Kommentar:

  • Iris Hiller (1) Hallo Herr Ritter, hallo Herr Kaiser,
    da kann ich Ihnen nur zustimmen! Niemand von denen, die sich über die Qualität des Artikels, Scheidungsgründe (für solche Fragen
    gibts doch die GALA) oder " wer entscheidet eigentlich, was für diese beiden Menschen ein happy end ist?" aufregen, muss sich mit dieser unvorstellbaren Situation selbst auseinander setzen. Mir scheint, da werden Nebenschauplätze aufgemacht, um die es gar nicht geht.
    Wissen wir es wirklich besser? den Unterton in manchen Beiträgen empfinde ich als anmaßend und selbstgerecht.
  • Tappy (1) Hallo Herr Kaiser,

    da haben Sie mich falsch verstanden. Von prinzipiell kann keine Rede sein. Das Schicksal Tylers ist schrecklich. In einem Umfeld allerdings, in dem die Sorge um genug Viagra eine solche Rolle spielt, der Partner durchgängig betäubt ist und die Beteiligten in diesem Alter sind, erscheint mir die Eheschließung weniger das Ergebnis der großen Liebe als vielmehr das Ergebnis eines Sichverpflichtetfühlens.
  • Eberhard Ritter (2) Ich bin überrascht über die Kommentare. Es ist eine Geschichte über Missbrauch und Gewalt, Gewalt auf ganz verschiedenen Ebenen, und eine Geschichte über eine Liebe, die keine Chance hatte. Eine solche Geschichte über Missbrauch auch in den Medien ist doch nicht selbst ein ein Akt von Missbrauch. Der Text bewahrt immer die Achtung vor den Opfern. Die Geschichte ist sehr stark und sehr gut.
  • Leo Kaiser (1) Lese ich hier erntshaft die Forderung, dass die amerikanischen Medien ausgiebig über die Scheidung hätten berichten müssen (also nicht nur "eine Spalte")? Und der Gouverneur wird kritisiert, weil er "nicht mal einen Brief" geschrieben hat? Ich weiß natürlich nicht, was sich die Autoren im Falle ihrer Scheidung wünschen, aber ich würde auf Medienöffentlichkeit und breite Anteilnahme vermutlich gerne verzichten.

    Ich finde es auch geschmacklos, dass die Geschichte dieses Paares überhaupt als politische Rechtfertigung missbraucht wird. Zunächst haben die konservativen Medien aus dem großen Glück, dass manche Freundschaft größer ist als die Leiden des Krieges eine politische Apologie gestrickt. Und nun instrumentalisieren linksliberale Medien das Scheitern einer Ehe zu einem Angriff auf die Konservativen, als wäre es wiederum die Falschheit des Krieges gewesen, die dazu geführt hat. Das ergibt aber nur einen Sinn, wenn man der Meinung ist (wie offenbar "Tappy"), einen "solchen" Menschen könne man prinzipiell nicht lieben.
  • Magda Ritter (1) Die Qual kann ich nachvollziehen. Als Journalistin habe ich mir auch mehr Content von diesem Artikel erwartet. Unterm Strich ist es lediglich der Stoff für ein Hollywood-Movie. Immerhin bietet sich gerade auf der Insel die Möglichkeit eines dieser Happy-Ends auf seine Langlebigkeit zu überprüfen: http://www.dailymail.co.uk/femail/articl...
    http://www.sundaymirror.co.uk/news/sunda...
    http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/new...
  • Julia Hockenmaier (2) Sehr interessanter Bericht!

    Der Originalartikel (auf timesonline.co.uk zu lesen) war jedoch etwas informativer, und auch ohne folgende, doch etwas herablassende, Behauptung:
    "Die Menschen erfahren von der Welt, was ihnen die Nachmittags-Talkshows an Informationen liefern: nichts."

    Natürlich gibt es (in Amerika und anderswo) genug Leute, die ihre Informationen tatsächlich nur über das Privatfernsehen beziehen, aber will die Süddeutsche ihren Lesern wirklich weis machen, dass es für Amerikaner keine anderen Informationsquellen gibt? Klar, denn einen Internetanschluss (oder Zugang zu PBS oder NPR, dem öffentlichen Fernsehen und Radio) hat im ländlichen Illinois ja niemand... Aber so eine Pauschalaussage passt natürlich prima zusammen mit den in Deutschland so weit verbreiteten Vorurteilen von den ungebildeten Amis.
    Schade. Wie gesagt, der Originalartikel ist besser.

    PS: Und (das wird im Original auch nicht erwähnt), das grellorangene Sweatshirt ist höchstwahrscheinlich kein Zeichen von Geschmacksverirrung - ich nehme an, dass die Frau bloss Sportsfan ist und die Teams der Universitaet von Illinois unterstützt.
  • Friedrich Jahn (1) Zahlenakrobatik.
    Hab ich etwa falsch gerechnet?
    30.000 "IRAK-Kriegsrentner kosten den US-Staat nicht 300 Milliarden,
    sondern "nur" 30 Milliarden.
  • Arnd Gartzke (1) Hallo Herr Müller! Genau das habe ich beim Lesen des Textes auch gedacht. Die Schaltung der Parship-Werbung im o.g. Kontext ist abscheulich und fern jeder journalistischen Verantwortung.
  • Klaus Müller (4) Die Parship-Werbung ist geschmacklos!

    Gute Vorraussetzung um auf den einschlägigen Seiten zu landen.