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aus Heft 45/2009 Kunst 2 Kommentare

Weniger (viel, viel weniger) ist mehr

Seite 2

Von Christine Zerwes 


Ihre Mikroversionen von Betty Boop oder dem FIFA-Worldcup-Pokal sind nur zirka 0,008 Millimeter groß – das entspricht der Größe eines menschlichen Blutkörperchens. Mit welchen Werkzeugen arbeiten Sie?
Natürlich brauche ich ein Mikroskop. Ich habe mir Meißel gemacht aus Nägeln, an denen ich Rubin- und Diamantsplitter angebracht habe. Und ich habe mir selbst ein Mikroskalpell gebaut. Wenn eine Figur fertig ist, nehme ich die kleinste Wimper am Rand meines Augenlids und reiße sie heraus. Mit einer Pinzette wird sie zu einem winzigen Pinsel. Früher habe ich ein Haar vom Rücken einer Fliege genommen, aber die Wimper funktioniert genauso gut.

Aus welchem Material sind Ihre Kunstwerke?

Einige sind aus Teppichfaser. Manchmal schneide ich auch Stücke von Nylonetiketten aus einem T-Shirt, oder ich arbeite mit kleinen Teilen von Kabelbindern. Auch Sandkörner kann ich formen mit meinem Diamantmeißel.

Wie lange brauchen Sie für eine Skulptur?
Wenn ich so etwa 18 Stunden am Tag arbeite, brauche ich ungefähr zwei Monate, für einige sogar mehr. Danach muss ich meist drei Wochen Pause machen und mich erholen. Im Jahr schaffe ich zwischen vier und fünf Skulpturen.
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Wenn man so konzentriert über Wochen an einer Skulptur arbeitet und sie dann einatmet, wie Ihnen das mit Alice im Wunderland passiert ist – will man dann nicht alles hinschmeißen?
Doch. Aber ich habe gelernt, mich zu beherrschen. Ich bin inzwischen sicher einer der geduldigsten Menschen der Welt. Wenn etwas schiefgeht, denke ich mir immer: Ein Fehler ist nur ein Schritt auf dem Weg zum Erfolg – dann fang ich wieder von vorne an.

Verdienen Sie mit Ihrer Kunst Geld?
Ja, seit ungefähr acht Jahren. Es ging los, als ich für ein Brautpaar eine Figur auf ein Streichholz setzte. Einer der Gäste war so fasziniert, dass er einem Journalisten von mir erzählte. Der hat eine Geschichte über mich geschrieben, die durch alle englischen Zeitungen ging. Bald darauf war ich im Frühstücksfernsehen, in den Nachrichten. Menschen haben mich angerufen und wollten in mich investieren. Man half mir, eine Ausstellung zu organisieren mit all meinen Arbeiten. Und plötzlich war ich bekannt.

Welche Leute kaufen Ihre Werke?
Sammler und Prominente wie Elton John, Mike Tyson und Prince Charles haben eine. Die Skulpturen werden in eine durchsichtige Kugel mit Mikroskop hineingebaut, damit man sie gut ansehen kann. Das Ganze sieht sehr edel aus, wie eine Stereoanlage von Bang & Olufsen.

Ihr Ehrgeiz ist es, immer noch kleinere Skulpturen zu machen. Wo ist die Grenze?
Ich habe Samson aus dem Alten Testament im Haar eines Menschen gemacht, das ich gespalten habe, und Charlie Chaplin auf einer Wimper. Beide sind ungefähr zwischen 0,006 und 0,008 Millimeter groß. Aber vielleicht schaffe ich bald noch kleinere.

Im Moment begleiten Sie Ihre Ausstellung durch Amerika. Wie reagieren die Menschen auf Ihre Kunst?

Die Leute flippen aus, wenn sie die Sachen sehen. Sie schreien: »Das ist ja unglaublich!« Das ist immer wieder ein großer Moment für mich: das fassungslose Erstaunen der Menschen, wenn Sie durch das Mikroskop sehen.

Der schönste Lohn für harte Arbeit?
Ja.

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Eine Skulptur von Willard Wigan wird sich Christine Zerwes bis auf Weiteres leider nicht kaufen können, ihr Favorit, der kleine Hulk, der ein Nadelöhr zerbricht, kostet rund 90 000 Euro. Im Moment arbeitet Willard Wigan an der Mikrodarstellung des Letzten Abendmahls.

Für mehr Informationen besuchen Sie die Website von Willard Wigan.


Kommentare

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Kommentar:

  • Annemarie W. (0)
    Bernward Meier (1) sagte:
    Meiner Meinung nach ist Mr. Wigan ein Plagiator. Der Ukrainer Mikola Szjadrisztij macht solche Miniaturen schon seit Jahrzehnten.


    Das macht Herrn Wigan meiner Meinung nach nicht zum Plagiator. Was ist im Handwerk und der Kunst schon einzigartig? Beide Herrschaften sind vorzügliche Künstler die mit beneidenswerter Fingerfertigkeit und Geduld gesegnet sind. Herr Wigan hat zudem die bessere Geschichte parat. Atemberaubend und rührend! Sehr interessant zu lesen.
  • Bernward Meier (1) Meiner Meinung nach ist Mr. Wigan ein Plagiator. Der Ukrainer Mikola Szjadrisztij macht solche Miniaturen schon seit Jahrzehnten. In diesem Sommer war eine Ausstellung mit seinen Miniaturen im ungarischen Ort Szentendre im Museum Korona Etterem. (E-Mail:korona.hu@freemail.hu)
    b.m.