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aus Heft 33/2009 Jugend 25 Kommentare

Hilfe, die Welt will was von uns

Sie sind ängstlich, lieb und unfähig, Verantwortung zu übernehmen - was ist bloß mit der Generation der 25-Jährigen los? Acht Thesen einer Betroffenen.

Von Meredith Haaf 



1. Meine Generation ist geschwätzig
Vor einiger Zeit warb ein Mobilfunkanbieter mit dem Slogan »Quatsch dich leer«. Der Werbefilm zeigte Früh- bis Spätzwanziger, deren Körper im Laufe endloser Telefonate so lange an Volumen verloren, bis sie am Ende nur mehr als platte Hüllen auf dem Boden lagen, mit übergroßen, unbeirrt schwatzenden Köpfen. Selten habe ich in den Medien ein so zutreffendes Bild meiner Generation gesehen. Denn wenn es eins gibt, das sie quer über alle Grenzen von Wohlstand, Bildung oder Ethnie hinweg eint, dann das hemmungslose Mitteilungsbedürfnis.
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Wir posten Weblinks bei Twitter, laden Fotos bei Flickr hoch, aktualisieren unsere Statusmeldungen bei Facebook und scheuen dabei keine Banalität. Eine meldet, dass sie mit ihrem Boyfriend chillt, die andere brät sich ein Steak – »Mmm, lecker« –, der Nächste kratzt sich am Kopf. Die Grunger und Raver vor uns waren süchtig nach Party, Drogen und merkwürdiger Synthetikkleidung. Wir sind vor allem süchtig danach, etwas zu sagen. Egal, was.

2. Wir sind nicht fähig, Kritik zu üben
Um noch kurz online zu bleiben – das Geschäftsmodell von Facebook und Twitter lebt davon, Nutzer möglichst häufig auf ihre Seiten zu ziehen und dort möglichst aktiv zu halten. Interaktion findet aber vor allem in Form von Lob statt. Jeder für gelungen befundene Inhalt wird mit Kommentaren, Followern oder dem »I like«-Daumen belohnt. Erscheint etwas hingegen unangemessen oder langweilig – keine Reaktion. Diese Tendenz zur Affirmation fällt mir auch an der Universität auf. In München habe ich die Vorlesung eines Professors für Wirtschaftsethik gehört, dessen Haupterrungenschaft es ist, die neoliberale Wirtschaftsordnung als Apriori einer neuen Ethik eingeführt zu haben. Im Zuge seiner Ausführungen verteidigte er Kinderarbeit als historisch notwendigen Schritt zur Industrialisierung ärmerer Regionen. Aus den Reihen der Studenten kam kein Wort des Widerspruchs, außer: »Oh Mann, so kommen wir mit dem Stoff ja nie bis Semesterende durch!«


3. Wir wissen, was auf uns zukommt – und haben: Angst
Klar, keine Generation vor uns ist so sicher, wohlhabend und mobil aufgewachsen. Doch wer Ende zwanzig ist oder jünger, dessen Zukunftsmusik wurde ihm als Dreiklang aus Arbeitslosigkeit, Klimawandel und Energiekrise vorgespielt. Dass Konkurrenzfähigkeit wichtiger ist als Solidarität, ist inzwischen die Kernbotschaft unseres Bildungssystems. Wir erben eine Welt, deren Natur sich unaufhaltsam verändert – und nicht zum Besseren – und deren Wirtschaftsordnung immer mehr Menschen ausschließt. Dem entgegenzusetzen haben wir aber nur Fleiß, Konsum, Kommunikation und als Hauptantrieb die Angst. Nicht vor Überwachung und auch nicht ernsthaft vor Terrorismus, sondern davor, keinen Platz in dieser Welt zu finden. Und Angst ist alles Mögliche, nur nicht produktiv.


4. Meine Generation hat keine Subkultur
Die Generationen vor uns haben stets zu einer Form des Ausdrucks gefunden, mit der sie ihr Missfallen an Werten, Lifestyle oder am Kulturbegriff ihrer Vorgängergenerationen und der Massenkultur anzeigten. Hippies gegen Materialismus, Popper gegen Spiritualismus, Punks gegen Hygienismus. Meine Generation macht einfach alles irgendwie ein bisschen. Die zwei Alternativen zum Mainstream heißen Emos und Hipster. Die einen sind eskapistische Heulsusen, die anderen definieren sich über ein ganz bestimmtes Lifestyleprogramm, das sich aus diversen Posen (ein altes Rennrad fahren), Konsum (MacBooks, enge Hosen, Hornbrillen) und ironischen Anspielungen (billiges Bier, Pornoästhetik) zusammensetzt. Hipsterkultur grenzt sich gegen nichts ab außer gegen den Hipster von gestern. Sie bringt wenig hervor außer einer Ansammlung von Konsumvorgaben.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die 25-Jährigen fürchten die Konfrontation, sind sich für nichts zu schade und lieben ihr gestörtes Körperbild.)

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Kommentare

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  • Lucina Camilla (0) Wahnsinn, kein guter Artikel. Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll, denn ich ärgere mich fast über jeden Satz. Jetzt mag die Autorin als strebsame junge Journalistin denken "Meine Artikel sollen ja auch polarisieren.",- herzlichen Glückwunsch, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass auch das von Selbstüberzuegung strotzdende Kundtun schlicht nicht zutreffender Fakten automatisch Gegenreaktionen alsösen muss.

    Ich bin 3 Jahre älter als 25, aber bis auf dass ich auch denke, dass manch einer meiner Generation nicht besonders auf Konfrontation aus zu sein scheint, kann ich sonst keinem einzigen Punkt zustimmen.

    Zum Beispiel finde ich es eine unglaublich oberflächliche und überhelbliche Ansicht, dass alles was die Leute von sich geben, Niveau haben muss, bloss nichts überflüssiges bitte.
    Facebook hat genug Filter, mit denen man Leute, die einem zu viel aus ihrem Alltag darlegen, ausblenden kann, wenn man denn möchte.
    Sicher erscheint es bei einigen einzelnen fragwürdig, wie viel Intimsphäre noch übrig bleibt in ihrem Leben, aber das geht am Thema vorbei, denn man kann auch viel Nebensächliches posten, ohne viel von sich preiszugeben.
    Insofern halte ich die Generation (und da greife ich auf meine Vorposter zurück, die schon festgestellt haben, dass der Begriff Generation heutzutage beinahe unangebracht ist) teilweise für etwas tapsig, was den Umgang mit dem Medium Internet betrifft. Was ich persönlich darauf zurückführe, dass erstens das Medium noch jung ist und der Umgang damit noch in den Kinderschuhen, ausserdem gehört es anscheinend zu den menschlichen Eigenschaften, eventuellen Konsequenzen erst in letzter Sekunde ins Auge zu schauen und dadurch mitunter auszublenden, dass es vielleicht doch nicht alle 327 Leute auf der Freundesliste etwas angeht, was man am Samstagnachmiitag so treibt. Das lernt man aber, wenn man möchte,- spätestens nach ein aar schlechten Erfarhungen.
    Ganz abgesehen von diesen eher beiläufig gemeinten Kritikpunkten habe ich gar nichts gegen lockere Kommunikation und Austausch, jeder hat ja selbst in der Hand wie er daran teilnehmen möchte.
    Ich gehe ja auch nicht auf der Strasse zu Leuten hin und sag ihnen, sie sollten die Klappe halten, weil mich ihr Mittagessen nicht interessiert, ich aber zufällig das Gespräch hören konnte.
    Das INternet wird zu einem virutellen öffentlichen PLatz, also was soll das?

    Dieses ewige Niveau-Denken empfinde ich als typisch deutsch und das nicht aufhören wollende Lamentieren darüber als nicht minder nerviges Geschwätz als das im Text angeführte. Um nicht zu sagen, für mich persönlich das wirklich nervige Mitteilungsbedürfnis einiger Leute (die ich shcon in allen Alterstufen angetroffen habe), die immer etwas zu meckern haben, anstatt sich halt ein angenehmeres Umfeld zu suchen und das Leben mal ein bißchen mehr zu geniessen und sich zu entspannen. Das schliesst Motivation und Zielstrebigkeit nämlich überhaut nicht aus, auch diese Ansicht halte ich für falsch.

