Anzeige

aus Heft 09/2011 Frauen 28 Kommentare

Die ungeschminkte Wahrheit

Wie reden Frauen über Männer und den ganzen Rest, wenn sie unter sich sind? Ein paar Freundinnen haben für uns einmal mitgeschrieben. Bei gutem Essen, mit viel Alkohol - und vor allem anonym, damit auch wirklich alle ehrlich sind.

Fotos: Getty, People Picture




(Photocase/Pellegrina)

Eine Wohnung in der Münchner Innenstadt. Sechs Frauen im Alter zwischen 20 und Mitte 50, ein Jack-Russell-Terrier. Aufgabe: Spaghetti Bolognese kochen, dabei trinken, über alles reden. Das Band läuft mit. Nur die Namen sind nicht echt.


Alma
: Es muss noch Worcestersauce dran.
Bea: Worcestersauce? In eine Bolognese? Nur über meine Leiche! Lammhack, Salsiccia, Fenchelsamen – kann ich alles gut leiden. Aber keine Worcestersauce!
Gemma: Wollen wir Champagner trinken?
Alma: Ich mach immer Worcestersauce dran! Ohne Worcestersauce geht das nicht!
Delia: Hallo. Jetzt Champagner.
Alma: Machst du das Zwiebelschneiden mit dem Mixer?
Bea: Dein Hund bildet sich vor lauter Gier ein, er mag Sellerie.
Elsie: Hast du das Ankleidezimmer gesehen?
Delia: Imponiert mir sehr.
Elsie: Alma, ich hätte gerne eine Führung durch deinen Kleiderschrank.
Alma: Ich würde am liebsten achtzig Prozent wegschmeißen. Schaff ich nicht, weil Menschen dafür gearbeitet haben, das sind Rohstoffe.
Anzeige

Bea: Wie viel Knoblauch? Drücken oder schneiden? Ach, drücken.
Elsie: Nicht, dass du Ärger kriegst, wenn du nur zwei Zehen nimmst!
Bea: Wieso? Ich habe ja nicht gesagt, was alles in die Bolognese muss… sondern nur, was unter keinen Umständen reinkommt!
Elsie: Was gibt es denn zu trinken?
Alma: Gin, Wodka, Aperol, Prosecco, Rotwein, Weißwein, Champagner.
Zeta: Ich will Champagner und Rotwein.

Delia: Von wem sind die Blumen?
Alma: Von einem Straßenköter.
Delia: Was ist denn ein Straßenköter?
Bea: Jede Frau hatte mal einen Straßenköter in ihrem Leben. Ein zu wilder Typ mit einem zu wilden Leben, mit dem man nicht zusammenleben könnte.
Delia: Weiß er, dass er ein Straßenköter ist?
Alma: Ja, logisch.
Delia: Der Strauß sieht aber gar nicht straßenköterartig aus.
Bea: Ist eben ein Straßenköter mit Geschmack!

Delia: I like him, but I don’t like him sexually?
Alma: Och, sexually wär schon drin, aber dann? Sollen wir nächstes Jahr heiraten und Kinder kriegen? Weiß er aber auch. Der will lieber straßenkötermäßig rumschlawenzeln.
Delia: Was macht man denn mit Blumen von so einem?
Alma: Na, aufstellen.
Zeta: Mich setzt ja so was unter Druck. Mir wird heiß, wenn solche Typen anrufen.
Delia
: Ich renn zehnmal in die andere Richtung.
Alma: Ich kann das schon. Schau mal, das geht doch nicht weiter, sagt man dann.
Bea
: Warum eigentlich nicht?
Alma: In meinem Alter sind nicht mehr so viele Straßenköter-Abzweigungen drin.
Delia: Vielleicht ist das am Ende gar kein Straßenköter?
Alma: Er wird auch nach dreimal küssen kein Prinz. Klar, man könnte jetzt Straßenköter-Sex haben, das ist ja ganz groß, aber man weiß, wie es weitergeht. Oder nicht weitergeht.

Zeta: Super, jetzt sind wir schon beim Sex. Bisschen schnell, aber warum nicht?
Bea: Besser jetzt als später, sonst wird das so hundsordinär.
Delia: Was ist an Straßenköter-Sex so toll?
Gemma: Dass man nicht daran denkt, was draus wird.
Elsie: Das ist Sex ohne Fortsetzung.
Alma: Das ist Sex, den man in eine kleine Blackbox einschließen kann, Schleife drum, und wenn man will, kann man sich später noch mal dran erinnern.
Zeta: Oder man erinnert sich und denkt: Oh Gott, das hab ich nicht gemacht, oder?

