aus Heft 06/2011 Medien 32 Kommentare
Da-dam-da-dam-da-daaaa-daaa
Mit dieser Melodie kündigt Bayern 3 seit vierzig Jahren seine Verkehrsdurchsagen an. Drei Millionen Menschen schalten jeden Tag ein – aber was kommt da eigentlich? Unser Autor hörte an einem beliebigen Werktag das komplette Programm durch, ab fünf Uhr morgens.
Von Andreas Bernard
Es ist 7.34 Uhr, die Sendung Die Frühaufdreher läuft seit zweieinhalb Stunden, als zum fünften Mal ein Lied mit dem Slogan »Der Soundtrack deines Lebens« angekündigt wird. Seit Beginn des Jahres steht das Programm unter diesem Jubiläumsmotto; den »Soundtrack deines Lebens« bilden die besten Songs seit 1971, dem Gründungsjahr des Senders.
»Jetzt hören Sie ein ganz besonderes Schmankerl von 1986«, sagt Marcus Fahn, einer der Moderatoren. Im Hintergrund erklingt das Synthesizer-Intro von Touch Me , gesungen von dem blonden Pin-up-Girl Samantha Fox. »Ja, ich hatte damals ein Samantha-Fox-Poster in meinem Zimmer«, verkündet er. »Und ich habe heimlich auf meinem C 64-Computer Samantha-Fox-Strip-Poker gespielt.« Große Begeisterung bei den beiden anderen Moderatoren: »Hast du sie auch berührt damals?«, ruft Fleischi, der Niederbayer, und Claudia Conrath sagt: »Ach, 1986, da hab ich grad Abi gemacht.«
Es ist ein typischer Bayern-3-Moment an diesem Mittwochmorgen: Der alte Popsong, der »Kult-Achtziger«, wie eine ständig wiederkehrende Wortschöpfung des Senders verheißt, löst die Erinnerung an Jugend und Schulzeit aus. Eine Stunde zuvor haben die Moderatoren zum AC/DC-Klassiker You Shook Me All Night Long über Dia-Abende im Freundeskreis debattiert; um halb neun wird Claudia nach einem Hit von 1974 sagen: »Denken Sie doch mal nach, was Sie in dem Jahr gemacht haben, also ich hab lesen und schreiben gelernt.«
Bayern 3 ist eine kollektive Erinnerungsmaschine: Die Moderatoren, fast alle zwischen 35 und 45 und damit genauso alt wie das anvisierte Kernpublikum, haben zwischen 1980 und 1989 die ersten Schulpartys gefeiert, ihren ersten Kuss erlebt. Und die Selbstpräsentationen auf der Homepage des Senders erwecken den Eindruck, als solle dieser Abschnitt ihrer Biografie für immer konserviert bleiben: Sie heißen »Fleischi«, »Kauli«, »Matuschke«, haben die Spitznamen von damals bewahrt, und ihr Blick auf die Welt ist immer noch der des lässigen Kollegstufenschülers in der Raucherecke des Pausenhofs.
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Bayern 3 - klingt dreimal gut
»Und jetzt Bayerns bester Wetterbericht, mit Thomas Anzenhofer«: Alle halben Stunden, zwischen Kurznachrichten und Verkehrsdurchsage, ist in Bayern 3 ausführlich vom Wetter die Rede; hinzu kommen unzählige verzagte Zwischenkommentare über den zurückgekehrten Winter vonseiten der Moderatoren. In den Vormittagsstunden fallen heute unter anderem die Sätze:
»Also, so langsam nervt der Schnee auf den Straßen. Der Freistaat ist wieder schön glatt.«
»Imprägnieren Sie heute Früh Ihre Schuhe noch mal, sonst könnte es sein, dass Sie nasse Füße kriegen.«
»Es gibt sie noch, die Wolkenlücken, aber nur wenige, im Moment trifft man sie eher im Museum an.«
»Hoffentlich ist Ihr Mittagessen ein Highlight, das Wetter ist nämlich keines.«
Die Sprecher geben sich alle Mühe, ihren Missmut über die Vorhersagen im »Bayern-3-Wettertrend« erkennen zu lassen. Die Moderatoren wiederum stellen ihre Musikauswahl regelmäßig in Beziehung zur Witterung draußen: »Was Handfest-Rockiges, das passt ja gut zum Schnee«, sagt Roman Roell um viertel vor zwölf, bevor er Lenny Kravitz spielt; Axel Robert Müller kündigt später einen Song des Hawaiianers Bruno Mars mit der Bemerkung an: »bisschen Sonne im bayerischen Winter«.