    Mit einem grundsätzlich positiven Blick (der nichts mit Naivität zu tun haben muss) kann man nämlich mindestens so viel bewirken wie mit so einem mainstream-Text. Der könnnte wirklich überall stehen, die Ansichten sind so etwas von unneu und überholt.

    Übrigens gab es auch schon vor 20 Jahren Langzeitstudenten, was inzwischen ausserdem unterbunden wird. Abgesehen davon finde ich Leute, die lange oder mehrfach studieren und lernen wollen, wünschenswert und der grösste Teil meiner Freunde finanziert sich sein Studium mindestens teilweise selbst oder studiert mit Bafög - vielleicht ist das Zufall, aber ich kenne niemanden, der sich überflüssig lang von seinen Eltern unterhalten lässt, wobei wir alles Mitte bis Ende zwanzig sind und die meisten von uns noch oder wieder sudieren. Ha.

    Desweiteren stelle ich mir vor, dass es sehr sehr viel mehr Energie kosten muss, so negativ und engstirnig zu denken wie die Autorin, anstatt sich zu bemühen, man selber zu sein und seine Meinung zu äussern, was viele Menschen die ich kenne tun, nämlich alle meine Freunde und ich. Mir geht es so weit gut und ich emfinde es eher als befreiend, zu tun was ich für gut emfinde und zu sagen was ich denke , als dass ich jemals auf die Idee kommen würde, das koste mich zu viel von der Energie, die ich ja lieber in mein Studium investiere. So ein Blödsinn! Das ist wirklich eins er schlechtesten Argumente die ich jemals in dem Zusammenhang gehört habe.

    Ja, der Text ist nett fomuliert aber für mein Empfinden eher Poser-Gehabe, denn Banalitäten hinter hochtrabenden Formulierungen zu verstecken hat mit einer gründlichen Recherche über das Thema und eine fairen Beleuchtung dessen ganz offensichtlich nichts zu tun.
  • Florian Benzel (0) Hallo liebe Meredith.

    Da ich ziemlich genauso alt bin wie Du, nehme ichs mir jetzt einfach mal heraus, dich zu Duzen. Was denkst du dir eigentlich bei solchen Texten? Ist es die Schuld der Generation um die 25, dass Du und deine Freunde offenbar kein Rückgrat haben? Deine ganze Schreiberei macht mich etwas sauer, weil Du offenbar genau in den Kreisen lebst die ich seit Jahren bewusst meide. Das ist aber kein Generationenproblem, sondern ein ganz individuelles Blödheitsproblem.

    Die Generation ist geschätzig? Erstens mal, sind wir nicht alle "bei Twitter", oder sonstwo. Diejenigen die da nicht sind, die tauchen nur in Deinem Wahrnehmungshorizont nicht auf, weil sie bei Leuten wie Dir und deinen Kumpels überhaupt nicht auftauchen wollen. Weil diejenigen geschwätzig und laut sind und dabei dank ihrer selbstpropagierten Unfähigkeit zu Diskurs, Kritik und politischem Denken auch einfach nichts zu sagen haben. Worüber sollte ich mich mit euch auch unterhalten? Darüber wer mich bei StudiVZ gegruschelt hat? Da lachen ja die Hühner.

    Ich kenne haufenweise Leute in meinem Alter, die all die Eigenschaften aus deinem Artikel genau diametral gegensätzlich aufweisen (und ich zähle mich selbst dazu). Und nein, ich sitze auch nicht den ganzen Tag daheim und lese dicke Zeitungen, und unterhalte mich abends bei Earl Grey über Nietzsche. Ich stehe abends auf nem Deathmetalkonzert (Ja, ich habe auch eine Subkultur, schau an), lese morgens regelmässig Blogs, Zeitungen und andere Dinge, ich tausche mich aus, kommentiere Webartikel und Blogeinträge, diskutiere leidenschaftlich politische Themen in Foren, und vor allem: Ich kenne haufenweise Leute die ähnliches tun. Nur käme ich nicht auf die Idee, das jetzt als Spiegelbild meiner Generation verkaufen zu wollen, weil meine Kumpels genauso sind wie ich.

    Darum die Bitte: Nur weil du so bist, zieh uns andere bitte nicht mit rein, damit wollen wir nicht unbedingt was zu tun haben. Vielen Dank im Voraus.

    Gruss

    Florian
  • Chris Janes (0) Da man hier keinen Trackback oder ähnliches einbrigen kann, hier der Volltext der Replik aus meinem (noch sehr bescheidenen) Blog:

    Ich habe Meredith Haafs bei Holger Klein in der Nightline auf you-fm gehört und bin so auf ihren Text "Hilfe die Welt will was von uns" aufmerksam geworden.

    Vorweg: Ich stimme im Grunde diesem Text in kaum einem Punkt wirklich zu. Daher möchte ich im Folgenden eine kleine Antwort und meine Sicht zur thematisierten Generation (der ich selbst angehöre, von daher bin ich auch ein "Betroffener") formulieren:

    These 1 - Meine Generation ist geschwätzig

    Auf die allermeisten Angehörigen dieser Generation trifft das nicht zu. Kaum jemand in "der Welt da draußen" hat einen Twitter Account und noch viel weniger nutzen den Dienst aktiv, noch weniger Bloggen und Flickr kennt ein großer Teil der Generation nichtmal. Facebook ist in den allermeisten Fällen nur dazu da mit ausländischen Bekannten lockeren Kontakt zu halten und in der Mutter aller Verzeichnisse, dem StudiVZ, versteckt man sich hinter Pseudonymen und den Privatsphäre-Optionen wenn man überhaupt noch einen Account hat. Ein relativ kleiner und naiv begeisterter Teil der Generation (zu dem ich wahrscheinlich selbst gehöre) ist vielleicht geschwätzig und Mitteilungssüchtig aber ein übergreifendes Phänomen ist das mit Sicherheit nicht.

    Selbst wenn es so wäre, sähe ich darin kein Problem, das Netz hat genug Platz für alle und wenn ich potentiell mit der ganzen Welt reden kann, warum sollte ich dies nicht auch machen?

    These 2 - Wir sind nicht fähig, Kritik zu üben

    Das Netz hat Flamewars, Trolls und epische Grundsatzdiskussionen zu einer, zugegebenermaßen sehr anstrengenden, Art Kultur gemacht. Streit und Kritik wird regelrecht kultiviert in bestimmten Bereichen des Netzes. Kritik zu äußern und "dagegen" zu sein ist für einige offenbar ein Lebensinhalt. Für das Netz stimmt diese Aussage also definitiv nicht.

    Zustimmen kann ich, das der Widerspruch und Kritik innerhalb der Studenten an Hochschulen nicht immer in genügendem Maße gepflegt und kultiviert wird. Ein ernsthaftes Problem ist dies vor allem für bestimmte geisteswissenschaftliche Fachbereiche und die Wirtschaftswissenschaften, denn hier müsste grundsätzliche Systemkritik entstehen.

    In den Struktur-, Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist eine fachspezifische Form des kritischen Denkens hingegen schon immer Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit und integraler Bestandteil des Studiums.

    Nicht die Generation an sich ist unfähig Kritik zu üben, sondern der Teil der Generation der Systemkritik formuliern könnte ist es offenbar.

    These 3 - Wir wissen, was auf uns zukommt – und haben: Angst

    Wir wissen eben nicht was auf uns zukommt, eben das löst erst Zukunftsangst aus, welche in vielen Bereichen auch berechtigt ist.

    Ein neues Phänomen ist das allerdings nicht, die junge Generation sah sich in den 80er Jahren beispielsweise mit der realistischen Aussicht auf einen globalen Nuklearkrieg und viel offensichtlicherer Umweltzerstörung als heute konfrontiert. Angst, nicht vor wirtschaftlichen Problemen sondern vor dem unmittelbar bevorstehenden Tod, war auch damals ein beherrschendes Moment in der damaligen jungen Generation.

    Damals wie heute ist allerdings die Angst für den Großteil der jeweiligen jungen Generation aber nicht der Hauptantrieb, sondern wird vor allem verdrängt. Man denkt nicht über die fernere Zukunft nach, sondern konzentriert sich auf das hier und jetzt und auf die nächsten kleinen Schritte.

    These 4 - Meine Generation hat keine Subkultur

    Es gibt, glücklicherweise muss man sagen, keine Hegemonie einer oder zweier Subkulturen in der jungen Generation. Wie armselig wäre dieser Zustand auch. Das Konzept der hegemonialen Subkultur hat sich überlebt und landet endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte. Die neue Subkultur ist die Abwesenheit einer Subkultur.

