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aus Heft 09/2010 Fernsehen 7 Kommentare

Streber in Not

Johannes B. Kerner hat ein Problem: schlechte Quoten. Er behauptet, alles werde gut. Alle anderen sagen, der Zug sei abgefahren. Besuch bei einem, der nicht erkennt, dass seine Zeit vorbei ist.

Von Max Fellmann und Rainer Stadler  Fotos: Albrecht Fuchs



Wenige Männer in Hamburg sind so gut geschützt wie Johannes Baptist Kerner. Der Weg zu seinem Büro führt an einer Schranke vorbei, die von zwei bewaffneten Polizisten bewacht wird, Zutritt nur nach Ausweiskontrolle und Gesichtsvergleich.

Die Sicherheitsmaßnahmen haben zwar nichts mit der aktuellen Lage von Kerners Sendung zu tun, sondern nur mit dem amerikanischen Konsulat, das gleich neben Kerners Produktionsfirma residiert. Trotzdem kommt es dem Mann zurzeit wohl ganz gelegen, dass er gut abgeschirmt ist. Denn es läuft nicht gut: Seitdem er vom ZDF zu Sat 1 gewechselt ist, schauen ihm nur noch halb so viele Menschen zu wie vorher. Die Quote ist niederschmetternd.
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Beim ZDF konnte er moderieren, was er wollte: Kochshows, Jahresrückblicke, Unsere Besten und natürlich mehrmals pro Woche seine Talkshow – immer hielt ihm seine Fangemeinde die Stange. Vorbei. »Kerner steht mit dem Rücken zur Wand«, schreibt die Welt. »Der Alles-Richtigmacher macht alles falsch«, urteilt die Berliner Zeitung. Im Zeit-Magazin erklärte er letzte Woche, das werde schon noch, er wolle seinem Sender einen »Quotenerfolg verschaffen«. Aber von Quotenerfolg kann keine Rede sein, im Gegenteil.

Es ist erstaunlich, mit welcher Verve Kerner das Desaster schönredet. Beim ZDF, dem Sender mit den ältesten aller Fernsehzuschauer, galt er als der frische Wind, das jugendliche Zugpferd. Jetzt zieht er seinen neuen Sender nach unten. Mal erreicht er sieben, mal neun Prozent der Zuschauer, der Senderschnitt liegt bei elf Prozent. Kürzlich, immerhin, schaffte Kerner 13 Prozent – davor hatten allerdings 25 Prozent den Film Der goldene Kompass gesehen. Das heißt rein rechnerisch: Jeder zweite Zuschauer schaltet ungerührt weg, sobald Kerner auf dem Bildschirm auftaucht. Kerner war nie besonders beliebt bei den Fernsehkritikern, aber er konnte immer auf seine Einschaltquoten verweisen. Und jetzt?

»Mir geht’s gut, mir geht’s sogar … recht gut«, sagt Kerner recht zögerlich. »Ich stehe nicht mit dem Rücken zur Wand, das sehen Sie doch, sondern sitze mit dem Rücken zur Sonne.« Er grinst und deutet mit der Hand zum Fenster, hinter ihm hängt die amerikanische Flagge müde auf dem Dach des Konsulats, daneben dümpelt die Außenalster. Kerner sitzt in seinem Büro an einem schweren dunklen Holztisch, vor sich eine Plastikflasche Mineralwasser, an den Wänden selbst gemalte Bilder seiner vier Kinder.

Heile Welt?

Eigentlich wolle er gar nicht über Zuschauerzahlen sprechen, denn »auch für mich gilt der ewige Fernsehsatz: Wer seine Quote erklären muss, hat schon verloren«. Sagt er und schiebt Erklärungen für die niedrigen Quoten hinterher: »Die Sendung wird jetzt von Werbung unterbrochen, keine Überraschung beim Privatfernsehen, da schalten Zuschauer um, auch das ist nicht neu.« Aber dass gleich jeder Zweite wegschaltet? Kein Problem, alles ganz logisch, sagt er: »Nach jedem Spielfilm gibt es einen kompletten Zuschaueraustausch, das ist halt so.« Man müsse erst langsam ein Gefühl für die Sendung kriegen, er selbst, aber auch die Zuschauer.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Der ehemalige Chef eines Privatsenders, der Kerner gut kennt, aber lieber anonym bleiben will, meint lapidar: »Die Quote sieht aus wie in Stein gemeißelt. Erfahrungsgemäß geht da nichts mehr nach oben.«)

