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aus Heft 24/2007 Außenpolitik

Der Krieg beginnt hier

Seite 4

Gerald Selch (Text); Mirco Taliercio (Fotos) 

Die Fernsicht von New Town ist wunderbar: Basaltkegel erheben sich am Horizont, ein barockes Kloster steht in der Ferne. Ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt von der Anhöhe, auf der die neue Stadt errichtet wird, liegt die sogenannte Impact Area, das Bombodrom von Grafenwöhr. Dort verschießen die Amerikaner seit 1945 alles, was sie in ihren Waffenarsenalen haben. Vor ein paar Jahren wohl auch Uranmunition, wie Umweltschützer befürchten. Das Zielgebiet gilt als unsanierbar. Weil außer Soldaten niemand neben einem Bombodrom leben will, forderte der Privatinvestor von New Town Sonderkonditionen: zwanzig Jahre Mietgarantie. Die Army wollte nur zehn Jahre geben, da legte die bayerische Staatsregierung fünf Jahre drauf, die Bundesregierung noch mal fünf – zwei Steuergeldpakete im Wert von 83 Millionen Euro.

»Wir schaffen Arbeitsplätze und unterstützen unsere amerikanischen Freunde im Kampf für Freiheit und gegen den Terror«, sagt Bayerns Innenminister Günther Beckstein. Die Unterstützung geht so weit, dass New Town im Schnelldurchlauf genehmigt wurde: ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und Raumordnungsverfahren. Aus Zeitgründen. Ein Konzept zur etwaigen Nachnutzung des Standortes dagegen ist auch der bayerischen Staatsregierung nicht bekannt. »Wir gehen davon aus, dass die US-Streitkäfte dem Standort Grafenwöhr treu bleiben«, sagt Beckstein.
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Robert Dotzauer, Bürgermeister der Grafenwöhrer Nachbargemeinde Eschenbach, zu der New Town gehört, freut sich schon auf ein großes Fest im nächsten Jahr. Da feiert Eschenbach 650. Stadtgeburtstag, und im selben Jahr verdoppelt sich Eschenbachs Einwohnerzahl mit Bezug der New Town. Damit, weiß Dotzauer, verdoppeln sich auch die Gelder vom Staat, die die Stadt erhält. Bedenken, es könne einen Identitätsverlust geben, wenn in einem bayerischen Dorf jeder Zweite ein Amerikaner ist, teilt er nicht. Dotzauer begreift sich und sein Dorf als Gewinner im Krieg gegen den Terror. Nur wenn die US Army den Standort dicht machen würde, hätte der Bürgermeister ein Problem: »Dann wäre das hier eine Geisterstadt.«
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