Gemma: Jetzt bitte jeder eine peinliche Sexgeschichte!
Bea: Sind wir jetzt schon bei kleinen Schwänzen oder was?
Alma: Das ist schon traurig und irgendwie auch niedlich, dass die Männermagazine schreiben: Größe tut nichts zur Sache. Tut sie doch. Jemand anderer Meinung?
Bea: Natürlich nicht. Glaubt auch niemand ernsthaft. So was schreiben Männer.
Alma: In Männermagazinen steht, die Vagina ist nur ein paar Zentimeter lang, jede Größe reicht dafür aus. Aber es geht doch auch um das Bild im Kopf.
Elsie: Aber eben nicht nur!
Bea: Was machst du denn dann bloß … als Mann? Das muss doch schlimm sein!
Alma: Sag mal, brätst du erst das Fleisch und dann die Zwiebeln?
Zeta: Umgekehrt geht es nicht.
Elsie: Und als Frau? Wenn du dich in so jemanden wirklich verliebst?
Gemma: Du musst dir was einfallen lassen.
Bea: Vielleicht ein gutes Gespräch.
Zeta: Oder ein sehr großes Herz haben.

Elsie: Das Problem gibt es ja auch anders herum. Mittelwitziger Männerspruch dafür: eine Salami durch eine Turnhalle schmeißen.
Alma: Die Lösung: Es müssen sich die passenden Partner zusammenfinden. Das sollte beim Online-Dating eine Rolle spielen.
Gemma: Jetzt bitte Alkohol, das Gespräch kann nur besser werden.
Delia: Ist euch so was schon oft passiert?
Elsie: Nicht oft.
Bea: Ganz selten eher.
Alma: Es gab schon Grenzsituationen.
Delia: Auch das Problem gibt es anders herum … sagen wir, in Unterarmgröße.
Alma: Äh … kann ich die Nummer haben?

Elsie: Medizinisch gibt es zwei Typen: den Blutpenis und den Fleischpenis. Der eine behält seine Größe, der andere verändert sich mit gesteigerter Blutzufuhr. Hab ich neulich auf der Homepage einer Wahrsagerin aus dem Osten gesehen, die Horoskope aus Geschlechtsteilen liest.
Bea: Die Mädels im Osten haben’s echt nicht leicht.
Elsie: Sie sagt, der Fleischpenis ist ein treuer Geist.
Alma: Darauf: Cheers!
Zeta: Gibt es äußere Merkmale, die auf die Größe schließen lassen?
Bea: »How to meet a Blutpenis?«
Alma: Kann ich die Nummer haben?
Delia: Also, wenn einer ordentlich angezogen ist, kann man nichts sehen.
Bea: Langsam und eng tanzen würde helfen.
Alma: Große Renaissance des Langsam- und Engtanzens muss eingeläutet werden!

Bea: Sag mal, warum wohnst du diesmal nicht bei deiner Schwester?
Zeta: Weil bei ihr alles perfekt sein muss: Sie hatte die Bettwäsche noch nicht gebügelt.
Alma: Gibt’s das? Wir Frauen spinnen doch. Wir denken, wir müssen so wohlerzogen sein. Was soll die nur von mir halten, wenn sie zu mir kommt und meine Bettwäsche
ist nicht gebügelt? Wollen Frauen immer gefallen?
Bea: Ja, schrecklich. Vor meiner letzten Einladung habe ich das Tafelsilber geputzt.
Gemma: Welche Argumente gibt es eigentlich für Tafelsilber? Sind wir nicht aus den Tafelsilber-Zeiten raus?
Bea: Woody Allen hat gesagt, du weißt, dass du alt bist, wenn du dir kein neues Meißner Porzellan mehr anschaffst. Umkehrschluss: Schaffst du dir so was an, bist du nicht alt.