Im Bayern-3-Kosmos erscheint es als zentraler Faktor für das Wohlbefinden, ob die Sonne scheint oder nicht, ob es draußen warm ist oder kalt. Heute, an einem Januarmorgen, trüben Schnee und Kälte die Laune der Hörer. An einem überraschend warmen Frühlings- oder Herbsttag ist es bei Bayern 3 bekanntlich genau umgekehrt, dann wird jedes dritte Lied in Verbindung mit dem Glücksgefühl des unverhofften Sommers gebracht. Bereits am Beispiel des Wetters offenbart sich also jenes Weltbild, das der Sender seinen Hörern vermittelt: Das Leben ist von übergeordneten Instanzen und Mächten bestimmt, die man nicht ändern kann, gegen die nichts auszurichten ist.
Die besten Kult-Achtziger
Um 8:10 Uhr kommt zum dritten Mal heute Morgen der Frühaufdreher Showshredder zum Einsatz, ein Apparat, »der alle Sorgen entsorgt«, wie Fleischi sagt. Telefonisch oder per Mail können die Hörer Vorschläge machen, was in der Maschine eliminiert werden soll. Meistens haben diese Vorschläge mit der Welt der Arbeit zu tun. Ein Hörer aus Kötzting im Bayerischen Wald möchte jetzt »seinen Stress« schreddern: »Wenn man gute Mitarbeiter haben will«, sagt er, »muss man sie motivieren und nicht anschreien.« Paul aus Füssen will anschließend die »Zeigefreudigkeit seiner Kollegin« zerkleinern, »die tappt immer mit dem Finger auf den Bildschirm, und ich hab dann diese blöden Fettflecken drauf«.
Am Frühaufdreher Showshredder ist gut abzulesen, welchen Stellenwert die Arbeit und das Büroleben im Programm von Bayern 3 einnehmen. Der Fantasieapparat wird als kleine, spielerische Ausflucht des fremdbestimmten Angestellten in Szene gesetzt. Am Radio zwischen fünf und neun, in der Sendezeit der Frühaufdreher, darf er die Rachegelüste und Ressentiments ausleben, die er in der Realität des Nine-to-five-Jobs wieder unterdrücken wird. Überhaupt bildet die straffe Arbeitswoche - von Montag bis Freitag, frühmorgens bis nachmittags - den seltsam eng gesteckten Rahmen des Programms.
Jedes andere Lebensmodell, ob Selbstständigkeit, Elternzeit oder auch Arbeitslosigkeit, kommt in der Welt von Bayern 3 nicht vor. Und die Moderatoren lassen keinen Zweifel daran, dass es eine entfremdete, von den Hörern zutiefst verachtete Arbeit ist, die verrichtet werden muss, während das Radio läuft. Sie selbst feiern ihre eigene Medienkarriere auf der Bayern-3-Homepage als pure Selbstverwirklichung, als die Erfüllung eines seit Schulzeiten gehegten Lebenstraums. Doch für die Hörer gilt genau das Gegenteil. Ins Büro gehen heißt für sie: sich jeden Morgen überwinden müssen und ab dem Mittagessen den Feierabend herbeisehnen.
Zu den beliebtesten Elementen der Moderation gehört daher die Psychologie der Wochentage. Wer an einem Freitag Bayern 3 hört, wird jede Viertelstunde mit dem Hinweis bedacht, dass dieser oder jene Song »den Start ins Wochenende versüßen« solle und dass die Fron der Werktage »nun endlich vorüber« sei. An jedem Montag zieht sich wiederum das Lamento durchs Programm, wie hassenswert dieser Wochentag doch sei, und der einschlägige Hit der Boomtown Rats darf auf keinen Fall fehlen.
