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aus Heft 47/2008 Innenpolitik 1 Kommentar

Ein Mann sieht schwarz

Niemanden hat das CSU-Wahldebakel so zerstört wie Erwin Huber. Wie macht einer weiter, der plötzlich vor den Trümmern seiner Karriere steht?

Von Sebastian Beck 



Es ist der traurigste Tag im politischen Leben des Erwin Huber. Er sitzt am Glastisch seines Ministerbüros in München und ist kaum mehr wiederzuerkennen. Mit ruhiger Stimme und voller Demut formuliert er Sätze wie: »Im Leben des Menschen sind das Scheitern und der Misserfolg angelegt. Ich habe mein Bestes gegeben, aber es hat nicht gereicht.« Oder: »Ich wundere mich, warum ich mit diesem Charakterkostüm so weit gekommen bin.« Es ist derselbe Erwin Huber, der für seine Arroganz und Rechthaberei gefürchtet war. Der Minister, der 2003 gegen alle Widerstände eine Verwaltungsreform durchboxte und dabei gesagt haben soll: »Wer den Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen.« Der Mann aus Niederbayern, der unter Stress so zu nuscheln anfing, dass er ganze Silben verschluckte.

Jetzt sieht Huber nur noch müde und fertig aus. In der Nacht zuvor ist die letzte Hoffnung geschwunden, dass seine politische Karriere vielleicht doch irgendwie weitergehen könnte. Wenn schon nicht als CSU-Parteivorsitzender oder Kabinettsmitglied, dann wenigstens als Fraktionschef im Landtag. Doch der Amtsinhaber Georg Schmid hat sich geweigert, auf seinen Posten zugunsten von Huber zu verzichten. Es bleiben ihm noch sechs Stunden, dann wird sein Nachfolger als Finanzminister vereidigt. Dann ist es aus für Erwin Huber.
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Nach der Wahlniederlage im September ist der Parteichef so brutal gestürzt wie kaum ein anderer in der CSU. Um den Erwin müsse man sich jetzt ernsthaft Sorgen machen, sagen Menschen, die ihn gut kennen. Denn Huber ist nicht nur mit seiner politischen Laufbahn am Ende angelangt, sondern auch mit seinem Lebenskonzept, das vor allem aus Leistung und Dienen bestand. Selbstaufgabe hat er zum Prinzip erhoben. Oder wie er es ausdrückt: »Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen.«

Andere CSU-Politiker haben ihren Abschied von der Macht offensichtlich besser verkraftet: Der frühere Landtagspräsident Alois Glück hat endlich Zeit fürs Bergsteigen und lernt nebenbei, wie man ohne eigenen Fahrer auskommt und sich in München mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt. Edmund Stoiber sitzt im Aufsichtsrat des FC Bayern und soll für die EU die Bürokratie in Brüssel abbauen. Günther Beckstein holt nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident die Urlaubsreisen nach, die er schon vor zwei Jahren unternehmen wollte – erst Gran Canaria, dann Tibet, später vielleicht Ägypten. Huber sagt, er wolle jetzt erst einmal lieber keinen Urlaub machen, weil er da nur ins Grübeln komme.

Ihn traf sein Karriereende völlig unvorbereitet. Schließlich ist es erst ein Jahr her, dass er sich bis an die Spitze der CSU hinaufgedient hatte. Er war voller Pläne und guter Absichten: Die CSU werde mit ihm als neuem Vorsitzenden endlich wieder diskutieren, kündigte er an. In Berlin wolle er für die Partei den verloren Einfluss wieder zurückgewinnen.

Nichts davon sollte ihm gelingen. Im Februar meldet die Bayerische Landesbank Milliardenverluste, die Huber als Finanzminister rechtfertigen muss – was ihm nicht ansatzweise gelingt. Im März folgt die Kommunalwahl, bei der die CSU bereits 5,5 Prozentpunkte einbüßt. Er kämpft für die Wiedereinführung der Pendlerpauschale und ruft einen Kreuzzug gegen die Linken aus, doch die Umfragewerte der CSU fallen weiter. Am Wahlsonntag Ende September um 16 Uhr hält er die ersten Prognosen in den Händen: nur 43,4 Prozent für die CSU. Da weiß er: Es ist vorbei. Zwei Tage später erklärt er seinen Rücktritt vom Parteivorsitz. Auch als Finanzminister muss er abtreten, nachdem bekannt wird, dass bei der Bayerischen Landesbank ein Loch von 6,2 Milliarden Euro klafft. Dabei trage er weder moralische noch strafrechtliche Schuld für die Bankmisere, beteuert Huber, der sich am Ende zum alleinigen Sündenbock abgestempelt sieht. Nun ist Erwin Huber 62 Jahre alt und steht vor den Trümmern seiner politischen Existenz sowie vor der Frage, wie seine Zukunft aussehen soll.

Kommentare

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  • Rüdiger Baehrens (2) Der Mann ist über 60. Da werden viele andere Bundesbürger auch aussortiert und haben mit dem selben Problem zukämpfen. Nur haben die meisten nicht so schöne Versorgungsbezüge wie Politiker.

    Zudem sind Politiker auf Zeit gewählt und müßten das auch bei durchschnittlicher Intelligenz im Laufe der Jahre kapiert haben. Ich vermag da keine besondere Tragik zu erkennen.