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aus Heft 12/2010 Kunst 2 Kommentare

Eine schöne Sauerei

Das Meerschweinchen hat in der Kunst bisher keine tragende Rolle gespielt. Das ändert sich jetzt - mit den Bilden des Malers Cornelius Völker.

Von Walter Grasskamp  Cornelius Völker (Bilder) - Courtesy Schirmer /Mosel Verlag München

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Es gibt Tiere, die entschieden zu oft gemalt worden sind, Hirsche, zum Beispiel, oder Pferde. Im 19. Jahrhundert ist die Tiermalerei sogar eine eigene Kleingattung der Genremalerei geworden, wofür München so berühmt wie berüchtigt wurde: berühmt, weil Franz Marc sich hier anschickte, im Tier das existenzielle Gegenüber des Menschen auszuloten; berüchtigt, weil es regelrechte Spezialisten gab, für alpenländische Nutzvieh-Idyllen wie für verspielte Kätzchen. Einer von ihnen ist, seiner zoologischen Marktnische entsprechend, sogar als »Enten-Koester« in die Kunstgeschichte eingegangen. Als er 1932 starb, starteten die Enten gerade eine ganz andere Karriere im Comicstrip.

Dagegen wird die Liste selten oder nie gemalter Tiere wohl ungeschrieben bleiben. Auf ihr dürften der Nacktmull, der Beutelteufel oder das Erdmännchen Spitzenplätze einnehmen. Und natürlich das Meerschweinchen. Wenn es stimmen sollte, dass jede Tierart ein den Menschen von Gott aufgegebenes Rätsel ist, wer hätte dann die Lösung für dieses Tier parat, von dem man als Laie nur den Eindruck gewinnt, dass es nichts kann und nichts weiß und nichts will, außer dem Allerüblichsten?

Kinder wollen ein solches Tier aber bereits haben, wenn sie nur den Namen hören. Ob sie in der Verkleinerungsformel einen verständigen Partner ihrer eigenen Miniaturexistenz erhoffen oder ein noch kleineres Geschöpf,
das sie herumkommandieren können, das stellt sich dann erst in der Praxis heraus.

Es ist nicht nur die Koseform, die ihnen das Tier empfiehlt, sondern auch seine Namenspoesie. Dabei hat dieses kompakte Lebewesen mit einem Schwein ebenso wenig zu tun wie mit dem Meer. Es ist vielmehr ein Nagetier und zog ursprünglich hoch gelegene Andenregionen den menschlichen Behausungen entschieden vor, wo es für den Sonntagsbraten angefüttert wird.

Kinder kann man wohl kaum boshafter ärgern als mit dem Hinweis auf die Essbarkeit ihres Streicheltiers, und sei es eines, das sich jedem Kuschelversuch so panisch entzieht wie ein ungelerntes Hausmeerschweinchen. Auch im Hinblick darauf, was Erwachsene mit ihm vorhaben, wirkt es eher begriffsstutzig. Als Opfer von Laborexperimenten ist das guinea pig im Englischen daher ebenso sprichwörtlich wie hierzulande das Versuchskarnickel. Beiden hätte man dieses Schicksal gerne erspart, dabei sind sie selber aber keine große Hilfe.

Und natürlich musste der Mensch seine gattungsspezifische Hybris auch an diesem Tier auslassen: Mit Züchtungen sorgte er für eine noch größere Vielfalt von Arten, als er selbst überhaupt schon verstanden hat. So kam eine Sortenbreite in die Welt, in der gerade die Geschmacksverirrungen hervorstechen. Als wenn ein Meerschweinchen nicht normalerweise schon komisch genug aussähe!

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum die Meerschweinchen-Bilder von Cornelius Völker kinetische Kunst sind.

Kommentare

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Kommentar:

  • Clea Walford (0) Mir gefällt der Artikel auch gut. Zumal ich schon immer ein grosser Fan von Meerschweinchen Postern und Kalendern war.

    Clea Walford
  • Ute Lübbe (1) Mir gefallen die Meerschweinchen und mir gefällt Ihr Artikel.
    Allerdings habe ich gerade den Beutelteufel und den tasmanischen Tiger schon auf Papier bzw. Leinwand gebannt. Sie sind also selten aber nicht ungemalt.
    Sonnige Grüße aus Marburg
    Ute Lübbe