    Das Netz ist das Element welches die junge Generation von allen vorherigen klar abgrenzt. Wir haben heute vollkommen individualisierte Playlists mit Musik die selbst der nahe Freundeskreis nichtmal kennt, wir beziehen unsere Informationen aus vollkommen individualisierten Quellen, bewegen uns in völlig verschiedenen Communities und spielen dort vollkommen unterschiedliche Rollen.

    Da sich der Mainstream in der Auflösung befindet (oder, je nach Betrachtungsweise, auch unendlich breit wird), ist es auch unsinnig Emos und Hipster (zwei Strömungen denen ich höchstens eine marginale Bedeutung beimessen würde) als einzige Alternativen zu betrachten. Entweder gehören auch Emos und Hipster zum Mainstream oder es gibt eine unüberschaubare Menge an Alternativen.

    These 5 - Wir fürchten die Konfrontation

    Für einen großen Teil der jungen Generation trifft das mit Sicherheit zu, leider. Die Energie zur gesellschaftlichen Veränderung wurde allerdings nie in einem Großteil einer Generation aufgebracht, sondern immer nur in einem kleinen, relativ elitären Teil einer Generation. Die Mehrheit einer Generation war immer eher konformistisch. Daher ist das Problem vielmehr, das diese kleine energetische Gruppe innerhalb der jungen Generation offenbar zu wenig attraktiv und zu schwach ist.

    These 6 - Wir sind uns nicht zu schade

    Dieses Phänomen existiert wahrscheinlich, nur beobachtet habe ich das noch nie. Im Gegenteil: Entweder man studiert mehr oder weniger zielstrebig, oder man studiert als Alibiveranstaltung und macht was anderes mit seiner Zeit oder man arbeitet in einem festen Job bzw. einer festen Ausbildung. Das Problem der endlosen Praktika ist eher ein fachspezifisches.

    Desweiteren ist Erwerbsarbeit auch nicht unbedingt erstrebenswert. Ein fester Job engt ein, kostet massiv Lebenszeit bzw. Energie und daher Lebensqualität. Warum sollte man also nicht den Berufseinstieg weit verzögern, wenn man kann?

    These 7 - Wir lieben unser gestörtes Körperbild

    Wahrscheinlich stimmt dies in weiten Teilen. Ich finde diesen Punkt dermaßen irrelevant, dass ich damit kaum auseinandersetzen kann.

    These 8 - Wir denken nicht politisch

    Wir denken politisch aber wir denken nicht ideologisch und haben daher ein Problem mit dem Parteiensystem. Bewegungen wie die Proteste gegen Internetsperren, die Piraten, Campact und Attac zeigen, dass es auch unter uns politisch denkende Mitglieder unserer Generation gibt welche Alternativen formulieren.

    Wir sind die erste Generation die in einer unipolaren Welt groß geworden ist. Die Kritik bestimmter Gruppen in früheren Generationen am bestehenden System war einfach, angesichts der damals existierenden Realisation einer (menschenverachtenden) sozialistischen Alternative. Die Politisierung früherer Generationen ist ohne die Zweiteilung der Welt nicht denkbar. Wir leben daher unter erschwerten Bedingungen, wer nicht durch einen Gegner herausgefordert wird schärft natürlich auch nicht seine Fähigkeit etwas zu verteidigen bzw. die Gegnerseite zu kritisieren.

    Die innere Befindlichkeit einer Generation ist immer Folge der äußeren Bedingungen, anzunehmen unsere Generation könnte sich aus sich heraus Transformieren ist illusorisch. Daher kann uns auch vollkommen egal sein was kommende Generationen über uns sagen werden. Willentlich steuern können wir unsere Befindlichkeit nicht und verächtlich abgrenzen werden sich kommende Generationen ohnehin.
  • Julia Rothhaas (2) Dieser Leserbrief erreichte uns per E-Mail von Franka Bindernagel (Anm. der Redaktion):

    Ich bin nur wenige Jahre älter als die Autorin des Artikels, gehöre aber offenbar nicht zu der beschriebenen Generation, jedenfalls finde ich mich in der Beschreibung nicht wieder. Leben wir in unterschiedlichen Subkulturen?

    Ihr Artikel verkennt die Vielzahl an politischen, sozialen und ökologischen Engagements, die viele junge Menschen eingehen. Statt zu differenzieren, bedient sich die Autorin jedoch Klischees, die etablierte Alt-68er und ereignishungrige Journalisten schon seit mehreren Jahren zu einem neuen Diskurs verdichten: Die junge Genereration sei verweichlicht und würde nicht die Power vergangener Generationen entwickeln. Damit werden Argumente tradiert, die Großeltern gern am Kaffeetisch erzählen, wenn sie über "die Jugend von heute" schimpfen und es wird der Mythos der '68er gepflegt, von denen viele fälschlicherweise annehmen, sie stellten eine homogene Generation mit kollektivem Willen und Handeln dar.

    Viele junge Menschen engagieren sich lokal und regional, sowie - man hat es an den Ereignissen im Iran gesehen - auch global. In Berlin-Kreuzberg ist das Volksbegehren gegen das Bauprogramm "MedieSpree" mit kreativen Protesten von vielen jungen Leuten aus dem Bezirk getragen worden, ebenso der Baumschützer-Protest, als die Wasser- und Schifffahrtsbehörde sämtliche Bäume am Landwehrkanal fällen wollte. Die Proteste gegen die Bahnprivatisierung haben ebenfalls Wirkung gezeigt und dazu beigetragen, dass Leitmedien ihre Haltung zu dem Vorhaben revidierten.

    Junge Leute nutzen dazu neue Medienformen und entwickeln damit neue Protest- und Solidarisierungsformen. Nicht umsonst sind die iranischen Proteste "Twitter Revolution" genannt worden. Menschen aus der Welt stellten Server zur Verfügung, um die Proteste zu unterstützen. In Berlin wurden Mahnwachen und Demonstrationen abgehalten. Wo waren Sie in dieser Zeit, Frau Haaf?

    Die gesetzgeberischen Versuche zur Internet-Zensur haben gezeigt, dass die etablierten Politiker wenig Ahnung vom Internet und seinen Möglichkeiten haben. Der Chaos-Computer-Club hat regelmäßig Kritik geübt. Junge Menschen haben jetzt ihre Schlüsse gezogen und die "Piraten-Partei" gegründet. In Berlin-Kreuzberg werden ihr 4 Prozent vorhergesagt; so haben die Grünen auch mal angefangen.

    Häufig führen junge Leute alternative Projekte und Institutionen fort, die sich bewährt haben, in Berlin z.B. die "Lateinamerika-Nachrichten" (LN), den Lateinamerika-Nachrichtendienst "Poonal" und das "Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile - Lateinamerika" (FDCL). Die breite Lateinamerika-Szene in Berlin speist sich aus Latinos/as und Europäern; sie ist bunt und kosmopolitisch. Es gibt kritische Filmvorführungen, Diskussionsrunden, Vorlesungen und Konzerte. Viele sind in der Entwicklungsarbeit engagiert oder treiben wissenschaftliche Kooperationen zum beiderseitigen Nutzen voran. Die vielen Redakteure und Übersetzer der LN und des Poonal arbeiten ausschließlich ehrenamtlich und leben oft genug an der Armutsgrenze, weil ihnen das gesellschaftliche Engagement wichtiger ist als das Geldverdienen.

    Was die meisten dieser Engagierten von den 68ern unterscheidet, ist ihre Abneigung gegen autoritäre Systeme. Der Zeitgeist heißt: Demokratie und Demokratieförderung. Junge Menschen nehmen in vielfältiger Weise die Partizipationschancen der Demokratie wahr oder fordern sie ein. Sie übernehmen Verantwortung und sie arbeiten hart für Ihre Überzeugungen. Sie sind politisch und gut informiert. Viele rezipieren ganz selbstverständlich Medien aus verschiedenen Ländern. Sie sind stark sensibilisiert gegenüber einer Vielzahl von gesellschaftlichen Problemen.