Heute, an einem neutralen Mittwoch, könnte es den Moderatoren vielleicht schwerer fallen, einen Bezug zwischen Wochentag und Arbeitsmotivation herzustellen. Claudia von den Frühaufdrehern schafft es dennoch, ständig Sätze zu sagen wie: »Wir feiern Bergfest heute, es ist schon wieder Mittwoch.« Die Botschaft ist unmissverständlich: »Nur noch zwei Tage«, sollen diese Sätze verheißen, »dann haben wir es geschafft.«
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- Seite 2: Erinnerung ist des Senders wichtigstes Kapital
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00 Uhr 44
Der SWR hat vor 11 Jahren seinen ultraflachen Jingle 'Einfach SWR3' eingeführt und war der Meinung, diesen Jingle den Hörern 'ein gefühltes Duzend Mal' pro Stunde überstülpen zu müssen. Ich habe dem SWR als damals langjähriger Hörer offiziell (und bis heute) meine Freundschaft gekündigt.
Mal abgesehen von dem völig aufgegebenen Informationsanspruch der Pop-Sender stören mich besonders zwei Dinge an dieser Art Radio:
1. Durch die auch beschriebene exessive 'Sonnenfixiertheit' im Wetterkontext wird alles neutral bis negativ dargestellt, was der Erwartungshaltung 'Sonne' nicht gerecht wird. So schaffen es die Moderatoren bei den jeweiligen Wetterlagen schon am frühen Morgen, die Hörer in eine Negativ-Stimmung zu ziehen. Die Stimmungsskala hat keinen positiven Bereich. Sonne entspricht der verbreiteten Erwartungshaltung und ist plus/minus 0, alles andere ist minus x.
2. Es wird danzen Tag lang dem vermeintlichen Massengeschmack nur Mainstream-Pop in ewiger Wiederholung gespielt und dem Hörer-Publikum damit das riesig große Potential von Musik vorenthalten, die es auf der Welt sonst noch gibt. Aufgabe der Sender wäre es, mehr anzubieten und sich nicht nur hinter diesem vermeintlichen Massengeschmack zu verschanzen, denn was jemand nicht kennt fragt er auch nicht nach.
Ich persönlich bin sehr froh, dass der WDR einen Spartensender 'Funkhaus Europa' betreibt, der über Satellit empfangbar ist und mir Musik in der ganzen Bandbreite bietet. Dieser Sender ist duch und durch positiv und damiteine echte Perle! Danke WDR, an dieser Stelle!
17 Uhr 25
" Im Vergleich zu den meisten Privatsendern ist unser Musikangebot sehr breit gefächert, wir haben rund 3000 Titel im Programm - zum Vergleich: viele Private haben max. 800 Titel. Und wir fördern durchaus neue Musik und neue Bands, schwerpunktmäßig in unserer Newcomer-Show, mit unserem Newcomer-Festival, aber auch im "normalen" Programm. Bei uns laufen viele neue und unbekannte Songs bereits Wochen lang, bevor die Konkurrenz drauf einsteigt - da wird oft erst gewartet, ob es wirklich ein Hit wird.
Bei unserer Programmgestaltung versuchen wir jedoch immer an alle Hörer von BAYERN 3 zu denken. Aber jeder Mensch hat andere Gewohnheiten und Zeiten, zu denen er Radio hört oder hören kann (Aufstehen, Autofahren, Arbeit, Spätschicht, etc.).
Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Hörer ihre Lieblingshits zu hören bekommen und nicht mal durch Zufall ?darüber stolpern? ? das gilt für neue Titel aber auch für Klassiker. Es muss gewährleistet sein, dass diese Titel überall im Programm gleichmäßig verteilt laufen, daher laufen häufig nachgefragte Titel öfters am Tag. Abgesehen davon führen wir regelmäßig repräsentative Umfragen unter unseren Hören durch. Die so gewonnen Daten fließen natürlich auch in unsere Programmplanung ein, da wir als Massenwelle des Bayrischen Rundfunks auch bestrebt sind Programm für möglichst viele Hörer zu machen. Und da unterliegen wir leider diversen Zwängen.
Aber abgesehen davon spielt BAYERN 3 sehr viele außergewöhnliche Klassiker und ältere Titel (auch aus den 60ern und 70ern), die auf anderen Sendern nicht oder nur äußerst selten zu hören sein werden - dadurch schaffen wir eine Abwechslung, wie sie es im Format-Radiomarkt nicht sehr oft gibt. Im Übrigen haben wir stärker als je zuvor Flächen geschaffen, in denen ?Schmankerl? laufen (BAYERN 3 die Abendshow, BAYERN 3 Nightlife, Greatest Hits). Natürlich wird es immer wieder vorkommen, dass einem, je nach persönlichem Musikgeschmack, ein bestimmter Titel oder eine bestimmte Musikrichtung zu oft kommt. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich (nicht) streiten."
