
Alle einschlägigen Untersuchungen liefern eine Menge Wissen darüber, wie unterschiedlich das ökonomische Handeln von Männern und Frauen ist: Männer gehen größere Risiken ein, sind unempfänglicher für Warnsignale, aber empfänglicher für Gruppendruck, wetten bereitwilliger und denken seltener über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nach, auch wenn sie andere betreffen als bloß sie selbst. Männer werden eher als Frauen zu pathologischen Glücksspielern, agieren auf dem Börsenparkett emotionaler und abergläubischer.
Frauen dagegen setzen ihre ökonomischen Mittel vorsichtiger ein, setzen seltener alles auf eine Karte, denken eher über Vorsorge nach und werden nach Fehlentscheidungen klüger (außer, es handelt sich darum, Männern zu vertrauen). Deswegen gibt Muhammad Yunus, der 2006 für die Gründung der Grameen Bank mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, seine Mikro-Kredite bereitwilliger an Frauen – er weiß, dass sie eher zurückzahlen.
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Dass es sich so verhält, ist immer wieder empirisch ermittelt worden; warum es sich so verhält, weiß man nicht genau, weil sich in der Wirklichkeit anders als im Labor Handlungsbedingungen nicht fein säuberlich voneinander isolieren lassen. Dass Männer beim Wirtschaften größere und mitunter die eigene Existenz gefährdende Risiken auf sich nehmen, könnte mit ihrem Hormonspiegel zu tun haben; eine Untersuchung bei Londoner Börsenhändlern ermittelte erstaunliche Zusammenhänge zwischen Testosteronpegel und Spekulations-Wagemut.
Vielleicht ist die Neurochemie dafür verantwortlich, dass Männer riskanter wetten. Vielleicht ist es, wieder einmal, das evolutionäre Erbe, das Männer und Frauen auch ökonomisch unterschiedlich handeln lässt. Schließlich bekamen in der Steinzeit die mutigeren Jäger, die die größeren Mammuts erlegten, die gesünderen, fruchtbareren Frauen, die verlässlicheren Frauen die tolleren Alpha-Tiere, und so etwas gewöhnt man sich nicht so schnell ab.
Außerdem leben wir alle in einer Kultur, in der draufgängerische Männer immer noch bewundert werden (auch von Frauen), während ihre sanfteren, biedereren Geschlechtsgenossen schnell als Weicheier gelten, vor allem bei den anderen Jungs. Das ist in dem, was man Wirtschaftsleben nennt, nicht anders als überall sonst.
Doch in Wahrheit ist es völlig egal, ob es die Gene sind oder die kulturellen Werte, die dafür sorgen, dass das Schicksal der Welt so sehr von den Entscheidungen abhängt, die in den Boys Clubs gefällt werden. Es würde schon reichen, wenn man endlich Begriffe, wie viele Probleme man sich einhandelt, wenn man sich zu sehr auf Monokulturen verlässt. Monokulturen begünstigen Gruppendruck, fördern Kritiklosigkeit, haben selten einen Plan B, wenn Plan A nicht funktioniert. Niemand sagt mal: So kann das nicht mehr lang gut gehen. Und niemand ist da, der solchen Warnungen zuhören würde. Bloß business as usual unter businessmen as usual.
Ob wir uns mit Lehman Sisters eine Wirtschaftskrise eingebrockt hätten, ob Frauen bessere Investmentbanker wären, weiß niemand – aber nur, weil es viel zu wenige gibt. Die paar Ausnahmen, die es schaffen, sich auf dem Parkett zu behaupten, müssen sich an die Spielregeln halten, die sie vorfinden. Damit die Kontrollmechanismen und Wertesysteme sich verändern können, braucht man logischerweise genügend neue Mitspieler.
Dafür könnte man jetzt endlich sorgen, rein experimentell. So wie eine Herde von Männern jahrelang an dem Experiment teilgenommen hat, herauszufinden, was geschieht, wenn man Habenichtsen Häuser finanziert, Kredite an Leute verteilt, von denen man weiß, dass sie sie nie zurück-zahlen werden, und sich zur Absicherung Wetten ausdenkt, die so esoterisch sind, dass nicht einmal das Wettbüro sie versteht.
Wie dieses Experiment ausgegangen ist, wissen wir nun: Die Leute haben keine Häuser mehr, keine Arbeit, kein Geld und keinen Kredit. Bis auf die ganz großen Jungs, die sich das Experiment ausgedacht haben.
Frauen in die Bank-Vorstände? Erstens: unbedingt, schon aus Gerechtigkeitsgründen. Zweitens: Wann, wenn nicht jetzt? In Island – dessen Wirtschaft gründlich von Männern ruiniert wurde – versuchen sie das jetzt, mit Birna Einarsdóttir und Elin Sigfusdóttir, die das Kommando bei der Landsbanki and der Glitnir-Bank übernommen haben. Und Halla Tómasdóttir und Kristin Pétursdóttir haben den Investment-Fonds »Audur Capital« gegründet, der weibliche Werte und rentables Wirtschaften zusammenbringen will.
