Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München
Anzeige
Anzeige

aus Heft 24/2009 Stil leben

Die Entdeckung der Po-Ebene

Wie oft wollen Sie noch auf der Autobahn Richtung Süden durchbrettern, ohne links und rechts zu schauen? Wir müssen jetzt mal eine Lanze für das italienische Idyll, das viel zu lang vernachlässigt wurde, brechen. Und ja: Danach werden Sie dort öfter halten. Eine Entdeckungsreise.

Anzeige
Benvenuti, everybody!

Ausgerechnet eine Irin bewirtet das schönste Gästehaus des Deltas.

»Ca’ Zen« liegt unter dem Deich, und hinter dem Deich gurgelt der Po. An dieser Stelle heißt er schon Po di Venezia, das ist der größte Flussarm des Deltas, breit und träge, aber voller tückischer Strudel. Nein, der Po ist kein heiterer Walzerfluss wie die Donau. Morgens schauen die Po-Fischer als Erstes, welche Farbe sein Wasser hat – gelb, grau, welche Tageslaune?
Anzeige
»Ca’ Zen« ist ein lang gestrecktes, rotes Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, von Rosen umwuchert, von einer Dame bewohnt. Sie heißt Elaine Avanzo und stammt aus Irland. Aber eigentlich ist ja auch der Po kein Italiener. Er singt nicht, er grunzt nur und rülpst, man kann ihn in leisen Nächten bis in die großen Zimmer des »Ca’ Zen« murmeln hören. Die Betten sind riesig und gediegen, die Badezimmer eigentlich Badesäle, man fühlt sich wie Gutsherr und Lady, mindestens aber wie Lord Byron. Der verbrachte seine Tage und vielleicht auch Nächte in Anbetung der blutjungen Gutsherrin Teresa, seinerzeit.

Solche Geschichten serviert Donna Elaine zum Frühstück auf altem, englischen Geschirr. Sie selbst hat einen Avanzo geheiratet, Spross eines Großgrundbesitzergeschlechts im Po-Delta. In den Salons von »Ca’ Zen« hängen alte Fotos aus der Zeit, als die Hausherren die größten Reisbauern der Gegend waren. Noch heute kommt bester Risotto-Reis aus dem Po-Delta, kleine, runde Körner mit leicht salzigem Geschmack.

Die Vongole aus der Lagune von Scardovari sind die besten Italiens, ein begehrtes Gut, das die Fischer aus Venedig gern in nebligen Winternächten stehlen. Flusspiraten hat es immer gegeben auf dem großen Strom; früher überfielen sie reiche Mühlen, die auf dem Fluss schwammen und weißes und gelbes Mehl hergaben. Ja, der Po ist ein abenteuerlicher Melancholiker und ein melancholischer Abenteurer. Mit einer Insel gelassener Heiterkeit: »Ca’ Zen«. Von Birgit Schönau

Ca’ Zen, Località Ca’Zen, Taglio di Po 45019, Rovigo, DZ ab 80 Euro, Tel./Fax 0039/ 0426/34 64 69, www.tenutacazen.it.


Auf der nächsten Seite finden Sie eine weitere überraschende Entdeckung: "Eine Schifffahrt, die ist immer noch lustig, aber langsam wird das Wasser knapp."
  • Stil leben

    Kurs auf die Freischwimmer

    Bei diesen sechs außergewöhnlichen Kreuzfahrten können Sie Delfine, Buckelwale und Pinguine beobachten.

    Von Marcel Laskus und Lars Reichardt
  • Anzeige
    Stil leben

    Aus dem Vollen schöpfen

    Unsere Bilder von den neuen Badewannen beweisen: Sie zum Baden zu nutzen ist nur eine Option.

  • Stil leben

    Du liebe Zeit

    Abwarten und Tee trinken ist ein Luxus, den man sich viel öfter gönnen sollte – erst recht wenn die Zeit so schön vergeht wie auf diesen Uhren der Saison.