In einer weiteren E-Mail hieß es:
Ihre Nachricht wurde vor 3 Wochen an die Musikredaktion weitergeleitet und dort auch zur Kenntnis genommen. Für konstruktive Kritik ist sie jederzeit offen. Dank Ihrer Gebühren sind unsere Redakteure unabhängig von der Musikindustrie und können sich nach den Wünschen des Publikums richten.
Um allen Hörerinnen und Hörern gerecht zu werden, vertraut BAYERN 3 auf seine (beworbene und belegte) Kompetenz in Sachen Pop- und Rockmusik. Medienforschung und Feedback-Analysen überprüfen ihre Zielgenauigkeit. Nur so ist es möglich, die Befindlichkeit von über 2 Mio. Menschen zu bedienen.
BAYERN 3 spielt stündlich Weihnachtsmusik. Natürlich gibt es einerseits Hörer, die von ?Last Christmas? nicht genug bekommen können. Und es gibt andererseits Hörer, die das Lied nicht mehr hören können. Mit Shakira ist es ähnlich. Tagsüber ist die durchschnittliche Verweildauer ein solider Indikator für ausgewogene Programmgestaltung. Abends finden Sie mehr der Perlen, die Sie aus US-Genresender kennen.
Ihre Nachricht wurde vor 3 Wochen an die Musikredaktion weitergeleitet und dort auch zur Kenntnis genommen. Für konstruktive Kritik ist sie jederzeit offen. Dank Ihrer Gebühren sind unsere Redakteure unabhängig von der Musikindustrie und können sich nach den Wünschen des Publikums richten.
Um allen Hörerinnen und Hörern gerecht zu werden, vertraut BAYERN 3 auf seine (beworbene und belegte) Kompetenz in Sachen Pop- und Rockmusik. Medienforschung und Feedback-Analysen überprüfen ihre Zielgenauigkeit. Nur so ist es möglich, die Befindlichkeit von über 2 Mio. Menschen zu bedienen.
BAYERN 3 spielt stündlich Weihnachtsmusik. Natürlich gibt es einerseits Hörer, die von ?Last Christmas? nicht genug bekommen können. Und es gibt andererseits Hörer, die das Lied nicht mehr hören können. Mit Shakira ist es ähnlich. Tagsüber ist die durchschnittliche Verweildauer ein solider Indikator für ausgewogene Programmgestaltung. Abends finden Sie mehr der Perlen, die Sie aus US-Genresender kennen.
Ihre Nachricht wurde vor 3 Wochen an die Musikredaktion weitergeleitet und dort auch zur Kenntnis genommen. Für konstruktive Kritik ist sie jederzeit offen. Dank Ihrer Gebühren sind unsere Redakteure unabhängig von der Musikindustrie und können sich nach den Wünschen des Publikums richten.
Um allen Hörerinnen und Hörern gerecht zu werden, vertraut BAYERN 3 auf seine (beworbene und belegte) Kompetenz in Sachen Pop- und Rockmusik. Medienforschung und Feedback-Analysen überprüfen ihre Zielgenauigkeit. Nur so ist es möglich, die Befindlichkeit von über 2 Mio. Menschen zu bedienen.
BAYERN 3 spielt stündlich Weihnachtsmusik. Natürlich gibt es einerseits Hörer, die von ?Last Christmas? nicht genug bekommen können. Und es gibt andererseits Hörer, die das Lied nicht mehr hören können. Mit Shakira ist es ähnlich. Tagsüber ist die durchschnittliche Verweildauer ein solider Indikator für ausgewogene Programmgestaltung. Abends finden Sie mehr der Perlen, die Sie aus US-Genresender kennen.
Ihre Nachricht wurde vor 3 Wochen an die Musikredaktion weitergeleitet und dort auch zur Kenntnis genommen. Für konstruktive Kritik ist sie jederzeit offen. Dank Ihrer Gebühren sind unsere Redakteure unabhängig von der Musikindustrie und können sich nach den Wünschen des Publikums richten.
Um allen Hörerinnen und Hörern gerecht zu werden, vertraut BAYERN 3 auf seine (beworbene und belegte) Kompetenz in Sachen Pop- und Rockmusik. Medienforschung und Feedback-Analysen überprüfen ihre Zielgenauigkeit. Nur so ist es möglich, die Befindlichkeit von über 2 Mio. Menschen zu bedienen.