Tómasdóttir, die früher eine leitende Position in der isländischen Handelskammer hatte, sagt: »Wir haben fünf weibliche Grundwerte. Erstens Risikobewusstsein: Wir werden in nichts investieren, was wir nicht verstehen. Zweitens wollen wir Kapital nur investieren, wenn nicht nur wirtschaftlicher Gewinn dabei herauskommt, sondern auch positive gesellschaftliche und ökologische Effekte. Drittens entscheiden wir auch emotional: Wir investieren nur in Unternehmen, deren Betriebskultur uns behagt. Viertens: Wir wollen Klartext reden, weil wir davon überzeugt sind, dass die Wirtschaft eine verständliche Sprache sprechen sollte. Und fünftens wollen wir dazu beitragen, dass Frauen wirtschaftlich unabhängiger werden, weil es durch wirtschaftliche Unabhängigkeit leichter ist, so werden zu können, wie man sein will.«
Klingt nach einem Unternehmen, in das man gern einsteigen würde. Ob es Erfolg hat, muss sich erst noch herausstellen. Falls nicht, würden wir es auch verkraften. Weil sich Frauen bekanntlich dafür entschuldigen, wenn sie Mist bauen. Auch das nämlich sind uns die Lenker und Denker des Wirtschaftslebens bisher schuldig geblieben.
(Fotos: ap)
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18 Uhr 27
Ich finde den Artikel wunderbar. Der letzte Satz des Herrn Droske mag stimmen aber die Arroganz ist doch eher den Herren-Banker zuzuschreiben und Entschuldigungen fallen Männern in Führungspositionen bekanntlich sehr schwer.
Herr Droske scheint sich als Mann persönlich angegriffen zu fühlen, dabei geht es um die Entscheidungsträger des Wirtschafts-und Bankwesen, die bis auf wenige Ausnahmen doch männlicher Natur sind.
22 Uhr 04
Lieber Herr Kollege Droske,
die meisten Ihrer Artikel schätze ich sehr, hier jedoch ist Ihnen offensichtlich ein sehr schwerer Fehler in der Recherche unterlaufen. Ungefähr ebenso schwer, wie wenn ich schreiben würde, den Holocaust hätte es nie gegeben.
Zutreffend ist, dass fast alle Finanzprodukte von Männern entwickelt werden. Ausgerechnet jedoch die ABS, die sog. Asset Backed Securities – eben jene „Wertpapiere“, die Lehmann und Hypo Real Estate sowie 32 weitere Banken in die Insolvenz trieb - wurden von einer Frau erfunden: Frau Blythe Masters, Vorstandsfrau bei Goldman Sachs.
Männliche und weibliche (!) Bankangestellte – Frauen sind in der Bankenlandschaft übrigens in der großen Überzahl – haben diese ABS erfolgreich an ihre Kunden und KundInnen (!) verkauft.
Zweiter peinlicher Fehler: Sie zitieren Island - das Land, welches durch die Finanzkrise am Abgrund steht. Ausgerechnet bei isländischen Banken jedoch sind die Vorstände nahezu paritätisch besetzt: 41 % Frauen. Und besonders pikant ist: Bei beiden isländischen Großbanken sind die verantwortlichen Investmentvorstände weiblich.
Fazit: Nimmt man Ihren Artikel ernst, müsste man Frauen ja aus den Führungsetagen vollständig entfernen.
Auch wenn es zur Zeit in den Medien sehr in Mode ist, Männer als dumm und unfähig darzustellen und Frauen als intelligent und überlegen – Redakteure / -innen sollten vor dem Schreiben ein Minimum an Recherche betreiben und sich zumindest grob an der Wahrheit orientieren.
Frauen arbeiten vermutlich nicht schlechter als Männer. Aber wohl ganz offensichtlich auch nicht besser.
07 Uhr 05
Un da die meisten Frauen (wie Männer übrigens auch) gerne drei Partner gleichzeitig hätten - den zuverlässigen Versorger, den perfekten Liebhaber, den veständnissvollen Zuhörer (in dieser Reihenfolge) handeln sie entsprechend: Erst gut versorgt sein, dann einen prickelnden Seitensprung und weil das alles nicht wirklich glücklich macht noch einen "vegetarischen Liebhaber", dem sie skrupellos stundenlang ein Ohr abkauen. Und mal ganz ehrlich: Wer will es ihnen verübeln...
19 Uhr 12
Die WestLB hat ihre Schräglage u.a. der Super-Blondine Robin Saunders zu verdanken.
HP hat schwer unter Carly Fiorina gelitten, vor allem der Wert der Aktien.
Die Schrott-Anleihen, die die Weltwirtschaftskrise ausgelöst haben, wurden von Blythe Masters erfunden.
Die KfW wurde von Ingrid Matthäus-Meier an die Wand gefahren.
Da ich kein "Anti-Feminist" bin, würde ich nie sagen, Frauen haben keinen Wirtschaftsverstand.
Aber wie Droske zu bedauern, dass Frauen keine Rolle in den Führungsetagen spielen und es deshalb ökonomisch so schlecht aussieht, verkennt, dass es genügend Frauen an bedeutender Position gibt und dass es genügend Beispiele für Inkompetenz gibt unabhängig vom Geschlecht.
22 Uhr 33
ich schreibe keineswegs "unreflektiert" über die wirtschaftliche Inkompetenz bei Frauen, das Gegenteil hat FRAU Kricheldorf bereits für mich getan.
Und das ist keineswegs beschämend für mich - eher für das weibliche Geschlecht.
Das Buch finden Sie aber auch OHNE Mann, oder?
Hofft jedenfalls
Th F.
23 Uhr 17
18 Uhr 54
08 Uhr 01
Wer "Verantwortung - nein Danke" von Beate Kricheldorf gelesen hat, der spürt (auch als Mann), dass die o.g. Wirtschaftliche Kompetenz bei Frauen die Ausnahme ist.
"Wer sich anschaut, welche Frauen welche Männer heiraten, der ahnt, die sie es hassen müssen, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen" (Jack Nicholson?)