Alma: Ich muss euch was erzählen, kam gestern im Fernsehen: Man kann sich und den Partner mit Adrenalin übertölpeln. Der Körper verbindet Adrenalin mit Verliebtsein, und wenn man Adrenalin zum Beispiel aus Angst ausschüttet, kann es zu Fehlinterpretationen kommen: Es fühlt sich an, als sei man verliebt. Man soll also für gemeinsame Adrenalinausschüttungen sorgen, wenn es nicht mehr so gut läuft.
Delia: Deswegen verliebt man sich immer in Skilehrer und Tauchlehrer.
Bea: Auf zum Falschschirmspringen!
Alma: Aber wehe, der Skilehrer zieht danach eine Jeans an.
Zeta: Der Farmer aus Neuseeland! In einer anderen Welt war er super: diese Farmerboots, all das Männerzeug, das er konnte. Aber dann kam er mit Segelschuhen und Lacoste-Hemd an. Hatte sich schick gemacht.

Alma: Bei mir ist alles aus, wenn sich jemand in einer SMS mit »Dickem Kuss« oder »Dicker Umarmung« verabschiedet.
Gemma: Oder ein Smiley in der E-Mail! Smiley tötet alles!
Zeta: Auch sehr schön: die Abkürzung »LG«.
Bea: Aber »LG« lernt man schätzen nach dem Smiley.
Delia: Schade, dass es »Dein …« nicht mehr gibt.
Alma: Ich habe mal Online-Dating ausprobiert – by the way: Katastrophe – und ins Profil geschrieben, dass ich Emoticons hasse. Dann schreiben sie dir Mails: Lalala, Smiley smiley smiley, PS: Was sind Emoticons?
Delia: Das war bestimmt ein Blutpenis.

Kommentare

Name:
Kommentar:

  • Claudia Ballhaus (0) Danke für den Artikel.
    Nun wissen wir also, wie sechs unbedarfte Bauersfrauen die Welt sehen. Nicht unbedingt repräsentativ für die gesamte Republik, aber aus ethnologischer Sicht - zumal für mich als "Preußin" - durchaus interessant. Wo sonst bekommt man schon einen solch (unfreiwillig) unzensierten Einblick in die Gesinnung der Bewohnerinnen eines bayerischen Millionendorfs.
    Na dann, Grüß Gott!
  • Svetlana Russkaja (0) Worüber meine Mädels und ich sprechen:
    - ihr Freund verbringt eine Ewigkeit vor dem Spiegel, seine (in kleiner Zahl noch vorhandenen) Haare zu frisieren_
    - ihr Freund lösst sie sein Auto nicht fahren_
    - mein Freund fleht mich an, endlich mal am Lenkrad zu sitzen_
    - ihr Freund hat ein Ego, das wahrscheinlich nicht unter die Decke passt und sie amüsiert sich darüber_
    - ihr Freund ist vielleicht kein Romantiker, dafür kocht er gern_
    - ihr Freund kocht gern und schenkt ihr ziemlich oft Blumen_
    blah-blah-blah

    Die Gespräche sind nicht ausgedacht. Warum sollte ich?
  • Svetlana Russkaja (0) Und nein: Die Größe ist nicht das Entscheidende. Das Gefühl, das wir dabei haben, zählt.
  • Svetlana Russkaja (0) Die Plauderei über Sex ist eine Modeerscheinung: Wer eifert denn als Frau nicht den geliebten Sex-and-the-City-Helden nach?

    Nur die Ruhe, werte Männer, nicht alle Frauen springen auf billige künstliche amerikanische Symbole ein. Zugegeben, ich schlau mir zur Entspannung eine oder andere Folge der "Kult"-Serie an.

