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aus Heft 20/2007 Segeln

"Mit der »Christina« begann für Onassis das ausschweifende Leben"

Seite 3

Henning Hinze 

Und da haben Sie sich nicht gefreut?
Nachdem der erste Schrecken verdaut war, schon. Und in dem ersten Jahr im Mittelmeer auf der Olympic Leader war es auch sehr gemütlich und familiär. Da konnten wir wirklich sagen: Wir kennen die Familie Onassis privat. Auch die Kinder Alexander und Christina. Erst mit seiner dritten Yacht, der Christina, begann Onassis sein ausschweifendes Leben.

Was war das Besondere an der Christina?
Als ich sie in Kiel übernahm, um sie zur Luxusyacht umzubauen, war es erst mal eine verrostete kanadische Fregatte. Onassis hatte aber von Anfang an sehr genaue Vorstellungen: Er wollte unbedingt Dampfmaschinen als Antrieb, was eigentlich veraltet war. Aber sie laufen ruhiger als Schiffsdiesel. Außerdem sind Fregatten die schnellsten Kriegsschiffe, das wollte er nutzen. Jedes Mal, wenn Onassis zum Stapellauf eines Tankers nach Deutschland kam, setzte er sich als Erstes in seinen Porsche, fuhr mit mir nach Kiel und brachte tausend Änderungswünsche vor. So haben wir von November 1952 bis Juni 1954 an der Christina gebaut. Kostete sein Geld…
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…und hat sich gelohnt.
Oh ja, die Christina ist immer noch eine der schönsten Yachten! Natürlich sieht sie heute altmodisch aus. Und mit damals vierzig Besatzungsmitgliedern und Platz für 15, 16 Gäste ist sie nach heutigen Maßstäben auch klein. Aber ihr Luxus setzt immer noch Maßstäbe: mit dem berühmten Pool, bei dem man den Boden, der voller Mosaiksteine war, zur Tanzfläche anheben kann. Oder den Barhockern. Die waren, zumindest damals, mit Walpenishaut bezogen. Das weiß ich hundertprozentig, weil ich mich ja selbst darum gekümmert habe. Und wir hatten ein Tragflügelboot extra für uns gebaut, mit einem Motor von einem 300er-Mercedes drin. Die Kinder hatten ein sagenhaftes Spielzimmer, mit Gemälden von bekannten Künstlern und Schaukelpferd und allem, aber nur zum Angucken. Die Gäste mussten nämlich durch das Spielzimmer, wenn sie nach achtern gingen. Deshalb durfte da auch nichts herumliegen.

Ein Spielzimmer, in dem keiner spielen durfte?
Wie gesagt: Mit der Christina begann er sich zu verändern. Die Yacht war sein Lebenstraum. Er hat dieses Schiff beinahe mehr geliebt als seine Frau und seine Kinder. Für die Kinder hatten wir in einer Schublade in der Kapitänskajüte immer kleine Geschenke, einmal einen kleinen Kreisel. Nur hatte der unten einen Nagel, der winzige Ritzen in das Holz an Deck gemacht hat. Onassis wurde so böse, dass er seinem Sohn Alexander den Kreisel wegriss und über Bord schmiss. Einmal hatte Alexander ein Tretauto mit schwarzen Gummireifen bekommen. Das habe ich versteckt und in Amerika Bescheid geben lassen, dass wir schnell weiße Reifen brauchen. Die kamen nach acht Tagen per Flugzeug. Das Geld war egal. Aber ein schwarzer Streifen auf Deck, und das Auto wäre auch im Meer gelandet.
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