Kommentare

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Kommentar:

  • Stephan Straube (1) Stephan Straube
    Die Lektüre des Artikels habe ich nach der ersten Seite abgebrochen. Von Leuten, die nicht wissen, dass es in Hamburg keine amerikanische Botschaft gibt und dass "das Zeitliche segnen" ein Synonym für sterben ist anstatt für einschlafen, kann man wohl nichts Vernünftiges erwarten. Bringen Sie bitte den Schreibern Ihrer Artikel erst einmal ein bisschen Allgemeinbildung und Grundkenntnisse der deutschen Sprache bei. Ein Niveau, welches in keinem Verhältnis zu Ihrem Anspruch steht. Die Herren sollten besser bei der Bild Zeitung unter kriechen.
  • jan bevurdi (0) Ja, hab mich auch gewundert, warum nicht ein einziges Mal die Quoten wenigstens erwähnt werden. Also die Zahlen. Und warum nochmal muss ein Satz anfangen mit: "Er sagt nicht..."? Haben ihn die Journalisten nicht gefragt? Das ganze verrät im Grunde mehr über die Einstellung der Porträtschreiber als über den Porträtierten. Traurig.
  • Oskar Rumpfmöller (0) Der Verfall des SZ-Magazins geht mit diesem Artikel weiter. Man muss Kerner nicht mögen, nach dem Lesen dieses Artikels möchte man ihn aber direkt in Schutz nehmen. Die Art und Weise, wie Sie hier über diesen Moderator herziehen, reicht vielleicht für eine Schülerzeitung, deren Redakteure aus Prinzip schon gegen etablierte Medien anschreiben. Mit Journalismus hat das aber nichts zu tun. Die Fülle an Fehlern, die die SZ in ihrer Samstagsausgabe sogar zu einer Korrektur veranlassten, macht die Sache noch ärgerlicher.
  • walter koppe (0) Die Widersprüchlichkeit bzw. Beliebigkeit bei Kerner ist mir zum ersten Mal als Beschäftigter beim Bodenverkehrsdienst eines Flughafens so richtig aufgefallen. Damals warb Kerner groß "Klasse Service mit Herz - ganz Deutschland und Europa - für nur 29 Euro". In dieser zeit wurde am Airport immer mehr tarifvertraglich Beschäftigtes personal durch Billiglohn-Leiharbeiter verdrängt - ich selbst war schliesslich direkt Betroffener.
    Der einzige Gewinner an derlei Werbung war dann wohl der ohnehin Best-Verdiener Kerner, der auf Kosten der Billiglohn-Beschäftigten noch einmal eine satte Geldbeträge erhielt.
    Das Schärfste war dann, als Kerner wenige Wochen später das Thema Billiglohn und Leiharbeit in seiner Sendung mit Geisler & Co. diskutieren liess, und dabei ziemlich Betroffen tat - ich weis bis heute nicht ob aus Unwissenheit und Dummheit. Immerhin hatte ich meine eigene Geschichte danach u.a. ans ZDF weitergegeben, und wenig später war er dann draussen. Weitere Monate später hatte gab es bei der ARD-Sendung Panorama eine Reportage zum Thema Billiglohn, die Horst Seehofer (dem Hausherren für Billiglohn) in Erklärungsnot brachte, siehe www.mucarbeiter.de
  • Werner Mantel (1) Mir geht´s wie Herrn Kroll (s.o.): Ich bin kein "Kerner-Gucker", aber mehr Nivaeu als seine Kritiker, die Botschaft und Konsulat verwechseln, dürfte er haben.
  • Karl Kroll (0) Ich mag Kerner nicht, aber ich sehe ihn mir auch nicht an - muss man ja nicht unbedingt. Aber was die Herren Max Fellmann und Rainer Stadler uns hier als Journalismus verkaufen wollen, befindet sich auf dem Niveau der Bild und sonstiger windiger Blätter. Ich möchte das nicht weiter kommentieren, es würde diesen Rahmen sprengen. Ich verfolge mit mildem Schrecken den Abstieg eines Blattes, das ich einmal mit Genuss gelesen habe.
  • Marcel Hollenstein (1) super titelbild. schenken sie herrn kerner einen eintritt zu maria lassnig- ausstellung in muenchen. oder wenn er nicht kann, ein bildband von francis bacon. vielen dank.