    Ich habe den Eindruck, dass es mittlerweile einen publizistischen Wettlauf um das hässlichste Generationen-Etikett gibt. Differenzierung spielt keine Rolle. Ich bin überrascht, dass Sie, Frau Haaf, daran teilnehmen und sich selbst schlecht reden. Haben Sie das nötig? Und welchen Generationenbegriff benutzen Sie da eigentlich? Wir sind doch kein kollektiver Block!
  • Tina Kießling (1) Man nehme ein paar Zeitgeist-Phänomene, mixe sie mit einer Prise absurder Alltagsbegebenheiten und denke sich eine knackige Überschrift aus et voilà: Die Generationenstory fürs Magazin ist fertig.
    Mich würde mal interessieren, was genau Frau Haaf zur Beschreibung selbiger prädestiniert? Wer hat ihr denn da die Krone aufgesetzt? Reicht da Betroffenheit allein, liebe SZ-Magazin-Redaktion? Wo genau hat Frau Haaf denn bitte recherchiert? Dieser Beitrag hat mir meine Samstagmorgen-Lektüre gehörig verdorben und den Spaß am Rest des Magazins sowieso. Einfach nur platt, pauschal und vor allem: belanglos.
  • Julia Rothhaas (2) Dieser Leserbrief erreichte uns per E-Mail von Maren Krüger (Anm. der Redaktion):

    Zwei weitere Thesen über die Generation der 25-Jährigen von einer Betroffenen.

    9. Wir sind hungrig auf Zertifikate, nicht auf Wissen

    Wir lernen um Prüfungen zu bestehen und nicht um die Lerninhalte zu hinterfragen, zu verstehen und zu verinnerlichen. Es scheint nicht zu interessieren, ob das was man in einem Psychologiestudium lernt sinnfrei, veraltet und stupide ist. Nein, die Hauptsache ist, dass man weiß welche Sinnlosigkeiten in den Klausuren und mündlichen Prüfungen abgefragt werden. Im Grunde herrscht der vorwiegende Trend sich 'Boulemiewissen' anzueignen. Alles rein stopfen um es dann schnellstmöglich, ohne es zu verdauen, wieder auszukotzen. Klospülung- weg ist es. Uns fehlt Wissbegierde, die Lust am Lernen und die Faszination über die Welt und deren Bewohner.

    Gastvorträge und Vorträge im Allgemeinen sind am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz nicht nur eine Seltenheit, sondern werden auch nur von ein paar vereinzelten Mitarbeitern des Institutes besucht. Einen Studenten wird man hier nicht vorfinden. Wie soll so eine Kultur der Wiss-und Diskussionsbegierde entstehen?

    10. Wir sind zu gelangweilt und zu gechilled um zu rebellieren

    Es wird lieber der einfache, bequeme, ordentlich gepflasterte Weg genommen, als der steinige, wilddurchwucherte, abenteuerreiche Pfad. Wo sind die Studenten, die gegen überholte Studiumsinhalte, faule Professoren und unsolidarische Kommilitonen rebellieren? Während meines Psychologiestudiums, wurde mir in Seminaren, die bekanntlich zum Diskutieren stattfinden, mehrmals freundlich mitgeteilt, dass meine Beiträge nun doch zu philosophisch seien, ich sie aber zu Hause weitert denken solle. Das sind diejenigen, die uns ausbilden und uns ein Vorbild für unsere Denk- und Diskussionsträgheit sind. Die kumulierte freie Zeit in diesen Veranstaltungen, die zum debattieren vorhanden gewesen wäre, wurde dann als Gelegenheit zum Twittern und Facebook updaten genutzt.

    Es kostet zu viel Energie Widerstand zu leisten. Desweiteren bedeutet Widerstand, dass man sich von der Masse abgrenzt und somit wahrscheinlich einen Teil seines Weges alleine zurücklegen muss. Vor allem jedoch bedeutet Rebellion, dass man nicht von allen gemocht werden kann, ja sogar schlimmer, man könnte sich Feinde schaffen. Doch wir wollen von jedermann geliebt werden und einfach dazugehören.
  • Julia Rothhaas (2) Dieser Leserbrief erreichte uns per Mail von Stephan Gebhardt-Seele (Anm. der Redaktion)

    In dem Beitrag von Meredith Haaf "Hilfe, die Welt will was von uns" gibt es einen Abschnitt der Selbsteinschätzung, den ich auch aus meiner Beobachtung bestätigen kann: Meine Generation ist geschwätzig.

    "Süchtig danach, etwas zu sagen. Egal was." - diese Beobachtung trifft's wohl ins Schwarze. Und zu ergänzen wäre: Egal, ob jemand zuhört oder nicht.

    Noch vor wenigen Jahren wurden Leute, die ohne Zuhörer irgend etwas vor sich hinbrabbeln, als geistig verwirrt angesehen. Heute scheint diese Art der Beschäftigung zum selbstverständlichen Standardrepertoire der nachwachsenden Generation zu gehören. Erstaunlich! Und, bei näherer Betrachtung, vielleicht auch etwas beängstigend.

    Denn eine Generation, die aufwächst mit der Idee, dass mit permanenter verbaler Inkontinenz, dem nie endenden Durchfall des Mundes nicht das Geringste verkehrt ist, vielmehr diese Marotte als superheftig-endgeil-angesagte, absolut obligatorische, nicht mehr wegzudenkende Hauptkomponente ihres "Lifestyles" betrachtet, eine solche Generation wird einen ohnehin existierenden Mangel zu exorbitanten Größenordnungen multiplizieren: Der Mangel an Zuhörern.

    Man könnte bei oberflächlicher Betrachtung annehmen, dass die epidemieartige Verbreitung von Mobiltelefonen und Internetanschlüssen für diese neue Zeitgeistkrankheit verantwortlich ist, doch wäre das zu kurz gegriffen.

    Ein Blick über die vergangenen 30 Jahre zeigt uns eine Gesellschaft, die immer mehr von massenhaft verbreiteter Werbung dominiert wird. Die gute alte Litfasssäule (als definierte Werbezone im ansonsten "naturbelassenen" Stadtbild) war vor-vorgestern. Werbe-"Botschaften" waren schon vor der Geburt der heutigen "Digital Natives" überall und sind es bis heute. Vom Bildchen im Postkartenformat auf dem Rücken der Kopfstützen im Taxi über die Tischsets im Restaurant, von Werbeplaketten auf Tankstellenzapfhähnen bis zum 10x20 Meter Blow-up an einem Baugerüst. Werbung belegt alle freien Flächen - außer vielleicht die Alpen.

    Kürzlich habe ich meine Hemden von der Reinigung abgeholt und sie statt auf dem sonst üblichen Drahtbügel auf einem lächerlich aussehenden orangefarbenen Pappgestell erhalten, auf dem das Handelsblatt (mit integrierter Antwortpostkarte zum Heraustrennen) um Abonennten wirbt - ich habe mich bei der Reinigung beschwert mit dem Hinweis, dass ich wenigstens in meinem Schlafzimmer eine werbefreie Zone behalten möchte und die Reinigungstante hat mir sofort zugestimmt.

    Fernsehen ist durchtränkt mit Werbung. Das Internet natürlich erst recht. Manche Zeitungen (mitunter sogar so eine ehrwürdige Institution wie die Süddeutsche) enthalten, die Beilagen mitgezählt, gefühlt mehr Werbefläche als Redaktion. Die ganze Welt ist praktisch lückenlos bepflastert mit Werbebotschaften wie ein Formel-1-Rennfahrer. Und wenn man bedenkt, dass die Formel 1 ohne Werbeverträge gar nicht stattfinden würde, muss man sich langsam die Frage stellen, ob das für die Welt womöglich auch gilt.

    Die unverlangte Werbung ist - im Vergleich zu den Dingen, die wir uns freiwillig ansehen - immer zu laut, zu schrill, zu bunt, zu zappelig, zu nervös, zu gekünstelt, also ziemlich nervig. Ein permanenter aggressiver Angriff auf die Wahrnehmungskanäle des Menschen. Und eine fortlaufende Beleidigung menschlicher Intelligenz, denn die meisten "Botschaften", entwickelt von einer schlaumeierisch-verzückt um sich selbst kreisenden Werbewelt, sind wirklich von entwaffnender Blödheit.

    Für die Strategen der Werbebranche gelten Kinder und junge Menschen vor allem als "Zielgruppe", deren Individuen, während sie noch formbar sind, weil sie sich irgendwie in der Gesellschaft zu orientieren suchen, zu markentreuen, denkfaulen und letztlich kritikunfähig-hörigen Verbrauchern abgerichtet werden sollen.

