Grüne Themen/Ökologie | Heft 30/2008

Gegen den Strom

Ob beim Telefonieren, Kochen oder Fußballschauen - fast immer verbrauchen wir Energie. Aber was machen wir, wenn sie zu teuer wird? Unser Kollege hat versucht, eine Woche ohne Elektrizität zu leben.

Von Johannes Waechter  (Illustrationen: Steffen Mackert)



Mitternacht. Ich drehe die Sicherung heraus, meine Wohnung liegt im Dunkeln. Während der Kühlschrank röchelt und dann verstummt, schalte ich die Sicherungen für Boiler, Herd und Spülmaschine aus. Eine Woche lang, von Montag bis Sonntag, will ich versuchen, ohne Strom und fossile Brennstoffe zu leben.

Das bedeutet: Kein elektrisches Licht. Kein Computer, Fernseher, Telefon. Kein warmes Wasser. Keine Benutzung von Auto, Bus oder U-Bahn. Keine Einkäufe in hell erleuchteten Läden, möglichst keine energieaufwändig hergestellten und nach München transportierten Lebensmittel essen.
Trotzdem will ich versuchen, so normal wie möglich zu leben: Ich werde im Büro arbeiten und am Wochenende in die Berge fahren. Vielleicht werden manche sagen, es wäre spannender, dieses Experiment im Winter zu starten, wenn es richtig kalt ist. Und nicht nur eine Woche, sondern einen Monat lang. Vielleicht.

Aber ich bitte um Verständnis, dass ich weder erfrieren noch verhungern möchte. Die kalte Dusche am Montagmorgen ist auch so schon ungemütlich genug. Ich darf duschen, weil das Münchner Wasser aus den Alpen und deshalb mit natürlichem Druck aus der Leitung kommt, ganz ohne Pumpstrom. In Berlin müsste ich mein Wasser am Brunnen holen oder aus der Spree, wie zu Zeiten des Alten Fritz.

Dann der nächste Schreck: Kaffee darf ich ja auch keinen kochen! Müde schwinge ich mich aufs Fahrrad und radle zehn Kilometer ins Büro, im Kopf das Bild einer dampfenden Tasse Kaffee.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Einfach den Stecker rein und Strom verbrauchen, bis der Zähler glüht, das wird es dann nur noch für Reiche geben.)

(Tipps vom Autor für ein Leben ohne Storm)

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