    Als eine Art Test habe ich versucht, das Thema in meinem Kaffeekränzchen zu entflammen. Nichts, aber gar nichts hat es gebracht. Lediglich werteneutrale Kommentare über das Liebesleben des Homo Sapiens. Anscheinend sind wir alle zufrieden mit dem, was wir haben und was wir nicht haben.
  • Gotthard Kronseder (2) Ohje, Mädels, ist das alles? "Richtig zur Sache" kommt ihr ja nicht wirklich! Ihr redet nur um die heiße Bolognese herum! Ist die Größe des "Zauberstabs" tatsächlich Euer einziges Kritereium? Und wenn er nicht "zaubern" kann? Ist Euch nie einer begegnet, der das "Tao der Liebe" praktiziert oder die "Welle der Glückseligkeit" beherrscht oder wenigstens ein bißchen Ahnung vom " erleuchteten Eros" hat? Da gäb`s dann aber noch viel zu er-Leben, worüber man quatschen könnte. Auch beim Sex gilt manchmal "Vorsprung durch Technik"!
  • Paula Roederle (0) Mein Gott, ich hab mich fast weggschmissn, so saulustig gschriebn und dann auch noch teilweise nachvollziehbar, z.B. in meim Anfängerkurs 'Tango'.......
    Naja, aber noch viel lustiger san die Kommentare, natürlich nur die kritischen.
    Der Mark, der Michael, die Caroline lossens ja schon aweng krachn, aber dann kommt der Berti ("also ich weiß nicht..." is scho amol sch......), dann der Wolfram ("representativ" is wohl noch net so wieder do aus USO, oder moint er preservativ?), der Gerald bringts voll aufn Punkt, der Klaus findets Präservativ, der Christian hot sicherlich so'n gaanz versteckten Schlüsselloch-Humor, und dann als Krönung der Hubert (ohne h), jo auf den und sein Sempf hot die Frauenwölt gwartet.
    Jo, hammer denn hier heitzudog goar koan Humor mehr net?
  • Hubert Blattert (0) Ob das nun repräsentativ oder authentisch ist, was hier geäußert wird, oder
    eine dem Anlass entsprechend absichtlich oberflächliche Tussirunde mit der Mission, nun mal wirklich kein Blatt vor den Mund zu nehmen - wen interessiert das. ..
    Ein paar Worte zum derzeit trendigen und irgendwie verklemmt erscheinenden Pimmeltalk.
    Es leuchtet ein, dass groß und dick mehr Genuss verspricht und Ausstattung an sich nicht ganz unwichtig ist. Aber wenn Größe plötzlich alles ist, dann empfehle ich eine Bestellung bei Beate Uhse.
    Ich glaube nicht, dass die derzeitige Fokussierung auf Zentimeter
    ein Fortschritt im Verhältnis der Geschlechter ist. Wenn Männer zunehmend nach Größe beurteilt werden, dann hat die sexuelle Befreiung tatsächlich riesige Fortschritte gemacht.
    Ums kurz und spitz zu machen: wenn durchschnittlich gebaute Männer demnächst in Kauf nehmen müssen, das Opfer von Tratsch und Spott zu werden, dann wundert Euch, liebe Frauen, bitte nicht, wenn Ihr, insbesondere mit zunehmendem Alter, runder oder großer Statur, irgendwann nur noch von Zuchtbullen oder gar nicht mehr angesprochen werdet.
    In diesem Sinne, viel Spaß für die Zeit nach dem Akt.
  • Christian Kaiser (6) Da macht sich also das SZ-Magazin auf, im "Männerheft" das männliche Voyeurbedürfnis schriftlich zu bedienen. Das Versprechen: Endlich entlarven, was Frauen wirklich denken. Erster Fehler: DIE Frauen gibt's nicht.
    Heraus kommt (natürlich!): Eine Enttäuschung. Aber über Enttäuschungen bin ich froh sein, denn sie beenden eine Täuschung. Bei mir beendet sie die Täuschung, das SZ-Magazin betreibe noch guten Journalismus. Dieser Artikel ist ein weiterer Sargnagel an meinem SZ-Abo. Vielleicht sollten sich die Blattmacher und Autoren beim "Schlüsselloch" bewerben, da hätte der Artikel besser reingepasst.
  • Klaus Bartl (1) Oh mein Gott!
    Ist das jetzt repräsentiv?
    Sind Frauen wirklich so langweilig?
    Ich wage immer noch zu hoffen, dass das nicht stimmt!
  • berti russel (0) also ich weiß ja nicht, was daran so interessant sein soll, die ganze Zeit über "Männer" zu reden. Ich mein' klar frag ich mal aus Höflichkeit nach wie es gerade so mit x läuft, aber im Grunde gibt es doch kein langweiligeres Thema.
    Und dann dieses: "Also ich steh' ja auf Männer die ..."/ "Also ich steh ja auf Sex der..." Ist das nicht alles wahnsinnig hypothetisch?
    Und wie ist das eigentlich zu verstehen, dass Frauen "quatschen" , wenn sie unter sich sind? Und Männer führen ernsthafte Gespräche oder wie?
mehr Kommentare