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aus Heft 28/2011 Familie

»Deutsche Frauen sagen nie das, was sie wirklich denken«

Seite 2: Zu schlecht gelaunt, zu schlampig angezogen, zu anspruchsvoll.

Karoline Amon  Fotos: Stephanie Fuessenich

Rolf und seine ukrainische Frau Natalya. Sie betreibt in Essen eine Partnervermittlung für Männer, die eine Frau aus der Ukraine suchen.


Eigentlich hatte Rolf, heute 56, gar nicht vor, eine Ukrainerin kennenzulernen. Es ist ihm einfach so passiert. Auf einer privaten Reise nach Kiew verliebte er sich in seine Übersetzerin. Seit acht Jahren sind die beiden verheiratet und haben drei Kinder. Vielleicht war alles doch kein Zufall, denn zum Zeitpunkt der Reise konnte Rolf seine Ehe und seine deutsche Frau längst nicht mehr aushalten: »Sie war immer so ichbezogen, die Familie war ihr egal.« Mit Natalya, 21 Jahre jünger, sagt Rolf, gehe er durch dick und dünn. Natalya betreibt in Essen die Partnervermittlung »Ukraine Natalya« speziell für deutsche Männer, die auf der Suche sind nach einer ukrainischen Frau. Wenn Rolf, Angestellter in einer Versicherung, Zeit hat, hilft er seiner Frau in der Agentur oder hütet die Kinder.

Auch Rolf ist angekommen, hat seinen Platz gefunden bei Natalya. »Bei den deutschen Frauen ist es ja so: Die brauchen eigentlich keine Männer mehr – keine Männer, die sie auch beschützen, sie unterstützen, die sie versorgen müssen.«

Rolf ist enttäuscht. Auch Thomas ist enttäuscht. Viele deutsche Männer sind enttäuscht – von den deutschen Frauen: zu anspruchsvoll, zu schlecht gelaunt, zu kompliziert, zu schlampig angezogen, zu viele Bedingungen, zu wenig Sex.

Rolfs Frau Natalya hat durch die Arbeit in der Agentur viel über die Bedürfnisse deutscher Männer gelernt und viel über die Wünsche und Hoffnungen osteuropäischer Frauen. Ukrainerinnen, sagt Natalya, erwarten von einem deutschen Mann vor allem, dass »er ihr Blumen bringt, ihr die Tür aufhält, sie einfach glücklich macht«. Wünsche, die deutsche Frauen eher belächeln – die aber zeigen, wie hart der Alltag dieser Frauen daheim ist.
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Mit ukrainischen Männern sei nichts anzufangen, allzu viele führten sich wie Paschas auf, meint Natalya: Sie kümmern sich nicht um die Familie, hocken nur auf dem Sofa, gucken fern und lassen die Frauen arbeiten gehen. Nebenbei hält sich jeder zwei bis drei Freundinnen, das gilt als normal – und wenn das einer Frau nicht passt, dann kann sie ja gehen.

Osteuropäische Frauen haben gelernt, ihre Probleme und ihr Leben allein zu meistern. Sie gehen arbeiten, sie bringen ihre Familie durch – wenn es sein muss, auch allein. Diese Frauen sind es vor allem, die sich auf die Suche nach einem netten Mann machen, toll muss er gar nicht aussehen, es reicht, wenn er nett zu ihnen ist und ihnen das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Dafür bekommt ein deutscher Mann eine Menge: eine meist praktisch veranlagte Frau, die ihn sicher durch die Wirren des Alltags leitet, zu ihm steht, sich nicht zu schade ist, beim Bäcker putzen zu gehen, um ihren Teil beizusteuern. Und sie ist auch noch dankbar.

Auf Frauen aus Osteuropa trifft noch etwas zu, was es in Deutschland so gut wie nicht gibt: Es macht ihnen nichts aus, von oben nach unten zu heiraten. Viele von ihnen haben in ihrem Heimatland studiert, heiraten hier Männer, die keinen Hochschulabschluss haben, und sind bereit, einen Job anzunehmen, der ihrer Ausbildung nicht entspricht. Das imponiert deutschen Männern.

Hier heiratet eine Krankenschwester zwar einen Oberarzt, eine Oberärztin jedoch keinen Pfleger. Und weder Krankenschwester noch Oberärztin würden im Normalfall putzen gehen, damit die Leasing-Rate fürs Auto bezahlt werden kann.
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Karoline Amon

hat sich auch mit Frauen getroffen, die von ihren Männern für eine Osteuropäerin verlassen wurden. Zweierlei fand sie dabei bemerkenswert: Nicht der Mann war in den Augen der Frauen schuld, sondern die Neue. Und es fielen Sätze wie: »Die besuchen bestimmt in Moskau Kurse ›So angle ich mir einen reichen Deutschen‹.«

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