    Wen wundert es also, wenn die Generation Gaga, die, noch bevor sie richtig lesen kann, bereits mit der parfümierten Scheiße der Werbung sturmreif geschossen ist und somit gar keine Lust mehr hat, in die ohnehin mit Werbeplakaten verstellte Welt zu schauen? Wen wundert es, wenn jemand zu dem Zeitpunkt, wo man zusammenhängende Sätze formulieren kann, über die allgegenwärtige Zwangsabfütterung schon so viele "Botschaften" geschluckt hat, dass das vordringlichste Anliegen darin besteht, die bislang einseitige Flussrichtung auszugleichen, den Fluss umzudrehen - dass man selber endlich AUCH MAL WAS SAGEN will?

    Und das Kind kriegt sein erstes Handy. Und einen Internetanschluss. Das öffnet die Schleusen. Quatschen, SMSen, Bloggen, Twittern - ohne Ende. Endlich! Wen wundert's? Die Generation "Bla" zahlt einer bekloppt gewordenen Welt doch nur mit gleicher Münze zurück!

    Mobilfunk und Internet sind also nicht etwa die Ursachen für das zwanghafte Mitteilungsbedürfnis, sondern vielmehr das Ventil für einen Kommunikationsstau, den die omnipräsente Werbung über viele Jahre bei Kindern und jungen Menschen hervorgerufen hat.

    Werbung, wie wir sie heute kennen, bringt den Kids übrigens schnell und sicher auch den zweiten Aspekt der Krankheit als völlig normale Begleiterscheinung bei: Es ist egal, ob jemand zuhört oder nicht.

    Ein guter Zuhörer ist nicht etwa eine Kotztüte für den "Durchfall des Mundes" einer zwanghaften Quatschmaschine. Eine ordentliche Bestätigung für eine Äußerung, die einfach nur die Botschaft enthält: "Ich habe das gehört - deine Botschaft ist bei mir angekommen" - das ist vermutlich der Wirkstoff, den eine ganze Generation der Gesellschaft nur in homöopathischen (technisch nicht mehr nachweisbaren) Mengen abbekommen hat.

    Und je mehr diese Leute ihre Sachen - vorgeblich in irgendeine "Community", aber in Wahrheit eher in ein gleichgültiges Vakuum hineinquatschen, hineinbloggen, hineintwittern - Sachen, deren ernüchternder Banalität sie sich nicht mehr schämen - hinein in eine rein theoretische, im wahrsten Sinne des Wortes virtuelle Gruppe, die gar nicht zuhört, weil jeder Andere ebenso mit dem Verbreiten der eigenen Befindlichkeiten beschäftigt ist, umso mehr dürstet es sie nach einer einfachen - kleinen, aber echten, weil handgemachten - Bestätigung.

    Das altbekannte Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" könnte möglicherweise in abgewandelter Form eine neue, sehr aktuelle, sehr wichtige Bedeutung erlangen:

    Reden ist Silber, Zuhören ist Gold.

    Je mehr der pathologische Zwang, "etwas sagen" zu einer Art Lebenselixier, wenn nicht Suchtmittel einer ganzen Generation wird, desto mehr gerät das Gegenteil davon, das "Zuhören" zur bitter benötigten Mangelware. Inklusive der dafür erforderlichen Zuhörer - also Personen, die es nicht verlernt haben, erstmal die Klappe zu halten und dann auch noch zuzuhören.

    Genau da liegt möglicherweise unsere größte Chance. Denn etwas, das immer knapper wird, was immer seltener anzutreffen ist, erfährt allein dadurch eine immense Wertsteigerung.
  • Christoph Metzger (0) Danke, dass es endlich jemand ausspricht. Liebe Meredith, willst Du mich heiraten?
  • Frauke Uhlenbruch (0) Ich bin erleichtert, hier so viele Kommentare zu finden, die dem Artikel widersprechen. Ich war erst kurz geneigt, ihm zuzustimmen, denn auch auf meiner Facebook Startseite tauchen hin und wieder Kommentare über Grillabende auf und ich habe ebenfalls schon oft skandalöse Schweigemomente in Seminaren erlebt. Aber nach einigem Nachdenken habe ich festgestellt, dass ich die "Generation der 25-jährigen" (zu der ich mich als 26-jährige noch zähle) wie sie im Artikel beschrieben wird, nur als Mythos kenne. Die mir persönlich bekannten ca.-25-jährigen haben viel zu sagen - politisch, ideell, künstlerisch - sie gründen Familien, steigen ins Berufsleben ein und kritisieren laut und deutlich.
    www.frauke-uhlenbruch.blogspot.com
  • Alex alex (0) Auch wenn vieles schon angesprochen wurde weiter oben: ich muss einfach noch mal ein paar Sachen loswerden, so sehr hat mich dieser Artikel aufgeregt! Ist ein bisschen lang geworden, und ist auch nicht weniger einseitig als der Artikel, aber egal, vielleicht hat ja jemand viel Zeit...

    Also, fangen wir mal mit der Untertitelung der Überschrift an:
    Diese „Generation der 25-jährigen“ – wer ist das? Ich bin 25, und viele meiner Freunde und Bekannten sind im selben Alter. Bin ich das also, sind wir das? Und nehmen wir da die unreifen 28-jährigen und die reifen 22-jährigen noch mit rein, oder läuft das rein biologisch? Wer kommt da in welche Generation, Kategorie, Schublade?
    Und wie sieht sie/er denn aus, diese(r) 25-jährige? Was macht er/sie?
    Arbeiter, Bild-Leser, Arbeitsloser, Intelektueller, Spießer, Sportler, Pädophiler, Hippie, Nazi?
    Kann denn der Begriff „Generation“ überhaupt noch benutzt werden in einer Zeit, in der jeder Jahrgang so viele und so viele neue Untergruppierungen und Varietäten mit sich bringt, dass jedes Pauschalurteil unwiderruflich 90% ignoriert und paradoxerweise marginalisiert? Die Welt hat sich grenzübergreifend heterogenisiert und diversifiziert, und Meinungen und Weltanschauungen und Generationen nach klassischen Maßstäben beurteilen zu wollen, kann nicht mehr funktionieren! So einfach ist unsere Welt von heute nicht mehr!
    Noch primitiver erscheint es da, eine Genration nur an ihrem Alter festmachen zu wollen! Wir haben 68-jährige Ex-Hippies die denken wie 17-jährige, und wir haben 22-jährige Studenten mit der Spießigkeit und Skepsis von Greisen. Das Alter spielt dabei die geringste Rolle:
    Denn sind es nicht vielmehr die soziale Herkunft, die persönliche Entwicklung und Entfaltung und das soziale Umfeld, welche einen Menschen und seine Verhaltensweisen und Anschauungen prägen?
    Somit ist die Formulierung der „Generation der 25-jährigen“ mindestens schlecht gewählt – ehr aber schlicht unüberlegt, pauschalisierend und oberflächlich.
    Und wir haben noch nicht mal angefangen, den Artikel zu sezernieren…

    Es beginnt also mit Kritik an den neuen online Netzwerken. Dass dort viel Scheiße geschrieben und gelesen wird, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren – doch ist das anders als nach Erfindung des Buchdrucks? Birgt nicht jedes „neue“ Medium Gefahren wie Chancen? Und ist es wirklich so viel schlimmer, per Twitter oder Facebook kundzutun, was man denn gerade belangloses macht („ich hole mir grade einen runter.“), als am nächsten Tag traditionell darüber zu tratschen? Wieso soll es verwerflicher sein, die peinlichen Fotos von der letzten Party bei StudiVZ hochzuladen als sie in der Wohnung aufzuhängen – mal abgesehen von der Aufgabe der Privatsphäre, die aber ja komplett freiwillig erfolgt.
    Wir lieben es, etwas zu sagen, egal was? Das stimmt. Aber dies trifft auch zu, seit der Mensch reden kann. Und es ist gut, einen freien Raum zu haben, in dem man ganz entspannt und ohne intellektuelle Zwänge auch mal Belanglosigkeiten um die Welt senden kann, ganz ohne dass einem ständig von oben auf die Finger geschaut wird. Und wenn ich dann weiß, dass meine Freunde in Mexiko am Meer chillen, während die auf den Philippinen gerade grillen, dann ist es für mich – völlige Belanglosigkeit und Informationslosigkeit hin oder her – fast so, als wäre ich dort. Die Welt wächst weiter zusammen, und das ist ein enormer Schritt auf sozialer Ebene - auch wenn dabei natürlich das hohe Niveau mancher Pseudo-Intelektueller in der lässigen Welt der Online-Kommunikation nicht immer aufrecht erhalten werden kann.
    Doch die Leute, die es schon gerafft haben, wissen längst, dass der enorme Bullshit, den das Netz jeden Tag produziert, nur ein kleiner Wehmutstropfen ist im Angesicht dessen, was es uns Tag für Tag bietet: fast kostenlos vernetzen wir uns, zeigen neue Wege, definieren neue Ziele – Gut und Böse, Plus und Minus, positive und negative Aspekte: das gibt es seit der Erfindung der Holzkeule vor Millionen von Jahren.
    Das Einzige, was schon immer die Spreu vom Weizen getrennt hat, war die Fähigkeit, sich die guten Eigenschaften zunutze zu machen und die schlechten zu vermeiden. Und es gibt verdammt viele Leute, die das im Netzt können – selbst in unserer verrufenen Generation-25!

