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aus Heft 04/2010 Wissen

Argumente? Wen kümmern Argumente?

Meredith Haaf  Illustration: Eva Hillreiner

Wer den Klimawandel bekämpfen will, muss die Menschen nicht überzeugen, sondern erziehen: zu Eitelkeit und Neid.

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Der Mensch wird zwar immer älter, aber zum Überleben ist und bleibt er zu dumm. In der Geschichte der Menschheit gibt es etliche Beispiele für Hochkulturen, die ausstarben, weil es ihnen nicht gelang, ihre Gewohnheiten zu ändern. Die Bewohner der Osterinseln holzten den Wald, ihre Lebensgrundlage, bis auf die letzte Palme ab; die normannischen Siedler auf Grönland bauten erst 500 Jahre lang eine funktionierende Gesellschaft auf, weigerten sich aber, ihre Ernährung auf Fisch umzustellen, als nicht mehr genug Vieh vorhanden war – und starben aus.

»Wie kann man nur so blöd sein?«, fragen wir uns da – und steigen in den Golf oder den Billigflieger, hauen ein Steak in die Pfanne oder zünden ein Feuer im Kamin an: Gut möglich, dass zukünftige Generationen sich fragen werden, wie diese hoch entwickelte Zivilisation des 21. Jahrhunderts – ja, das sind wir – es fertiggebracht hat, sich selbst auszurotten.

Es gibt zwingende Gründe, unseren Lebensstil zu ändern, aber gut genug sind sie uns trotzdem nie. Wir wissen, da tickt eine Zeitbombe, aber wir spüren die Gefahr nicht, dafür ist sie zu abstrakt, zu weit weg. Teils leugnen wir tatkräftig (»Der Klimawandel ist eine Erfindung von Ökofaschisten«), teils nur passiv (»Was bringt es, wenn ich meinen Müll trenne und die Chinesen gleichzeitig die Luft verpesten?«) – das Ergebnis ist das Gleiche.

Wir haben Fakten, Beweise, Beispiele – und verdrängen sie. Fast neunzig Prozent der Europäer halten den Klimawandel für eines der drängendsten Probleme der Welt, trotzdem wurden die Pro-Kopf-Emissionen von Privathaushalten in den letzten Jahren kaum gesenkt.

Sollen wir wirklich verinnerlichen, dass Klimaschutz notwendig ist, sollte man uns besser manipulieren als aufklären, dazu hat die American Psychological Association (APA) gerade eine Studie veröffentlicht. Sie erklärt, wie durch ein paar Tricks jeder von uns zum Klimaschützer gemacht werden kann, indem unser Hang zu Eitelkeit, Neid und Selbstdarstellung angestachelt wird. Anders gesagt: Wir tun alles, um die Umwelt zu schützen, solange wir es nicht merken und dabei gut aussehen. Junge Menschen reagieren nun mal eher auf Lifestyle-Argumente als auf Ökomoral.

Fuhren früher ausschließlich Kuriere und Germanistik-Studenten mit dem Fahrrad durch die Stadt, radeln heute auch Investmentbanker ins Büro. Und alles nur, weil sich in New York und London ein skurriler Trend, eine regelrechte Mode entwickelt hat: alte Rennräder und »Fixed Gears«, Räder ohne Bremse mit nur einem Gang. Und weil wir Trends gern hinterherrennen, hat das Fahrrad in den letzten Jahren einen enormen Statusschub erfahren: Stilbewusste Städter zwischen dreißig und vierzig verzichten aufs Auto, fühlen sich gut und verhalten sich ganz nebenbei umweltfreundlich.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie das Prinzip der sozialen Kontrolle zu einem regelrechten Öko-Wettkampf ausgebaut werden kann.)
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