BAYERN 3 spielt stündlich Weihnachtsmusik. Natürlich gibt es einerseits Hörer, die von ?Last Christmas? nicht genug bekommen können. Und es gibt andererseits Hörer, die das Lied nicht mehr hören können. Mit Shakira ist es ähnlich. Tagsüber ist die durchschnittliche Verweildauer ein solider Indikator für ausgewogene Programmgestaltung. Abends finden Sie mehr der Perlen, die Sie aus US-Genresender kennen."
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01 Uhr 39
Das BUM BUM kam aus ca 100 Meter Luftlinie von der Amerikanischen Botschaft. Dort demonstrierten ca 50, meist junge Leute gegen den Golfkrieg von Busch senior und trommelten hinter den Absperrgittern auf Ölfässern herum.
Das Radioprogramm erwies sich als kaum weniger subtil wie die Ölfässer.
So etwas hatte ich bis dahin noch nicht gehört. Die Moderatoren wirkten überdreht, fast aggressiv fröhlich. Tempo und Tonfall passten weder zu den frechen Jugendsendern die damals glaube ich noch aus Ost und Westberlin sendeten, noch zu den gemächlich- altbackenen Programmen mit Radio Bigbands die einen zum Frühstück vor der Arbeit berieselten.
Bei diesem NEUEN RADIO wurde viel, eigentlich ständig gelacht - nur brauchte es dazu offenbar keinen Anlass. Richtig heiss wurde im Kopf (war es Scham?) als ich dann einen JINGLE hörte den eine martialische Männerstimme mit folgenden Worten ankündigte: "DIE TASCHE VOLL ASCHE !". Das ganze entpuppte sich als kaum kaschierte Hörerbestechung und ging so: Wenn man dem mobilen Sendeteam im Stadtbild Berlins begegnete, sollte man ins Mikrofon rufen : Ich höre ....(wie gesagt ich habe den Namen des Senders gelöscht). Dann gabs als Dank postwendend einen HUNNI auf die Hand, also hundert Mark aus der Tasche voll Asche. Das war ein echter Kulturschock für mich.
Offenbar hat sich nicht sehr viel verändert. Vielleicht ist Das Instrumentarium dieser BESTRAHLUNG für das Heer der Lohnarbeiter inzwischen ausgefeilter - es scheint so. liest man den Artikel. Zwar kenn ich Bayern 3 nicht wirklich aber es gibt hier und anderswo ähnliches Kampfradio.
Ich weiss nicht ob die Zusammenhänge zu Weltsicht, Gewalt und Ohnmacht im Arbeitsleben schon mal so gut und ausführlich beschrieben wurden.
Danke an das Magazin und den Autor. Ich wünsche mir mehr solche Alltagsforschung. Und Ihnen, dass der Artikel wandert und Beachtung findet. Ich habe ihn schon mal bei Facebook gestreut- auch bei der beachtenswerten Facebookseite Bedingungsloses Grundeinkommen. Denn Das passt, wie ich finde, gut zu den Themen die der Artikel anreisst.
Wann finde ich eigentlich dazu , zum GRUNDEINKOMMEN was in der SZ? Bis auf eine erstaunliche Rezension im Wirtschaftsteil zum Buch von Götz Werner / Adrienne Goehler fand ich bisher nüscht.
Gruss und weiter so
C.Hückstädt
16 Uhr 36
Ich mag, was der Autor so verdammenswert findet. Ich mag diesen Sender und ich mag seine Moderatoren.
Herr Bernhard: hören Sie Bayern 3 doch mal eine oder zwei Wochen und schreiben Sie den Artikel dann noch einmal neu. Denn dann werden Sie festgestellt haben, dass die Matuschkes und Fleischis dieses Senders einzigartige, liebenswerte und eloquente Moderatoren sind. Das jeden Samstag der Kampf der Geschlechter auf witzige und charmant Art und Weise ausgefochten wird. Und das die meisten Menschen das Radio nicht 24 Stunden am Tag laufen haben. Was die Wiederholungen der Jingels erklären dürfte.