    Also zum nächsten Punkt: der Fähigkeit, Kritik zu üben, illustriert am Facebook-Daumen und einem banalen Einzelfall: dass in einer wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesung weder der Prof noch die Studierenden die Einsicht besitzen, über den profit-maximierenden Tellerrand des Neoliberalismus hinauszublicken, verwundert nicht. Vielmehr ist dies genau die Art von Information, die man erwarten kann, wenn man seine Zeit in derartigen Veranstaltungen vergeudet. Eine Frage wäre auch, ob denn die Autorin des wunderschönen Artikels wenigstens den Mumm hatte dem Prof hier zu widersprechen, ihn zu hinterfragen -
    Und es gibt genügend, die das tun würden! Doch aus den Augen eines unsicheren Erstsemestlers zum Beispiel, der noch nichts weiß und der vor allem noch eine mündliche Prüfung bei dem Prof bevorstehen hat, ist es da gerechtfertigt, jene gleich zu kritisieren und als nicht engagiert abzustempeln, die sich einfach nur durch das ihnen auferlegte System kämpfen wollen? Müsste man denn nicht erst das System selbst kritisieren, und all seine Mängel, bevor man seine Opfer in die Mangel nimmt?
    Dass viele Studenten/innen, vor allem jene in den neuen Bachelor-Studiengängen, zu unkritisch durch dieses neue verschulte System gehen, ist klar – aber ist das ihre Schuld, wirklich? Ist es unsere Schuld, wir, die Generation der 25-jährigen, dass die Politik auf Druck der Wirtschaft über die letzten Jahrzehnte die Ökonomisierung der Bildung auf allen Ebenen pervertiert und perfektioniert hat? Hatten wir denn jemals die freie Wahl, wurden wir jemals wenigsten so respektvoll behandelt, dass uns jemand erklärt was los ist? Die Antwort ist ein klares Nein – und deswegen kann man uns auch unsere Kritiklosigkeit nicht zu einem Vorwurf machen: erstens gibt es viele – genug! – die Fragen stellen, die die richtigen Fragen stellen, und an die richtigen Leute. Auch, wenn sie sich damit unbeliebt machen, oder oft auch gerade deshalb.
    Und zweitens wurde der Rest von uns dazu erzogen, kritiklos durchs Leben zu gehen, wie eine Herde braver Schafe. Querulanten werden konsequent vom Kindergarten an umerzogen, alles was nicht ins Schema passt fliegt von der Schule, kritische Studenten enden mit schlechten Noten, unbequeme Arbeitnehmer werden entlassen. Wir leben in einer Welt, in der Kritik heißt, alles aufs Spiel zu setzen: nicht nur seinen eigenen Ruf, sein eigenes Wohlergehen, sondern auch das seines Umfelds. Seiner Kinder, seiner Familie, seiner Freunde – und doch gibt es genug, die genau das machen! Tag für Tag, Sekunde für Sekunde, und alle auf ihre eigene Art und Weise…
    Übrigens, liebe Autorin es gibt auf Facebook neben dem Daumen „like“ genauso den Daumen „unlike“, der ebenfalls nur einen Mausklick entfernt ist – ich kann also durchaus auch aktiv Kritik üben, und das wird auch gemacht. Überhaupt fällt mir kein kritischeres Medium ein als das Internet. Die Online-Community, die aus Milliarden von Nutzern aus der ganzen Welt besteht, ist weit kritischer als herkömmliche Medien! Der Trick ist nur, dass man wissen muss, wo man zu suchen hat. Es ist nicht das Internet an sich, das schlecht ist und unkritisch und unseriös – es sind die Bild-Zeitungen des Internets, die es schwierig machen sich zu informieren, wenn man sie nicht erkennt. Genau wie in der Glotze, genau wie mit der Zeitung, genau wie mit Mundpropaganda.
    Und nur um es nochmal klarzustellen: dass wir eine unkritische Generation sind, dass kann man so nicht stehen lassen. Vielleicht ist das Umfeld der Autorin, möglicherweise bedingt durch eine ökonomische Ausrichtung des Studiums, anders. Vielleicht sind ihre Freunde komisch. Vielleicht ist sie einfach ein etwas weltfremdes, konservatives Mädchen, welches sich zurück nach der Zeit sehnt, in der es noch nicht-elektronische Barbie-Puppen und die guten alten Doktor-Spielchen gab.
    Viele andere von uns, aus dieser Genration der 25-jährigen, sind jedoch mittlerweile im neuen Jahrtausend angekommen. Ich bin kein Internet-Spinner und kein Computer-Zocker, aber mittlerweile ist sogar mir klar: das Internet mir seinen unbegrenzten Möglichkeiten ist ein Segen – und zwar vor allem für alle Kritiker!

    Auch dem dritten Punkt, in Kurzfassung: wir haben Angst, sind asoziale Wichser und haben noch mehr Angst, kann ich nur vehement widersprechen. Natürlich hat jeder Mensch Angst – und besonders jeder Deutsche! – aber die wenigsten lassen diese Angst ihr Leben in dem Grad bestimmen, wie es der entsprechende Abschnitt des Artikels suggeriert. Ich würde sogar gegenteilig behaupten, dass wenn wir ein Problem haben, dass es dann ehr wäre, dass die Leute zu wenig Angst haben. Gerade in unserer Genration 25 ist es doch Gang und Gebe, dass man ehr sagt „das läuft schon irgendwie“, als sich großartig Gedanken zu machen. Es ist komfortabler, und, verdammt noch mal, oft genug funktioniert es ja auch.
    Es ist aber natürlich wahr, dass wir große Angst vor dem Leben generell haben, vor der Zukunft, dem Unvorhersehbaren, dem Schrecklichen. Andererseits kann man wohl auch sagen, dass wir weniger Angst haben, als die Generationen vor uns: noch nie war es einfacher, billige Tricks, alte Mythen und wirre Spinnereien zu widerlegen. Außer ein paar Spinnern glaubt heute keiner mehr an Hexen und Kobolde. Außer ein paar Freaks ist allen klar, dass die Welt nicht am 11.11.2011 untergeht, nur weil ein Verrückter namens Jesus das behauptet.
    Angst haben wir nur vor uns selbst – und vor unseren Eltern. Und vor sonst nichts! Und Solidarität? Auch das läuft! Nur weil die alten Generationen (zu der ich die Autorin jetzt einfach mal dazuzählen muss, obwohl sie so alt ist wie ich, was ja nur wieder meine Argumentation im 1. Abschnitt stützt) viele unserer Handlungen nicht als solidarisch erkennen, weil sich die Welt – wie schon immer – immer rasanter ändert, heißt das noch lange nicht, dass wir alle nur asoziale Arschlöcher sind. Im Gegenteil, es werden immer mehr, die sich selbst organisieren, die sich zusammensetzen und Fragen stellen, die gemeinsame Nenner suchen und finden, die einen Wechsel verlangen, und die vor allem zusammenhalten.
    Und wer hat denn bitte Angst, in dieser Welt keinen Platz zu finden? Genauso gut könnte man sagen: die Leute haben Angst, weil sie in der Welt zu viel Platz finden! Es ist doch der Überschuss an Möglichkeiten, an Nischen, und Varietäten, es ist dieses endlose Meer der Entscheidungen, das uns Angst macht – und nicht die Tatsache, dass wir eventuell keine Platz finden!
    Fleiß, Konsum, Kommunikation? Jeder wie er will! Aber so dumm, sich einzureden, dass diese abstrusen Wörter uns versklaven, uns lenken, uns dominieren können – so dumm sind mittlerweile nur noch die wenigsten. Denn es gibt keinen effektiveren und schnelleren Trainer für die Wahrheitern des Lebens als die simple Realität: und die lautet schlicht und einfach: wenn das Leben dich fickt, dann fick zurück. Und wir, wir wissen das alle! Angst? Nein, Angst haben wir nicht! Ehr stecken wir in einem Zustand der Verwirrung, gefangen zwischen dem was wir wollen, aber nicht dürfen und dem, was wir sollen, aber nicht wollen…

