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aus Heft 31/2010 Internet

Eine Frage des (Ver)Trauens

Till Krause  Foto: Getty

Neuerdings verbieten Hochzeitspaare ihren Gästen, Bilder und Videos vom Fest ins Internet zu stellen. Das verspricht nichts Gutes für die Ehe.



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Jede Hochzeit hat eigene Regeln, und alle sagen sie etwas über das Brautpaar aus. Manche sind vernünftig (In der Kirche keine Blumen streuen, macht den Muschelkalkboden fleckig), andere feige (Bitte keine Powerpoint-Vorträge über den ersten Schultag der Braut). Oder sie zeigen, wie wenig die Gastgeber ihren Gästen zutrauen: Bitte tragt Abendgarderobe. Denkt das Brautpaar wirklich, die Gäste kämen sonst in Jeans und T-Shirt?

Bei der Hochzeit eines ehemaligen Kommilitonen aus Amerika wurde ich neulich zum ersten Mal mit folgender Regel konfrontiert: »Das Brautpaar bittet darum, bei seiner Hochzeit auf Social Media zu verzichten.« Weder Fotos auf Facebook noch Videos auf YouTube oder Twittermeldungen sollten die weißen Tauben bezeugen, die nach der Kirche in den Himmel flogen, und bitte, keine digitalen Kommentare über das schulterfreie Kleid der Braut oder die Rührungstränen über die von Arbeitskollegen umgedichtete Version von When A Man Loves A Woman.
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Es war eine dieser Hochzeiten, bei der ich mich gewundert habe, warum ich überhaupt eingeladen war, hatte ich doch den Bräutigam seit Jahren nicht gesehen und die Braut überhaupt noch nie. Also puzzelte ich mir den Charakter des Paars anhand seiner Hochzeit zusammen. Mein Eindruck: Das Verbot von Social Media bei der Hochzeit lässt tief in die Gedankenwelt des Brautpaars blicken. Es zeugt von Angst, Misstrauen und Kontrollwahn. Nicht unbedingt Zeichen einer glücklichen Beziehung. Wer seiner Hochzeit eine Gebrauchsanweisung beilegen muss, verschickt wahrscheinlich auch vor einem gemeinsamen Picknick detaillierte Listen über mitzubringende Speisen an die Freunde. Im Imperativ. Drei Wochen vorher.

Nun ist eine Hochzeit ja generell ein Fest, bei dem Paare schnell zu verbohrten Perfektionisten werden: Alles muss sein wie im Brautmodekatalog, alles braucht Regeln. Und doch hat es etwas Größenwahnsinniges, wenn Paare die eigene Hochzeitsfeier medial reglementieren wie einen G-8-Gipfel und nur die Bilder ihres offiziellen Hochzeitsfotografen in der Öffentlichkeit sehen wollen. Mein Studienfreund hatte schon früher einen Hang zum Kontrollzwang; es scheint in den letzten Jahren nicht besser geworden zu sein. Gibt es eigentlich Glückwunschkarten mit der Aufschrift: »Locker bleiben, es ist nur eine Hochzeit«?

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Till Krause

Till Krause, 29, ist seit Kurzem Redaktionsmitglied des SZ-Magazins. Er beschäftigt sich vor allem mit Kultur- und Unterhaltungsthemen.

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