Liebe Grüße aus meinem Büro - beim 9 to 5 Radiohören
22 Uhr 05
14 Uhr 27
Radio Hamburg (Springer-Verlag) macht's genau so: Immer Freitag wird ein Jingle mehrfach am Tag eingespielt, in dem eine Schar Menschen im Chor "Endlich Freitag" brüllt. Offenbar halten die Sender ihre gesamte Hörerschaft für Menschen, die in schier unerträglichen Berufen ihr Dasein fristen und sich ständig und immerzu nur auf das nächste Wochenende zu freuen scheinen.
Immerhin lässt all dies einen bezeichnenden Rückschluss darauf zu, welchen Geisteszustand die Sender bei Ihren Hörern vermuten. Und wahrscheinlich haben die damit nicht einmal Unrecht. Selten habe ich hochgebildete Menschen getroffen, die freiwillig dem hier verbreiteten Schwachsinn lauschen.
Letztlich ist das Privatradio ja aber ohnehin ein Abziehbild des Privatfernsehens mit all seinen ekelhaften Entwicklungen, nur vielleicht noch nicht so widerwärtig.
10 Uhr 36
Gleiches gilt für die Moderatoren: Ecken und Kanten oder am Ende gar ein eigenes Profil könnte von den Hörern als solches wahrgenommen und vielleicht nicht wertgeschätzt werden - und da man keinen einzigen Hörer verprellen will, muss es schön glatt und rund rasiert sein, auf dass alles das gleiche, schöne Mittelmaß erreiche.
Kein Inhalt, kein Profil, und - ach ja - auch keine Wortanteile über das amtlich festgelegte Maß von 20 Prozent pro Sendestunde - Was bleibt da den armen Herrschaften vor dem Mikrofon noch viel anderes, als sich notorisch gut gelaunt am klapprigen Gerüst des Arbeits- und Wochentages entlang zu hangeln, die Jahreszeiten und die jeweils passende oder unpassende Witterungslage zu kommentieren (und zwar mit exakt der gleichen Expertise, wie jedermann der zum Fenster raus schaut - was natürlich gewollt ist), und die Armseligkeit der Musikauswahl als Kult zu verkaufen?
Warum sollten sie sich auch die Mühe geben, mehr als die immergleichen Textbausteine zu variieren? Denn natürlich wissen sie, dass ihnen eh niemand zuhört. Das ganze Geklingel ist ja eben nicht darauf ausgelegt, dass da draußen im weiten Bayernland (ersetze ggf. durch: Schwabenland, Rheinland, Taka-Tukaland) irgendjemand den Wortmüll bewusst zur Kenntnis nehme! Bei der im Artikel viel zitierten und viel geschmähten Büroarbeit darf in der Regel das Radio doch gar nicht so laut gedreht werden, dass man inhaltlich etwas verstehen könnte und so vielleicht noch von der Arbeit abgelenkt würde. Für Auto und Haushalt gilt Gleiches: Zuhören ist nicht erwünscht, und zwar selbst vom Hörer nicht. Es geht um das gleichmäßige Plätschern der Radiowelle im Hintergrund, aus dem ab und an vielleicht mal die Uhrzeit hochquillt, zur Erinnerung der Wochentag und das Wetter - und ansonsten die Musik, die eine Zeit in Erinnerung ruft, wie es sie einmal hätte sein können, aber natürlich nie war.
Wellen wie BR-3 dienen schlicht Auto-Narkotikum, als eines, das den Patienten bei vollem Bewußtsein lässt. Und er hat es nicht anders verdient: Er will es so.
00 Uhr 42
Muss denn dauernd Roxette kommen - oder Pink, Christiane Stürmer, Unheilig, Silbermond???
Wieviel tausendmal ist der "Summer of 69" hier schon beschworen worden? Kann man die Weather Girls nicht endlich mal und für immer absaufen lassen!!!??
Wenn schon Nostalgie, dann auch mal was, das nicht bügel-kompatibel ist und jede Hausfrau rückwärts mitträllern kann!
Es gibt so eine fantastische, abwechslungsreiche Pop-Szene. Warum findet das in keinem von Bayerns Radios statt (Antenne B. ist genauso Schrott!)
Das es geht beweisen FM4, Radio 1 (Berlin) oder "Zündfunk" (ja... Bayern 2)!.
Leider findet bei Bayern3 eine musikalische Abstumpfung und Verdudelung statt.
Und die Hörer sind schon so weich gespült, daß sie gar nicht merken, was für tolle Popmusik ihnen vorenthalten wird!
21 Uhr 35
21 Uhr 33