    Als nächstes hören wir, dass wir keine Subkultur haben. Natürlich ist das Leben nicht mehr so einfach wie unter Hitler, als wir alle Nazis waren, oder wie 68, als wir alle Hippies oder Nazibullen waren. Wie bereits erwähnt, gibt es heute Millionen von Untergruppierungen und weiteren Aufspaltungen dieser Untergruppierungen in Unter-Unter-Gruppen und so weiter. Schwule Nazis, nazihafte Linke, Ökoterroristen, neoliberale Hippies, spekulierende Künstler und malende Bänker – heute gibt es von allem alles, und zwar in Massen.
    Die Behauptung, es gäbe keine Subkultur, widerlegt die Autorin ja schon selbst, als sie die Subkulturen vergangener Jahrzehnte beispielhaft auflistet – Subkulturen, die es nicht nur heute noch genauso gibt wie damals, sondern die sich eben bis zum heutigen Tag tausendmal diversifiziert und gespalten und neugegliedert haben. Es ist also nicht der Mangel an Subkulturen, die heute ein Problem darstellen, sondern vielmehr ihr Überfluss: in einer Welt, in der jede Meinung seine eigene Lobby, seinen eigene Website und seine eigenen Anhänger hat – von den Nazis bis zu den Pädophilen – ist es schwer, sich zu entscheiden, und noch viel schwerer, sich zu einigen. Früher gab es nur die katholische Kirche, da waren noch alle auf einer Linie, aber heute gibt es so viele Splittergruppen, die sich gegenseitig beschimpfen und bekriegen, dass die Mobilisierung einer breiten Basis wahnsinnig schwierig geworden ist – schon lange, bevor man für ein gemeinsames Ziel gemeinsam auf die Straße gehen würde, hätte man sich über die Farbe der zu verwendenden Schnürsenkel oder dergleichen schon lange gegenseitig die Augen ausgebrannt.
    Also wie, es gibt keine Subkultur? Es gibt nur noch Subkulturen! Selbst die ganze Mainstream-Scheiße, vom Neoliberalismus bis zu Popstars, muss wenigstens den Anschein machen, anders und kreativ zu erscheinen – sonst kauft es keiner mehr! Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war die Welt so divers, so reichhaltig, so bunt an Menschen unterschiedlichster Auffassungen: es gibt heute nichts, was es nicht gibt. Und wie nannte die Autorin es doch: „keine Subkultur“? „Wenig außer einer Ansammlung von Konsumvorgaben?“
    Es tut mir ehrlich gesagt ein bisschen leid für sie, dass sie trotz ihrer 25 langen Lebensjahre keinen der Millionen, wenn nicht gar Milliarden, von Menschen treffen konnte, die sehr wohl ihre eigene Subkultur zelebrieren – vom Kokser bis zum Computer-Honk – denn nur weil man jemanden nicht erkennt, weil man seine individuelle Einstellung und sein individuelles Werk nicht entschlüsseln kann, heißt das noch lange, lange nicht, dass diese Menschen nicht existieren. Dass wir nicht existieren! Keine Subkultur unter den 25-jährigen? Mach die Augen auf, Mädel, und dann überleg dir, wie wir diese Millionen von Subkulturen unter einen Hut bringen – das wäre dann wenigstens keine Verschwendung kostbarer Zeit mehr!
    Kommen wir zum nächsten Punkt: wir sind uns nicht zu schade. Es klingt wieder wie ein Vorwurf, doch was können wir dafür? Klar, wir werden jahrelang entweder von den Eltern oder vom Staat finanziert. Aber müssen wir uns dessen wirklich schämen? Oder ist es nicht gerade ein Teil dessen, welcher uns unsere unglaubliche Mobilität und Freiheit ermöglicht, dass wir es uns leisten können, darauf zu vertrauen, dass wir nicht verhungern, wenn wir uns unserem Geist widmen? Dass Leute aus den falschen Gründen studieren, arbeiten, promovieren – keine Frage! Aber was ist mit all jenen, die es aus den richtigen Gründen tun? Was ist mit jenen von uns aus dieser Generation der 25-jährigen, die bereit sind, zu investieren, weil sie daran glauben, dass es die Welt verbessert? Lassen wir uns wirklich alle nur ausbeuten, oder haben wir gelernt, von jenen zu lernen und zu profitieren, die nur von uns profitieren wollen? Haben wir nicht gelernt zu protestieren, uns zu mobilisieren, und unser Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – wohl wissend, dass uns dabei keiner hilft.
    Und liegt es nicht vielleicht auch daran, dass wir Master und PhD Studiengänge belegen statt zu arbeiten, weil wir eben noch nicht arbeiten wollen? Weil wir uns eben gerade noch nicht ausbeuten lassen wollen, ersetzbare Rädchen im Getriebe, ohne Meinung, ohne Wille, ohne Rechte? Vielleicht sind wir nicht ganz so dumm, wie die Autorin es suggeriert: kann es sein, dass wir nur ganz bewusst diese wenigen Jahre zwischen Schule und Beruf bis zum Tod nutzen und feiern? Dass wir zwar zwischen hemmungsloser Freiheit während des Semesters und quasi-Versklavung während der Abzocker-Praktika schwanken – aber dass es stets unsere Wahl ist, und dass wir dieses Leben als die bessere Alternative erkennen?

    Man könnte darüber stundenlang sinnieren – doch nun zu einem weiteren Spannenden Teil des Artikels: zusammenhangslos greift die Autorin, offensichtlich verspießt von Ferse bis Scheitel, nun unter anderem das Thema der Pornographie auf.
    Und wieder ist es eine Attacke gegen die Freiheiten des Internets. Wieder ist es ein Missverständnis bzw. ein Nicht-Verständnis dessen, was uns das Netz bieten kann, wenn wir es zu benutzen wissen. Dass ich mir jederzeit zu geilen Youporn Videos einen wichsen kann bzw. dass jeder erwachsene Mensch im Internet Ideen für und Befriedigung seiner sexuellen Neigungen finden kann, ist ein großer Gewinn für die Menschheit, und selbst die größten Spießer wissen das mittlerweile zu schätzen. Dass jedes 9-jährige Kind Zugang zu Vergewaltigungs- und Snuff-Videos hat, ist hingegen eine der Schattenseiten dieser Technologie.
    Es ist einmal mehr wohl daran, die Erziehenden besser auszubilden bezüglich dieser neuen und unumgänglichen Herausforderungen , als unsere Generation – die versauten, nutzlosen 25er – dafür zu kritisieren, dass sie in einer verlogenen und falschen Welt regiert von Geld und Macht kostenlose Pornos als willkommende Abwechslung und Quelle der Inspiration zu verstehen gelernt haben.

    Zu guter Letzt noch das angebliche politische Desinteresse unserer Generation:
    Fangen wir mal, ganz langsam und Schritt für Schritt, von vorne an: die Politik ist ein Schauplatz der Macht- und Geldgeilen, und der Korrupten, der Korrumpierbaren. So ist es schon lange, aber mindestens seit wir denken können – wir, diese verlorene, verschrottbare Generation der 25-jährigen. Wen wundert es da noch, wenn wir uns abwenden von dieser Politik, die uns nicht respektiert, ja noch nicht einmal anerkennt, und die uns Tag für Tag das Leben ein bisschen schwerer macht?
    Und wieder dient ein banales Beispiel als Beurteilungsgrundlage und Spiegel einer ganzen Generation. Die Autorin behauptet nach wie vor eiskalt: wir (die 25er) sind unkritisch, feige, und der Meinung ,die freie Marktwirtschaft wäre das Non-plus-ultra. Wir würden das System nicht in Frage stellen –
    Dies wirft die Frage aus, Mädel, wo du die letzten Jahre gesteckt hast. Mit was für Leuten du dich umgibst. Was du studierst und welche Veranstaltungen du besuchst, ob du schon mal von Heiligendamm gehört hast, und von dem, was dort los war.
    Wo immer ich auch bisher war, und was auch immer ich dort fragliches getrieben habe mag, binnen Kurzem, binnen Kürzestem, fand ich stets heraus, dass die meisten politisch sind, politisch denken! Es mag etwas anders sein, sich dann auch wirklich politisch zu engagieren, und ich verstehe all jene, die es nicht tun, um sich treu bleiben zu können und frei zu bleiben – doch politisch denken, das tun die meisten! Man merkt es nicht, bis man sich die Zeit nimmt, mit den Jugendlichen zu reden, die herumlungern und Nasen ziehen, und mit den Punks aus dem U-Bahn Schacht, und mit den gebeutelten Bachelor-Studierenden, und mit den Tausenden und Millionen anderen, die alle ganz genau wissen, was ihnen auf den Sack geht.
    Sie sind die Politiker, die wir bräuchten: sie sagen, was sie denken, und sie lügen viel seltener. Und sie gehen zwar nicht wählen, aber doch sind sie politischer und denken politischer als die ganze Regierung zusammen: es sind jene, die sich noch nicht aufgegeben haben.
    Sie kommen aus allen Schichten, allen Altersklassen, allen Ländern und allen Religionen: sie, das sind wir. Und wir denken alle politisch! Verdammt, es ist auch wieder nur ein banaler Begriff, der im elitären Politiker-Style in den Raum geworfen wird: politisches Denken.
    Was ist das? Was heißt das? Und wie legitimiert sich das?
    Ist die Aussage eines betrügenden und manipulierenden Machtmenschen wirklich mehr wert, als die Überzeugung, die aus dem Herzen des türkischen Kloputzers spricht? Sind wir wirklich noch so krasse Nazis, fragt man sich da, haben wir wirklich so wenig gelernt?
    Und wie kann es sein, dass die Bänker alles versauen, und dann Millionen-Boni kassieren? Dies sind die Sachen, die man unpolitisch denkenden Leuten erzählen kann, ja. Aber heute denken wir alle politisch. Das Ghetto-Kind hasst die Bullen. Der Hippie hasst Bush. Die Bullen hassen die Jugend. Die Jugend hasst die Alten –
    Alles nicht schön, dass ist sicher richtig! Aber alles politische Botschaften, alles Teile diverser Subkulturen, alle mit ihrer eigenen Form der Kritik. Wir haben längst gelernt, dass man uns nur zuhört, wenn wir auf drastische Weise in unserer eigenen Art reden. Und Sie werden aufschreien, aber gelernt haben wir es hier in Deutschland von der RAF. Wir mögen vernünftiger scheinen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir explodieren. Ob in dieser Generation oder der nächsten, am Ende, wenn wir irgendwann mal zu viel von eurem Mist haben, dann werdet ihr merken, dass wir mehr sind als verwöhnte und desinteressierte Kinder…
    Nicht-politisch denkend? Ich kann nur lachen! Wie gesagt, ich habe noch keinen aus unserer angeblich verlorenen Generation 25 getroffen, der keine politische Meinung hatte –
    Es ist ein großer Fehler der sich noch rächen wird, dass all jene, die politik-verdrossen sind, als unpolitisch abgestempelt werden! Nicht alle, die nicht wählen gehen, sind zu faul – viele sind nur verloren und alleingelassen. Sie sehen, dass sie in alle Richtungen verarscht werden –
    Und wenn man sich die Zeit nimmt, mit ihnen zu reden, dann stellt man fest, dass sie durchaus Ideale haben, Ziele, und vor allem Ahnung, und vor allem im Feld der Politik: sie sind die, bei denen all die leeren Versprechungen nicht ankommen. Wir sind das!
    Unpolitisch??
    Frag mich doch, komm und frag uns: was denken wir vom Krieg in Afghanistan? Von den dreckigen Heuschrecken? Vom Wehrdienst, von Schäuble’s totalem Überwachungsstaat, von Internetzenur, von CIA Aktivität in Deutschland?
    Frag uns, was wir wählen, oder warum wir nicht wählen, oder warum wir die verfickte NPF wählen – doch das macht keiner! Lieber nennen sie uns „politik faul“ und lassen uns im Regen stehen, als dass sie auch nur eine Sekunde investieren würden, um uns zuzuhören.
    Wir – die Generation der 25-jährigen – wir haben alle eine Meinung. Zu allem! Manche von uns sind besser, und mache schlechter informiert – aber kommt her und fragt uns! Kommt her und fragt mich!
    Und bevor ihr das nicht getan habt, und bevor ihr nicht all die Leute gefragt habt die sich Tag für Tag den Arsch ganz weit aufreißen für ein besseres und halbwegs lebeswürdiges Deutschland – bevor das nicht passiert, tut was ihr wollt: aber nennt mich, nennt uns, nicht unpolitisch!
    Wie gesagt, ich bin 25: ich bin sozusagen das Ebenbild dieser bösen, verantwortungslosen und desorientierten Generation der heute 25-jährigen. Und ich kenne einige Leute meines Alters, plus minus ein paar Jahre hin oder her. Auf die meisten treffen keine bis wenige Punkte deiner Analyse zu. Andererseits kenne ich natürlich Leute – mich nicht ausgeschlossen – die Eigenschaften dessen verkörpern, was vor allem deine Überschrift aussagt: dass wir Angst haben vor Erwartungen – ob sie nun von uns oder der Gesellschaft oder den Eltern auferlegt sind – und dass uns diese Tatsche oft irritieren und gar lähmen kann.
    Aber ein solch einseitiger und kurzsichtiger Artikel voller billiger Pauschalisierungen kann nicht die Lösung sein – und es ist eine Schande, dass man heute auf Website der SZ nicht mehr sicher sein kann vor solch ausschließlich emotionsgetriebenen An- und angeblichen Einsichten aus Amateurhand.
    Dies ist weniger ein Vorwurf gegen die Autorin – deren Artikel ich jedoch, wie möglicherweise ersichtlich aus den vorhergehenden Zeilen, denkbar schlecht finde – als vielmehr gegen jene, die für seine Veröffentlichung verantwortlich sind:
    Dass im sog. Web 2.0 neue Wege zu erforschen sind, ist selbstverständlich. Dass jedoch die Auswahl der auch sueddeutsche.de präsentierten Artikel, Quizzes und sonstigem Bullshit im Niveau beständig zu sinken scheint, ist eine Katastrophe für eine meiner Meinung nach bisher recht seriöse deutschen Tageszeitung.
    Der generelle Trend, immer mehr Amateur-Geschichten einzubauen, aufgebauscht als große Abenteuer, ist etwas, dass man von Spiegel-online schon lange kennt – aber auch etwas, dass ich mir persönlich von einer guten Zeitung wie der SZ nicht vorstellen konnte (und sei es „nur“ das SZ Magazin).
    Es ist eine Schande, dass ich wertvolle Minuten meines Lebens vergeuden musste, um diese Rechtfertigung für mich und meine verdammte Generation kund zu tun, und noch viel mehr schmerzen mich die Minuten die für die Registrierung draufgingen: man muss es fast Zensur nennen, wenn das schlichte Kundtun einer Meinung Zeit und Privatsphäre kostet.
    Doch ich weiß, dass es sich geloht hat: und wenn es nur einer ist, der diese Zeilen liest, oder sogar wenn keiner sie je liest, oder wenn sie eine verdammte Million lesen – all das wird nichts daran ändern, dass eines klargestellt wurde:
    Wir, die Generation der 25-jährigen, haben einiges auf dem Kasten. Wir werden uns durch die Scheiße kämpfen, die unsere Vorgänger uns auferlegten –
    Auch wenn sie uns jetzt umso härter dafür angreifen, dass wir teils so wurden, wie sie wollten, dass wir werden –
    Und, ganz im Ernst, letzten Endes sieht es doch so aus, dass wir uns dieses Leben nicht ausgesucht haben – wir werden nur damit fertig.
    Angst vor Verantwortung? Da können wir nur lachen!
    Denn uns – der Generation der 25-jährigen – hat man schon längst alle Schuld in die Schuhe geschoben.
    Ganz unschuldig sind wir natürlich nicht – doch am wenigsten die, die da behaupten, ihre Generation würde versagen.
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